Was ist ein gutes Studio? Sind die Strahlen harmlos? Wem ist von der Kunstsonne abzuraten? Wir sprachen mit Strahlenexperten und Hautärzten.

Wer nach den Sommerferien seine Bräune konservieren oder sich für den nächsten Urlaub vorbräunen will, der soll ins Solarium gehen ­ das wünschen sich jedenfalls die Betreiber von Sonnenstudios. Die Fragen hautbewußter Sonnenfreunde bleiben dort aber oft unbeantwortet. Wir sagen Ihnen, worauf es beim Genuss der Kunstsonne ankommt: Damit Sie Ihre Haut nicht zu Markte tragen.

Woran erkennt man ein gutes Sonnenstudio?

Wichtige Anhaltspunkte für die Qualität eines Studios bieten Sauberkeit und Hygiene ­ soweit erkennbar ­ und besonders natürlich die Art und Weise, in der das Studiopersonal die Kunden berät und betreut. Wer die Bräunungswilligen nur abkassiert und zur Sonnenbank führt, ohne sich um den Hauttyp zu kümmern oder Fragen nach Krankheiten oder verwendeten Medikamenten zu stellen, der disqualifiziert sich von selbst. Je genauer die Beratung ­ speziell beim ersten Besuch ­ desto besser.

Die Angestellten eines Sonnenstudios sollten nicht nur Fragen zur hauttypgerechten Sonnenbank und der Bestrahlungszeit beantworten können. Sie sollten kompetente Gesprächspartner für alle Fragen zur Kunstsonne sein. Genauso muss man darauf vertrauen können, dass sie die Geräte zwischen den einzelnen Benutzungen gründlich desinfizieren und regelmäßig warten lassen. So müssen neue Strahler vor der ersten Benutzung "eingebrannt" werden. Sonst kann es zu schmerzhaften Hautreaktionen kommen. Ebenso wichtig ist es, alte Strahler, die in ihrer Leistung nachgelassen haben, rechtzeitig auszuwechseln. Sonst kann man ewig auf die Bräune warten ­ und zahlt für nichts.

Im Vorraum des Studios und möglichst auch in den einzelnen Kabinen sollten ­ gut sichtbar ­ die Empfehlungen der Strahlenschutzkommisson für Solarienbenutzer aushängen. Die Gesundheitsschützer der Kommission wünschen sich darüber hinaus schon seit Jahren, dass auf den Geräten ­ als Risikobewertung ­ die Anfangs- und Höchstbestrahlungsdauer für die verschiedenen Hauttypen deutlich lesbar angebracht sein soll. Bis jetzt ist das in den meisten Studios allerdings Fehlanzeige.

Selbstverständlich sollte ohne besondere Nachfrage eine Schutzbrille angeboten werden.

Besonders so genannte Münzstudios zur Selbstbedienung sind mit Skepsis zu betrachten. Hier fehlt im Allgemeinen die notwendige Beratung und der Ansprechpartner im Notfall. Und die Reinigung der Sonnenbänke bleibt meist den Benutzern selbst überlassen.

Wer kontrolliert die Sonnenstudios?

Jeder kann ein Sonnenstudio eröffnen, besondere Voraussetzungen sind nicht zu erfüllen ­ mehr als einen Gewerbeschein braucht man dafür nicht. Studiobetreiber, die ihren Beruf verantwortungsvoll ausüben, lassen ihre Geräte in regelmäßigen Abständen überprüfen und werden sich und ihr Personal im Umgang mit der Kunstsonne schulen lassen. Das geschieht allerdings auf freiwilliger Basis, verpflichtet dazu sind sie nicht. Denn es gibt nach wie vor keine gesetzliche Grundlage, die es ermöglichen würde, Studios und Bestrahlungseinrichtungen regelmäßig zu überprüfen. Die Gesundheitsämter reagieren nur auf konkrete Anlässe, also erst dann, wenn sich Kunden beschweren, zum Beispiel über mangelnde Hygiene oder Verbrennungen nach dem "Sonnenbad".

