Sonnenschutzmittel Test

Wer sich auf Sonnenschutzmittel mit hohen Lichtschutzfaktoren verlässt, ist nicht immer auf der sicheren Seite – egal ob Spray oder Lotion. Jedes dritte Mittel im Test verspricht zu viel.

Alle Warnungen vor Schrumpelhaut und Hautkrebs sind vergessen, wenn nach trüben Wintertagen die Sonne wieder wärmend vom Himmel lacht. Gerade die nicht vom Licht verwöhnten Nord- und Mitteleu­ropäer stürzen sich dann in jeden erreichbaren Sonnenstrahl. Jetzt zählen nur die positiven Seiten der Sonne: Sie fördert Wohlbe­finden, Lebenslust und gute Laune. Die Strapazen für die Haut werden dabei gern außer Acht gelassen. Sie braucht Zeit, um sich an die Strahlen zu gewöhnen. Aus Rücksicht auf die Haut heißt es, häufig in den Schatten zu wechseln, sich am besten mit Kleidung und mit einem wirksamen Sonnenschutzmittel zu schützen.

Fünfmal „mangelhaft“

Sonnenschutzmittel Test

Der Querschnitt zeigts: UVA-Strahlen dringen bis in tiefe Hautschichten..

Doch diese Mittel schützen nicht immer so, wie sie es versprechen. Bei einigen kann ein Sonnenbrand deutlich schneller auftreten als erwartet, wie sich im Test von 16 Sonnensprays und -lotionen herausstellte. Bei den geprüften Produkten von Annemarie Börlind, Avon, dm/Sun Dance, Tiroler Nussöl und Lavera wurden die aufgedruckten Lichtschutzfaktoren um mehr als 20 Prozent unterschritten. Lavera erreicht im Durchschnitt sogar nur Faktor 8 statt des versprochenen Faktors 15. Diese „Sonnenschützer“ können wir nur „mangelhaft“ nennen.

Viermal „sehr gut“

Die Konkurrenten halten den Lichtschutzfaktor deutlich besser ein. Insge­samt „sehr gute“ test-Qualitätsurteile erzielten jedoch nur die Lotionen Rossmann/Sun Ozon und Müller/Sun Ozon sowie die Sprays von L'Oréal und Lierac.

Wir haben Lichtschutzmittel mit Schutz­faktoren zwischen 15 und 20 getestet. Diese vergleichsweise hohen Faktoren sind zu­rzeit besonders gefragt. Leider können wir einige bekannte Produkte (zum Beispiel von Nivea) noch nicht vorstellen: Deren neue Kreationen waren zum Teststart noch nicht auf dem Markt. Die Ergebnisse werden wir nachreichen.

Schon Lichtschutzfaktor 10 hat einiges zu bieten: Er filtert etwa 90 Prozent der aggressiven Strahlen heraus, Faktor 20 bringt es auf etwa 95 Prozent. Ein hundertprozentiger Schutz ist selbst mit Lichtschutzfaktor 60 nicht zu erreichen. Er ist auch gar nicht erwünscht, denn ein bisschen Sonne braucht die Haut schon, um ihre ei­genen Schutzmechanismen entwickeln zu können: die Bräune und die Lichtschwiele (Verdickung der obersten Hautschicht).

Lichtschutzfaktor meint UVB

Lichtschutzmittel schützen in erster Linie vor den mittelwelligen Ultraviolett-B- Strah­­len, die Sonnenbrand und Hautkrebs fördern. Die auf den Behältern aufgedruckten Zahlen beziehen sich allein auf den Schutz in diesem Strahlenbereich.

Doch auch die längerwelligen UVA-Strahlen bringen Risiken mit sich. Sie dringen tiefer in die Haut ein, lassen sie vorzeitig altern und werden für etliche Hautreaktionen verantwortlich gemacht. Auch ein Zusammenhang mit der Entstehung von Hautkrebs wird nicht ausgeschlossen. So versprechen denn auch alle getesteten Produkte einen Schutz vor diesem Strahlenbereich.

