Sonnenschutzmittel für Kinder: Nachzügler im Test

Von „sehr gut“ bis „mangelhaft“ lauten unsere Urteile für die neuen Kinder-Sonnenschutzmittel. Wie beim Vortest im Juni bieten auch sie nicht alle den Schutz, den sie versprechen.

Der Test von Sonnenschutzmitteln für Kinder, den wir im Juniheft von test veröffentlichten, lief bereits auf Hochtouren, als einige marktbedeutende Produkte noch gar nicht im Handel waren. Nun stehen sie in den Regalen und wir haben sie sofort unter die Lupe genommen – nach den gleichen Kriterien wie die 19 vorher getesteten Sonnenschutzmittel für Kinder.

Zwei der acht untersuchten Produkte – alle mit ausgelobten Lichtschutzfaktoren von 25 oder 30 – sind sogar noch eine Spur besser als die Spitzenreiter aus dem Juniheft: Nivea Sun Sun Block-Milch für Kinder und das Sonnenspray für Kinder von Kd/Sun Up, das – wie alle hier vorgestellten Sprays – mintfarben aus der Flasche kommt. Doch wieder sind auch „mangelhafte“ Kandidaten darunter: Lavera Sun Sensitiv Baby & Kinder Sonnenmilch und das Sonnenschutzspray für Kinder von Garnier Ambre Solaire. Sie versagten im zentralen Prüfpunkt der Untersuchung, bei der Einhaltung des angegebenen Lichtschutzfaktors. Statt des ausgelobten Faktors von 30 erreichte Garnier im Extremfall nur Faktor 19, Lavera sogar nur 16. Diese Abweichungen sind zu hoch. Und so rutschten beide Produkte auch im test-Qualitätsurteil auf „mangelhaft“. Schließlich können sich Eltern mit diesen Mitteln in falscher Sicherheit wiegen: Der Sonnenbrand droht deutlich schneller als erwartet.

Hohes Risiko

Gerade für Kinder birgt der Sonnenbrand ein hohes Risiko. Denn ihre Haut ist noch wesentlich dünner, durchlässiger und empfindlicher als die von Erwachsenen. Sonnenbrände in den ersten zehn Lebensjahren erhöhen drastisch das Risiko, später Hautkrebs zu bekommen.

Sonnenschutzmittel sollen vor Sonnenbrand schützen. Einen Anhaltspunkt dafür, wie lange man sich mit dem Mittel in der Sonne aufhalten kann, ohne einen Sonnenbrand zu bekommen, gibt der aufgedruckte Lichtschutzfaktor. Wer zum Beispiel 15 Minuten ungeschützt in der Sonne bleiben kann, ohne sich zu röten, dem verhilft ein Mittel mit Faktor 30 zu einer Schutzdauer von 30-mal 15 Minuten, also siebeneinhalb Stunden. Theoretisch jedenfalls. Denn der Lichtschutzfaktor ist ein unter Laborbedingungen ermittelter Durchschnittswert. Je nach Hauttyp, klimatischen Bedingungen und aufgetragener Menge des Mittels können sich beim Sonnenbaden an frischer Luft deutliche Abweichungen ergeben. Hautärzte empfehlen deshalb, den Faktor nie auszureizen, sondern spätestens nach zwei Dritteln der erlaubten Zeit in den Schatten zu wechseln.

Schutz vor UVA und UVB

Wichtig zu wissen: Die Lichtschutzfaktoren beziehen sich allein auf den Schutz vor den mittelwelligen Ultraviolett-B-Strahlen. Sie werden für den Sonnenbrand und den Hautkrebs verantwortlich gemacht. Doch auch die längerwelligen UVA-Strahlen haben es in sich. Sie dringen tiefer in die Haut ein, zerstören die elastischen Fasern des Bindegewebes und lassen die Haut früher altern. Und auch für allergische Reaktionen sind oft die UVA-Strahlen verantwortlich. Deshalb kommt es auch auf Schutz in diesem Strahlenbereich an. Die getesteten Mittel versprechen ihn alle. Wie hoch der UVA-Faktor tatsächlich ist und wie lange er zuverlässig schützt, lässt sich bislang aber nicht verlässlich angeben. Denn eine allgemein anerkannte Messmethode fehlt noch immer.

Sommerzeit – das heißt planschen, schwimmen, am Wasser spielen. Gut, dass alle getesteten Sonnenschutzmittel wasserfest sind. Einmal eincremen vor dem Besuch am Strand oder im Schwimmbad reicht aber nicht. Wer sein Kind optimal schützen will, cremt es nach jedem Baden und Abtrocknen erneut gründlich ein – ob mit Lotion oder Spray ist vor allem Geschmacksache. Die farbigen Sprays sind einfach moderner.

Egal, ob Spray oder Lotion: Einige Sonnenschutzprodukte reagieren empfindlich, wenn man sie in der prallen Sonne liegen lässt. Sie werden dann sehr dünnflüssig und sind schwer zu dosieren.

Empfindlichkeiten

Bei Sonnenschutzmitteln für Kinder sollte so weit wie möglich auf Bestandteile verzichtet werden, die ihre Haut irritieren könnten. Denn sie ist noch viel durchlässiger für die Inhaltsstoffe als erwachsene Haut. In der Tabelle ist deshalb aufgeführt, welche Produkte ohne Konservierungs-, Parfüm-, Farbstoffe und Emulgatoren (halten die wässrigen und öligen Bestandteile einer Emulsion zusammen) auskommen.

Hautverträgliche Mikropigmente

Aber auch die Filterstoffe verträgt nicht jeder. Manche reagieren auf organische Filter empfindlich. Deshalb wird ihre Menge heute häufig reduziert. Ergänzend werden die als besonders hautfreundlich geltenden anorganischen Filter (so genannte Mikropigmente: Titandioxid und Zinkoxid) zugesetzt. Und mittlerweile schützen Mittel auch allein durch Mikropigmente „sehr gut“ vor zu viel Sonne. Im Test aus dem Juniheft waren das Eucerin Kleinkinder Micropigment Lotion und Ladival Sonnenmilch für Kinder mit Mikropigmenten sowie die Babyprodukte Rossmann/Babydream und Müller/Babydream.

Im jetzigen Test ist Lavera Sun Sensitiv Baby & Kinder Sonnenmilch das einzige Mittel, das nur mit Mikropigmenten schützt – allerdings deutlich weniger als ausgelobt und dementsprechend „mangelhaft“. Bei diesem Produkt vermissten wir auch jeden Hinweis zur korrekten Anwendung, genauso beim Spray von Nivea. Dabei sind einige Tipps unerlässlich, um gegen zu viel Sonne gewappnet zu sein.

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