Schon seit Jahren wenden sich das Bundesamt für Strahlenschutz und die Strahlenschutzkommission mit Empfehlungen an die Studiobetreiber und ihre Kunden, um ihnen die Notwendigkeit gewisser Schutzvorkehrungen näher zu bringen. Doch auch diese Empfehlungen haben keinen bindenden Charakter und konnten sich in der Branche bis jetzt nicht vollständig durchsetzen.

Sind die Strahlen im Solarium harmloser als Sonnenstrahlen?

Das wird in der Sonnenstudiobranche gern behauptet. Der Hintergrund: Wer sich dem natürlichen Sonnenlicht zu lange aussetzt, riskiert bekanntlich einen Sonnenbrand, dessen Spätfolgen Hautveränderungen bis hin zum Hautkrebs sein können. Verursacher des Sonnenbrands sind die im natürlichen Sonnenlicht enthaltenen mittelwelligen Ultraviolett-B-Strahlen. Dieser aggressive Strahlenanteil wird bei den Kunstsonnen heutzutage weitgehend ausgefiltert. Statt dessen setzen die Solarienhersteller verstärkt auf längerwellige UVA-Strahlen. Die sind zwar weniger aggressiv als UVB, bräunen aber auch nicht so stark. Für eine deutliche Bräunung muss deshalb UVA in hoher Dosierung eingesetzt werden. Und da beginnen die Tücken:

- Ein Zuviel dieser langwelligen Strahlen, die tiefer in die Haut eindringen als UVB, kann zu chronischen Hautschäden führen, zum Beispiel zu Bindegewebsschwäche und vorzeitiger Hautalterung.

- Hohe Intensitäten langwelliger UV-Strahlen verstärken das Risiko für Licht-Überempfindlichkeits-Reaktionen.

- Nach wie vor besteht der Verdacht, dass nicht nur die UVB-, sondern auch die UVA-Strahlen zu Hautkrebs führen können.

Um dieses Risiko möglichst gering zu halten, hat man das UVA nochmals unterteilt: Das energiereichere UVA 2, das in seiner Wellenlänge zum UVB hin tendiert, wird bei einigen UV-Strahlern weitgehend ausgefiltert. Übrig bleibt das noch längerwelligere UVA 1, das besonders mild zur Haut sein soll. Es bräunt allerdings nur wenig und muss deshalb in entsprechend hoher Intensität abgegeben werden. Die Auswirkungen auf die Haut werden unterschiedlich beurteilt. Einige Solarienanbieter schwören auf diese vermeintlich so sanfte Art des Bräunens. Anders zum Beispiel der Strahlenexperte Professor Jürgen Bernhardt, Mitglied der nationalen und internationalen Strahlenschutzkommission. Er sieht auch diesen Strahlenanteil als kritisch an: "Keine Quelle ultravioletter Strahlung kann eine einzige gewünschte Wirkung allein erzeugen, ohne gleichzeitig auch die anderen Wirkungen mit zu verursachen. Sichere Wellenbereiche gibt es nicht." Klartext: Egal welche UV-Strahlen verwendet werden (UVB- oder UVA-Strahlen) ­ bei gleicher Bräunung ergibt sich danach auch das gleiche Risiko für Spätfolgen.

Wem ist die Kunstsonne zu empfehlen?

Hautärzte sprechen von Behandlungserfolgen bei Patienten mit Schuppenflechte oder Neurodermitis. Hier muss allerdings der Arzt Art und Menge der Bestrahlung festlegen.

Hilft die Sonnenbank bei Depressionen?

Nein, bei saisonal bedingter Winterdepression gibt es Kunstlampen mit speziellem Strahlenspektrum zur Stimmungsaufhellung, die jedoch nur beim Arzt zu finden sind.

Ist maßvolles Bräunen im Solarium vorteilhaft für die Gesundheit?

UVA-Bräuner dienen allein dem kosmetischen Effekt der Bräunung. Gesundheitliche Vorteile darf man von der Bestrahlung nicht erhoffen. Es gibt zwar Hinweise darauf, dass UVA-Strahlung kurzfristig das Immunsystem stärkt, wesentlich deutlichere Anhaltspunkte sprechen jedoch dafür, dass massive, hohe Dosierungen von UV-Strahlung langfristig das Immunsystem schwächen.

