Sonnenschutzmittel für Kinder Test

Am Sonnenschutz für Kinder sollte man nicht sparen. Reichlich eincremen ist an­gesagt. Teuer muss das nicht sein. Schon preiswerte Mittel schützen „sehr gut“ vor zu viel Sonne. Vorsicht: Drei sind „mangelhaft“.

Die Haut von Kindern ist dünner, durchlässiger und empfindlicher als die von Erwachsenen. Deshalb sind gerade sie vor zu viel Sonne zu schützen. Die hauteigenen Schutzmechanismen – die Fähigkeit zu bräunen und die Verdickung der obersten Hautschicht (Lichtschwiele) – bilden sich erst langsam ab dem zweiten Lebensjahr. Bis die Haut in der Pubertät erwachsen wird, können die Strahlen tief in die Haut eindringen und dort Schäden anrichten, die erst Jahrzehnte später sichtbar und spürbar werden. Denn die Haut vergisst nichts. Die Lichtschäden summieren sich ab der Geburt. Bereits mit 30 können sie erschreckend deutlich zutage treten. Vorzeitige Hautalterung gehört noch zu den harmloseren Folgen, schlimmstenfalls kann übermäßiger Sonnengenuss zu Hautkrebs führen.

Deshalb ist ein guter Sonnenschutz für den Nachwuchs unerlässlich. Hinzu kommt auch, dass Kinder mehr Zeit im Freien und in der Sonne verbringen als Erwachsene. Experten schätzen, dass die jährliche Belastung durch ultraviolette Strahlen beim Kind etwa dreimal so hoch liegt wie beim Erwachsenen. Und man geht davon aus, dass bis zu 80 Prozent der durchschnittlichen Gesamtdosis an UV-Strahlen, die ein Mensch in seinem Leben aufnimmt, in den ersten 18 Lebensjahren angesammelt werden.

Besorgte Eltern sollten nun aber nicht in Übervorsicht verfallen und die Kleinen zu einem Schattendasein verurteilen. Die Sonne gehört zum Sommer wie das Gelbe zum Ei. Wohldo­siert genossen, können auch Kinder von ihr nur profitieren: Maßvoller Sonnengenuss tut einfach gut, macht gute Laune, stärkt den Kreislauf und die Immunab­wehr und bringt die für Knochen und Zähne wichtige Vitamin-D-Bildung in Gang.

Und ausreichende Schutzmaßnahmen gibt es genügend: Wer sein im Freien spielendes Kind nicht nackt, sondern mit Hemd, Höschen, Sonnenhut und Sonnenbrille herumtollen lässt, hat schon gut vorgesorgt. Wer es dann noch mit einem starken Lichtschutzmittel – reichlich und mehrmals – eincremt und die Tipps beachtet, kann sich beruhigt zurücklehnen.

19 Mittel für Babys und Kinder

Sonnenschutzmittel für Kinder Test

Sonnenbrandgefahr:
Cremen Sie Ihr Kind auch unter den Trägern des Badeanzugs ein.

Auf welche Sonnenschutzmittel sich Eltern verlassen können, haben wir getestet: 14 Sonnenschutzmittel, Lotionen und Sprays, speziell für Kinder. Hinzu kom­men 5 Lotionen für Babys, die sich in der Rezeptur allerdings kaum von den Produkten für die Größeren unterscheiden. Alle ge­testeten Mittel loben hohe Lichtschutzfaktoren von 15 bis 40 aus. Sie kosten – umgerechnet auf die vergleichbare Menge von 100 Milliliter – zwischen 1,55 und 8,40 Euro. Einige bekannte Produkte (zum Beispiel von Aldi) sind nicht vertreten: Deren neue Kreationen waren zum Teststart noch nicht auf dem Markt. Die Ergebnisse werden wir nachreichen.