Wie hoch der UVA-Faktor ist und wie lange er schützt, lässt sich bislang aber nicht verlässlich angeben. Denn eine allgemein anerkannte Messmethode für den UVA-Faktor fehlt noch immer. Nach wie vor weiß man nicht einmal, wie viel UVA für den Menschen sinnvoll und ab welcher Menge es schädlich ist. So klar sichtbare Signale wie der Sonnenbrand treten bei UVA-Strahlen nämlich nicht auf.

Die Unsicherheiten bei der UVA-Bestimmung sind auf jeden Fall ein weiterer Grund dafür, den Aufenthalt in der Sonne nicht zu lange auszudehnen: Der Mensch ist zwar im UVB-Bereich durch hohe Lichtschutzfaktoren ausreichend abgeschirmt, ob die UVA-Filter ebenso lange vorhalten, weiß niemand.

Für die ausgedörrte Haut

Ein gutes Lichtschutzmittel muss aber nicht nur vor UV-Strahlen schützen, sondern auch die Haut pflegen. Sonne, Wasser und Wind entziehen ihr Feuchtigkeit und trocknen sie aus. Besonders hautpflegend, weil „sehr gut“ feuchtigkeitsan­reichernd, sind die Sprays von L'Oréal und Lierac. Dichtauf folgen die Lotionen von Rossmann, Müller, L'Oréal, Lancaster und Schlecker. Weniger Pluspunkte für die Pflegewirkung erhielten vor allem die Sprays von Yves Rocher, Clarins und Ladival sowie die Lotion von Piz Buin.

Für den Badeurlaub

Für den Urlaub am Strand oder bei starkem Schwitzen bieten sich „wasserfeste“ Sonnenschutzmittel an. Doch eine Sicherheitsgarantie ist das nicht. Denn die Produkte dürfen sich schon dann „wasserfest“ nennen, wenn nach 2 x 20 Minuten Baden nur noch die Hälfte des ursprünglichen Schutzes vorhanden ist.

Lotionen erfüllen die Kriterien für die Wasserfestigkeit in unseren Tests schon seit Jahren problemlos. Wir haben deshalb nur die Sprays geprüft: Auch sie sind alle „wasserfest“. Für die Praxis heißt das aber: Wer auf Nummer Sicher gehen will, reibt sich nach jedem Baden und Abtrocknen erneut gründlich ein. Achtung: Manche Lotionen werden bei großer Hitze so flüssig, dass sie nur schwer kontrolliert zu entnehmen sind.

Inhaltsstoffe

Gesunde Haut verkraftet die Inhaltsstoffe von Sonnenschutzmitteln im Allgemeinen problemlos. Auch im Test traten nur vereinzelt schnell vergehende, unbedeutende Nebenwirkungen auf, zum Beispiel Jucken oder Spannungsgefühle. Trotzdem sind krankhafte Hautreaktionen je nach individueller Empfindlichkeit möglich. Schuld daran sind meist Konservierungsmittel, Farbstoffe, Parfüms oder Emul­gatoren (verbinden Fett und Wasser in einer Emulsion). Für Betroffene haben wir in der Tabelle aufgeführt, welche Produkte ohne diese Substanzen auskommen. Auch die Lichtschutzfilter bekommen nicht jedem. Die hormonelle Wirkung, die einigen nachgesagt wird, erwies sich zwar bislang als haltlos, dennoch reagiert manche Haut empfindlich. Als besonders hautfreundlich gelten anorganische Filter (Titandioxid, Zinkoxid). Nur ein Produkt im Test setzt ausschließlich auf diese Filterart: das Spray von Lavera Naturkosmetik. Schade nur, dass es weitaus weniger vor der Sonne schützt als versprochen.

Rechtzeitig und reichlich

Auch das beste Sonnenschutzmittel entfaltet seine volle Wirkung nur, wenn es rechtzeitig, richtig und reichlich aufgetragen wird. Die Anbieter geben oft nur recht dürftige Hinweise zur korrekten Anwendung, manchmal fehlen sie völlig. Die Tipps helfen, sich den Pelz nicht zu verbrennen.

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