Sonnen­schutz­mittel Test

Sonnen­schutz­mittel für Kinder sind oft fett­haltiger als andere Sonnen­schutz­mittel. Auch Erwachsene mit trockener Haut nutzen sie gern. Die teuersten sind nicht die besten.

Haut­ärzte und Kinder­ärzte haben einen Wunsch: So selbst­verständlich wie tägliches Zähneputzen sollte auch der acht­same Umgang mit der Sonne sein. Für Kinder ist das noch wichtiger als für Erwachsene. Sie reagieren besonders empfindlich auf Sonnen­strahlen. Ihre Haut ist noch in der Entwick­lung begriffen. Nur lang­sam entwickelt sie eigene Schutz­mecha­nismen gegen UV-Strahlen wie die Fähig­keit zu bräunen und die Verdickung der obersten Haut­schicht (Licht­schwiele).

Sonnen­schutz­mittel Test

Gut abge­schirmt: Geschützt durch Kleidung und Sonnen­schutz­mittel steht dem Herum­toben an Luft und Sonne nichts mehr entgegen. Aber Achtung: Vergessen Sie nicht, ab und zu reichlich nach­zucremen.

Erst in der Pubertät wird die Haut erwachsen. Bis dahin können die Strahlen tief in die Haut eindringen und Schäden anrichten, die erst Jahr­zehnte später – schlimms­tenfalls als Haut­krebs – sicht­bar werden. Deshalb müssen Eltern ihre Kinder beim Herum­toben im Freien gut schützen: mit Hemd, Höschen, Sonnenhut, Sonnenbrille und mit einem Sonnen­schutz­mittel mit hohem Licht­schutz­faktor (LSF). Dann nur noch mehr­mals reichlich eincremen, einige Tipps beachten, und sie sind auf der sicheren Seite.

Für sehr hell­häutige Kinder 50+

Sonnen­schutz­mittel Test

Auch Erwachsene mit sonnen­empfindlicher Haut, besonders die, die unter trockener Haut leiden, benutzen gern Kinder-Sonnen­schutz­mittel. Denn die sind oft etwas fett­haltiger als die Produkte für Erwachsene. Kinder, die leicht bräunen, sollten ebenfalls mit stark schützenden Mitteln einge­cremt werden – zumindest zu Beginn des Urlaubs.

Alle 20 Sonnen­schutz­mittel im Test versprechen mindestens einen hohen Schutz mit Licht­schutz­faktor 30 und 50, andere mit Faktor 50+ sogar einen sehr hohen. Der empfiehlt sich für besonders licht­empfindliche, extrem hell­häutige Kinder. Alle anderen sind auch mit Licht­schutz­faktor 30 gut versorgt. Aber auch Erwachsene mit trockener Haut benutzen gern Kinder-Sonnen­schutz­produkte, weil sie oft eine fett­haltigere Zusammenset­zung haben als andere Sprays und Lotionen.

Die teuersten sind nicht die besten

Immerhin zwölf Lotionen und Sprays erzielen gute test-Qualitäts­urteile, darunter etliche preis­werte Angebote aus Drogeriemärkten und vom Discounter – zum Beispiel die Sonnenmilch­produkte von Müller, dm und Aldi sowie die Sprays von Lidl und Norma. Umge­rechnet auf 100 Milliliter kosten sie nicht mehr als 2  Euro. Es sind also nicht die teuersten Produkte wie La Roche-Posay Anthelios, Daylong Kids oder Ultra­sun, die den Nach­wuchs rundum am besten schützen und dafür mit bis zu 21 Euro pro 100 Milliliter zur Kasse bitten.

Sie schützen vor aggressiven Strahlen

Egal ob teuer oder billig: Alle Sprays und Lotionen halten diesmal den ausgelobten Licht­schutz­faktor ein. Sie schützen entsprechend der Deklaration vor den aggressiven Ultra­violett-B-Strahlen, die für Sonnenbrand und Haut­krebs verantwort­lich gemacht werden. Annemarie Börlind hat allerdings des Guten zu viel getan: Ihre Sonnenmilch über­schreitet den angegebenen Licht­schutz­faktor 30 um mehr als 200 Prozent. Deshalb heißt die Note hier ausreichend. Denn Licht­schutz­filter sollten mit Bedacht einge­setzt werden.

UVA dringt tief in die Haut ein

Sonnen­schutz­mittel Test

Das kreis­runde Logo „UVA“ auf den Verpackungen signalisiert ausreichenden Schutz für diesen Strahlen­bereich.

Alle Mittel versprechen, auch vor UVA-Strahlen zu schützen. Das signalisiert meist das kreis­runde Logo auf den Verpackungen, in dem UVA steht. Diese längerwel­ligen Strahlen dringen tiefer in die Haut ein als UVB. Sie werden für das vorzeitige Altern der Haut und für manche Hautirritation verantwort­lich gemacht, aber auch für die Entstehung von Haut­krebs.

Ultra­sun schützt nicht genug vor UVA

Um in diesem Strahlen­bereich wirkungs­voll schützen zu können, muss das Verhältnis des UVA- und UVB-Faktors mindestens 1 : 3 betragen. Fast alle Sprays und Lotionen halten dieses Verhältnis ein. Nur Ultra­sun, eine Sonnenlotion, die oft auch in Flugzeugen angeboten wird, schafft es nicht. Sie enthält nur anorganische Filter­substanzen – Titan­dioxid und Zink­oxid. Allein mit diesen Filtern, auf die vor allem Naturkosmetik­hersteller schwören, ist ein hoher UVA-Schutz nur schwer zu erzielen. Einen Nachteil haben die UVA-Filter­substanzen: Sie können hartnä­ckige gelb­liche Flecken auf Textilien verursachen. Bislang ist das tech­nisch noch nicht vermeid­bar.