Drei halten Versprechen nicht

Sonnenschutzmittel für Kinder sollten vor allem einen hohen Schutz bieten und wasserfest sein. Zentraler Prüfpunkt ist die Einhaltung des angegebenen Lichtschutzfaktors. Kein Problem für die meisten Testprodukte, auch nicht für die besonders preiswerten: Sie schützen entsprechend ihrem deklarierten Licht­schutz­­faktor „sehr gut“ vor den sengenden Strahlen. Doch es gibt auch Mittel, die zu viel versprechen. Das sind Nivea Baby Sonnen-Milch und Sonnenmilch sowie -spray von Ihr Platz/Alando. Sie un­terschritten den ausgelobten Faktor um mehr als 20 Prozent. Aufgrund dieser hohen Abweichungen können wir sie auch im test-Qualitätsurteil nur „mangelhaft“ nennen. Denn bei diesen Mitteln droht der Sonnenbrand deutlich schneller als erwartet.

Der auf den Sonnenschutzprodukten aufgedruckte Lichtschutzfaktor gibt näm­lich einen Anhaltspunkt dafür, wie lange man sich mit dem Mittel in der Sonne aufhalten kann, ohne einen Sonnenbrand zu bekommen. Wobei die Zahlen in der Praxis mit Vorsicht zu betrachten sind. Schließlich ist der Lichtschutzfaktor ein unter Laborbedingungen ermittelter Durch­schnittswert. Beim tatsächlichen Sonnenbaden an frischer Luft können sich – je nach Hauttyp, klimatischen Bedingungen, aufgetragener Menge des Mittels – durchaus Abweichungen ergeben. Deshalb sollte man die Angaben zum Lichtschutzfaktor lediglich als Richtwert betrachten: Faktor 20 bietet mehr Schutz als Faktor 15.

Mittlerweile wird auch ein Umdenken der Anbieter sichtbar: Einige geben nicht mehr nur den Schutzfaktor an, sondern ordnen ihn bestimmten Schutzklassen (Basis bis Ultra hoch) zu. Ab 2006 werden alle Anbieter dazu verpflichtet sein. Schon Faktor 10 ist übrigens ein recht guter Schutz: Er bedeutet, dass etwa 90 Prozent der aggressiven Strahlen herausgefiltert werden. Lichtschutzfaktor 12 bringt es auf knapp 92 Prozent, Lichtschutzfaktor 20 auf etwa 95 Prozent. Ein hundertprozentiger Schutz ist selbst mit Lichtschutzfaktor 40 nicht zu erreichen.

UVA- und UVB-Filter

Die auf den Flaschen angegebenen Lichtschutzfaktoren beziehen sich allein auf den Schutz vor den mittelwelligen Ultraviolett-B-Strahlen, die für den Sonnenbrand und den Hautkrebs verantwortlich gemacht werden.

Doch auch die längerwelligen UVA-Strahlen sind nicht ohne. Sie dringen tiefer ein, zerstören die elastischen Fasern des Bindegewebes und lassen die Haut früher altern. Allergische Reaktionen gehen ebenfalls auf das Konto von UVA. Weitere Wirkungen sind noch nicht endgültig geklärt. Deshalb ist nicht nur auf Schutz im UVB-, sondern auch im UVA-Bereich zu achten. Die getesteten Mittel versprechen ihn alle.

Wie hoch der UVA-Faktor ist und wie lange er schützt, lässt sich bislang aber nicht verlässlich angeben. Denn eine allgemein anerkannte Messmethode für den UVA-Faktor fehlt noch immer. Man weiß nicht einmal, wie viel UVA für den Menschen sinnvoll und ab welcher Menge es schädlich ist. So klar sichtbare Signale wie der Sonnenbrand treten als Reaktion auf UVA-Strahlen nicht auf. Auf jeden Fall sind die Unsicherheiten bei der UVA-Bestimmung ein weiterer Grund dafür, das Sonnenbad nicht zu lange auszudehnen: Der Mensch ist zwar im UVB-Bereich durch hohe Schutzfaktoren ausreichend abgeschirmt, ob die UVA-Filter ebenso lange vorhalten, weiß niemand.