Oft wird damit geworben, dass im Solarium die Vitamin-D-Bildung angekurbelt und damit der Rachitis vorgebeugt wird. Das ist jedoch in unseren Breiten überflüssig (die Vitamin-D-Bildung wird übrigens durch UVB-Strahlen angeregt): Wer sich alle paar Tage zwanzig Minuten an der frischen Luft aufhält und sich ausgewogen ernährt, ist vor Vitamin-D-Mangel geschützt.

Kann man sich im Sonnenstudio vorbräunen, so dass man auf den Urlaub am Strand besser vorbereitet ist?

Die durch UVA-Strahlen hervorgerufene Bräunung schützt nicht vor Sonnenbrand. Einen Schutz erreicht man nur dann, wenn sich gleichzeitig die Hornschicht der Haut verdickt, sich also die so genannte Lichtschwiele entwickelt. Und dazu braucht man einen gewissen Anteil an UVB-Strahlen. Darauf sollten Sie bei der Wahl Ihrer Sonnenbank achten. Wer sich ­ vorgebräunt durch reine UVA-Strahlen ­ am Strand tum- meln will, darf keinesfalls ein Lichtschutzmittel vergessen.

Helfen Besuche im Sonnenstudio vorbeugend gegen Sonnenallergie?

Hier sind die Erfahrungen so unterschiedlich wie die Ursachen der "Sonnenallergie". Manch einem Betroffenen hilft die Kunstsonne, bei anderen haben sich die Hautreaktionen sogar verschlimmert. Wer es ausprobieren möchte, sollte in jedem Fall vorher den Arzt fragen.

In mancher Hautarztpraxis gibt es Sonnenbänke, die zum Teil auch zur Lichtgewöhnung eingesetzt werden.

Wer darf nicht ins Solarium?

Abzuraten ist sehr hellhäutigen Menschen, die auch auf natürliches Sonnenlicht extrem empfindlich reagieren. Ebenso sollten diejenigen verzichten, in deren Familiengeschichte jemand Hautkrebs hatte. Menschen mit Pigmentstörungen oder vielen Muttermalen sollten zumindest vorher den Arzt fragen.

Auch bei bestimmten Medikamenten ist vom Solarium abzuraten: Zum Beispiel Antibiotika, Psychopharmaka oder Entwässerungsmittel, aber auch Pflanzenheilmittel wie Johanniskraut erhöhen die UV-Empfindlichkeit der Haut und können zu krankhaften Hautreaktionen führen oder lichtbedingte Allergien auslösen.

Auch Kinder gehören nicht auf die Sonnenbank, da ihr Immunsystem noch nicht ausgereift ist.

Generell sollte man es mit dem Bräunen auch im Sonnenstudio nie übertreiben. Zwischen den einzelnen Bestrahlungen sind unbedingt Pausen einzulegen. Fachleute raten sowieso: Mehr als 50 Sonnenbäder pro Jahr ­ Natur- und Kunstsonne zusammengezählt ­ sollte man der Haut nicht zumuten.

Sind Lichtschutzmittel auch im Solarium hilfreich?

Sie sollten hier keinesfalls benutzt werden, da sie vorwiegend zum Schutz im UVB-Bereich entwickelt wurden. Außerdem können sie sich unter dem künstlich verschobenen Strahlenspektrum verändern, so dass es zu Hautreizungen kommen kann. Das gilt ebenso für alle anderen Kosmetika, auch für Parfüms. Es ist sinnvoll, sie schon Stunden vor dem Solariumbesuch zu entfernen.

Reicht es, die Augen zu schließen, oder muss man eine Schutzbrille tragen?

Um sich vor Augenentzündungen zu schützen, sollten Sie sicherheitshalber immer eine Schutzbrille tragen. Ein Muss ist die Brille bei allen, die an der Linse operiert wurden. Jedes gute Studio wird ungefragt eine geeignete Brille anbieten.

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