Tipp: Warten Sie nach dem Eincremen etwas ab, bevor Sie dem Kind etwas über­ziehen, oder verzichten Sie auf helle Kleidung. Auf dunkleren Textilien sind die Flecken nicht so leicht sicht­bar. Am besten lassen sie sich noch aus Baumwolle entfernen. Manch einer schwört dabei auf Wasch­benzin oder Geschirr­spül­mittel.

Beim Baden schwindet der Schutz

Von der Wasser­festig­keit, die auf den Verpackungen versprochen wird, sollte der Kunde nicht zu viel erwarten. Ein Sonnen­schutz­mittel darf sich „wasser­fest“ nennen, wenn nach zweimal 20 Minuten Baden noch die Hälfte des ursprüng­lichen Schutzes vorhanden ist. Die Sonnenlotionen von Nivea (Licht­schutz­faktor 30) und Daylong bewältigen diese Mindest­anforderung nicht, genauso wenig das Spray Ombra Sun von Aldi (Nord).

Tipp: Cremen Sie Ihr Kind nach jedem Baden und Abtrocknen unbe­dingt erneut ein – egal ob wasser­festes Mittel oder nicht.

Besser cremen oder sprühen?

„Leicht und bequem aufzutragen“, Sonnen­schutz „auf Knopf­druck“, „für echte Sprühlaune“ – so stellen Marketing­experten gern die Vorteile von Sonnen­sprays heraus. Doch die Unterschiede zu Lotionen sind nicht so gewaltig. Auch ein Spray muss der Anwender auf dem Körper verteilen und einreiben, um gleich­mäßigen Schutz zu gewähr­leisten. Ob er nun ein Spray oder eine Milch benutzt, ist Geschmack­sache. Der eine sprüht, der andere cremt halt lieber. Dazu müssen die Mittel aber erst einmal unkompliziert der Flasche oder Tube zu entnehmen sein. Das heißt, sie dürfen nicht zu dünn- oder zu dick­flüssig sein. Probleme gab es vor allem bei der Sonnenmilch von La Roche Posay-Anthelios, die einfach aus der Tube kleckert. Beim Sonnen­schutz­spray Ombra Sun von Aldi (Nord) war den Testern der Sprüh­strahl nicht fein und nicht gleich­mäßig genug.

Viele ohne Farb­stoffe und Parfüm

Sonnen­schutz­mittel enthalten vielfältige Inhalts­stoffe. Darauf reagiert Kinder­haut mitunter empfindlicher als die Haut von Erwachsenen. Deshalb heißt es, so weit wie möglich auf Stoffe zu verzichten, die sie irritieren könnten: Konservierungs- und Parfüm­stoffe, Emulgatoren – sie halten die Bestand­teile einer Emulsion zusammen – und Farb­stoffe. Einige Anbieter verzichten völlig darauf (siehe Tabelle). Die Mehr­zahl der Sonnen­schutz­mittel ist frei von Parfüm­stoffen. Ein angenehmer Duft kann aber die Motivation des Kindes steigern, sich eincremen zu lassen.

Widerstands­fähig gegen Keime

Etliche der getesteten Produkte kommen ohne den Zusatz von Konservierungs­stoffen aus. Ohne sie besteht allerdings die Gefahr, dass sich Keime in Sonnenmilch und Co. vermehren – gerade bei Sommer­hitze und am Strand passiert das schnell. Im Prüf­labor ließen wir den Produkten deshalb Keime zusetzen und ihre Entwick­lung beob­achten. Die meisten Kinder-Sonnen­schutz­mittel erwiesen sich als widerstands­fähig gegen Keimbefall, auch die Produkte, die auf den Zusatz von Konservierungs­mitteln verzichten. Allein die beiden Sprays von Garnier Ambre Solaire (Licht­schutz­faktor 30 und 50+) verminderten die Keime zu wenig und schneiden in der mikrobiologischen Qualität deshalb nur ausreichend ab.

Nanop­artikel kein Problem

Manch einer verträgt auch die organischen Filter­substanzen nicht. Viele Hersteller sind dazu überge­gangen, verstärkt anorganische Filter wie Titan­dioxid und Zink­oxid einzusetzen. Doch die führten zu Diskussionen: Diese Pigmente werden zum Teil in derartig winziger Partikelgröße – Nanop­artikel – einge­setzt, dass die Befürchtung aufkam, die Winzlinge könnten durch die Haut in den Organismus wandern – mit unbe­kannten Folgen. Das Bundes­amt für Risiko­be­wertung hat inzwischen Entwarnung gegeben: Nach derzeitigem Stand der Wissenschaft muss man sich keine Sorgen machen. Die in Sonnen­schutz­mitteln einge­setzten Nanop­artikel können die Haut nicht durch­dringen. Das gilt aber bislang nur für gesunde Haut als erwiesen.

Nicht vergessen: Sonne tut gut

Trotz aller elterlichen Fürsorge rund um den Sonnen­schutz: Ein Schattendasein sollten Kinder deshalb noch lange nicht fristen. Für alle gilt: Solange wir die Sonne wohl­dosiert genießen, profitieren wir von ihr. Denn maßvoller Sonnengenuss tut einfach gut, macht gute Laune, stärkt Kreis­lauf und Immun­abwehr und bringt die für Knochen und Zähne wichtige Vitamin-D-Bildung in Gang. Um diese positiven Wirkungen zu erzielen, ist aber kein stunden­langes Sonnenbaden erforderlich. 20 Minuten pro Tag an der frischen Luft reichen beispiels­weise völlig aus, um die Vitamin-D-Bildung zu fördern.

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