Alle wasserfest

Für Kinder, die baden oder am Wasser spielen, empfehlen sich wasserfeste Mittel. Alle getesteten Mittel haben diese Eigenschaft. Doch ein Komplettschutz ist davon nicht zu erwarten: Ein Produkt gilt schon dann als „wasserfest“, wenn nach 2-mal 20 Minuten Baden nur noch die Hälfte des ursprünglichen Schutzes vorhanden ist. Auch bei „extra wasserfesten“ Mitteln verringert sich der Schutz nach mehrmaligem Baden deutlich. Wer auf Nummer Sicher gehen und sein Kind optimal schützen will, cremt es nach jedem Baden und Abtrocknen erneut gründlich ein – ob mit Sonnenmilch oder -spray ist vor allem Geschmacksache. Sprays sind in der Anwendung allerdings oft nicht so bequem, wie die Werbung suggeriert. Denn sprühen allein genügt nicht. Die Mittel müssen gründlich verrieben werden, genauso wie die Sonnenmilch.

Auf jeden Fall ist es günstig, die Mittel nicht in der prallen Sonne herumliegen zu lassen. Bei hohen Temperaturen werden sie zum Teil derart dünnflüssig, dass sie schwer zu dosieren sind. Oft läuft dann mehr Creme als gewünscht aus der Flasche. Der Haut schadet das allerdings nicht – im Gegenteil: Je reichlicher sie eingecremt wird, desto besser.

Auch für besonders Empfindliche

Sonnenschutzmittel für Kinder werden auch gern von Erwachsenen mit trockener Haut benutzt, denn sie sind – den kindlichen Bedürfnissen angepasst – deutlich fetthaltiger als die üblichen Sonnenschutzmittel für Erwachsene.

Kinderhaut ist noch viel durchlässiger für die vielfältigen Inhaltsstoffe der Mittel. Deshalb sollte bei diesen Produkten soweit wie möglich auf Bestandteile verzichtet werden, die die Haut irritieren könnten. Das sind vor allem Konservierungs- und Parfümstoffe, aber auch Farb­stoffe und Emulgatoren (sie halten die wässrigen und öligen Bestandteile einer Emulsion zusammen). Um die Auswahl zu erleichtern, haben wir in der Tabelle aufgeführt, welche Produkte ohne diese Substanzen auskommen.

Manch einer verträgt allerdings auch die Schutz spendenden Filterstoffe nicht, die in Mitteln mit hohen Faktoren natürlich in höheren Konzentrationen eingesetzt werden müssen. Die einigen Filtern nachgesagte hormonelle Wirkung erwies sich zwar als haltlos, zu Hautreizungen oder allergischen Reaktionen kann es im Einzelfall aber dennoch kommen. Deshalb werden die dafür verantwortlichen organischen Lichtschutzfilter heutzutage häufig in ihrer Einsatzmenge reduziert und anorganische Filter (so genannte Mi­kropigmente, meist Titandioxid und Zink­oxid) ergänzend zugesetzt. Sie gelten als besonders hautfreundlich.

Mittlerweile gibt es auch Mittel, die allein durch Mikropigmente schützen. Im Test mit einbezogen waren Eucerin Kleinkinder Micropigment Lotion, Ladival Sonnenmilch für Kinder mit Mikropigmenten sowie die Babyprodukte Rossmann/Babydream, Mül­ler/Babydream und Nivea Baby Sonnen-Milch.

Die Mittel speziell für Babys sind übrigens nicht unumstritten. Es gibt Hautärzte, die empfehlen, die Kleinen im ersten Lebensjahr nicht mit Sonnenschutz einzureiben, sondern sie ausschließlich mit Kleidung zu schützen und sie gar nicht der prallen Sonne auszusetzen.

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