Interview: Kein Freifahrschein

Sonnenschutzmittel Test

Sonnenschutzmittel sind eine sinnvolle Hilfe zum Schutz der Haut. Doch sie sind nicht alles, sagt Professor Dr. Wolfgang Gehring, Chefarzt der Hautklinik am Städtischen Klinikum in Karlsruhe.

Welche Rolle spielen Sonnenschutzmittel beim Umgang mit der Sonne?

Sie sind sehr sinnvoll, aber kein Freifahrschein für zügelloses Sonnenbaden. An erster Stelle steht immer noch das eigenverantwortliche Handeln, also zum Beispiel der Schutz durch Textilien. Und während der Mittagszeit sollte man die Sonne unbedingt meiden.

Es gibt Sonnenschutzmittel mit Schutzfaktoren bis 50+. Für wen sind die sinnvoll, und welcher Faktor reicht im Allgemeinen?

Das ist je nach Hauttyp zu entscheiden. Bei sehr empfindlicher Haut oder bei lichtbedingten Hautreaktionen, wie zum Beispiel der polymorphen Lichtdermatose, ist hoher Schutz zu empfehlen. Normalerweise reicht aber Faktor 20 völlig aus.

Einige Lichtschutzfilter sind wegen hormonähnlicher Wirkungen in die Kritik geraten. Sollte man Produkte mit diesen Filtern meiden?

Keinesfalls. Diese schon seit Jahren geführte Diskussion ist auf Erfahrungen aus Tierversuchen zurückzuführen, bei denen man Ratten abartig große Mengen dieser Substanzen hat fressen lassen. Es wäre an den Haaren herbeigezogen, diese Ergebnisse auf den Menschen zu übertragen.

Gibt es Filtersubstanzen, die als völlig risikolos für die Haut gelten?

Fast alles, was auf die Haut kommt, kann im Einzelfall zu Unverträglichkeitsreaktionen oder allergischen Erscheinungen führen. Doch das sind wirklich die Ausnahmen. Als besonders gut verträglich gelten Titandioxid und Zinkoxid.

Gibt es Sonnenschutzmittel, die garantiert jeder Haut bekommen?

Nein. Je nach Hauttyp muss das richtige Mittel gewählt werden. So darf es bei zu Akne neigender Haut nicht zu fettreich sein. Bei trockener Haut dagegen ist Fettreiches zu empfehlen.

Was hilft gegen Sonnenallergie?

Die Ursachen für diese Hautreaktionen sind sehr vielfältig und müssen im Einzelfall diagnostiziert und behandelt werden. Oft hilft hier aber schon eine vorbeugende Maßnahme, nämlich überfallartige Sonnenbäder zu vermeiden und sich langsam an das Sonnenlicht zu gewöhnen. Wenn das nicht ausreicht, kann auch die Lichtabhärtung unter ärztlicher Aufsicht sinnvoll sein. Hier wird über drei bis vier Wochen, bevor die Erkrankung üblicherweise auftritt, täglich kurz mit UV bestrahlt. Nach dieser Abhärtungskur wird die Sonne meist gut vertragen.

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