Zu einem gelungenen Urlaub gehört ein guter Sonnen­schutz. 17 der 19 Lotionen und Sprays im Test sind gut, auch viele preis­werte. Das Spray von Lavozon aber schützt zu wenig.

Wieder am Strand spielen, im Bikini im Sand liegen, durchs Gebirge kraxeln – ein Genuss nach dunklen Winter­tagen und verregnetem Früh­jahr. Die Sonne tut wohl, stärkt den Kreis­lauf, erhöht den Sauer­stoff­gehalt im Blut, steigert die Lust auf Sex. Die ultra­violetten Strahlen bringen die für Knochen und Zähne wichtige Bildung von Vitamin-D wieder auf Trab, dessen Vorräte während der Wintermonate oft bedenk­lich abge­nommen haben.

Niemand muss sich stunden­lang in knalliger Sonne aufhalten, um diese positiven Wirkungen zu erzielen. Für die Vitamin-D-Bildung reicht es zum Beispiel, Gesicht und Hände etwa 20 Minuten am Tag der Sonne auszusetzen. Ein Sonnenbrand sollte allerdings immer vermieden werden. Beim Sonnenbaden gilt: Maßhalten. Wer es über­treibt, geht ein hohes Risiko ein – ange­fangen von Sonnenbrand über Knitterfält­chen bis hin zum Haut­krebs. Die Haut ist nach­tragend und vergisst keine Bräunungs­sünde. Am besten schützt man sich mit Textilien und häufigem Aufenthalt im Schatten. Zusätzlich helfen auch Sonnen­schutz­mittel, die heißen Tage ungefährdet zu über­stehen.

Lavozon schneidet mangelhaft ab

Wir haben 19 Sonnen­schutz­mittel getestet, vor allem Lotionen und Sprays. Mit den meisten Produkten ist man auf der sicheren Seite. Sie schützen gut vor zu viel Sonne. Nur das Lavozon-Spray von Müller unter­schreitet den versprochenen UVB-Schutz um mehr als 30 Prozent. Das ist mangelhaft. Mit diesem Mittel kann Sonnenbrand deutlich früher eintreten, als nach der Auslobung zu erwarten wäre.

Für leicht vorgebräunte Haut

Die Licht- oder Sonnen­schutz­faktoren (SPF, sun protection factor) der getesteten Produkte reichen – entsprechend der Schutz­klasse „mittel“ – von 15 bis 25. Sie filtern etwa 90 Prozent der aggressiven Strahlung heraus und eignen sich zu Beginn des Urlaubs vor allem für bereits leicht vorgebräunte, unpro­blematische Haut.

Helle und empfindliche Haut­typen brauchen gerade zu Beginn des Urlaubs stärkeren Schutz mit Faktoren von 30 oder gar 50 (siehe „Vier Hauttypen“). Für Kinder empfehlen sich diese hohen Licht­schutz­faktoren für die gesamten Ferien. Wichtig ist auch das Reiseziel. So muss zum Beispiel der Schutz vor der Sonne beim Segeln im Mittel­meer stärker sein als beim Wandern im Bayerischen Wald.

Die Besten sind besonders preis­wert

Nicht kleckern, sondern klotzen: Das ist die Devise beim Sonnen­schutz. Ein haut­typgerechter Faktor allein reicht nicht. Die Sonnen­schutz­mittel müssen auch reichlich aufgetragen werden, um wie versprochen zu wirken: Für den ganzen Körper ist mit etwa drei Esslöffeln zu rechnen. Wenn man sich, wie erforderlich, mehr­mals am Tag eincremt, ist die Sonnenmilch­flasche schnell leer. Das kann ordentlich ins Geld gehen. Um so erfreulicher, dass die besten Sonnen­schutz­mittel des Tests gleich­zeitig sehr preis­wert sind. Sie kommen fast alle von Discountern oder Drogeriemarkt­ketten, zum Beispiel von Aldi, Edeka und Ross­mann. Besonders preis­wert ist Ombra Sun Care Sonnenmilch (Sonnen­schutz­faktor 15) von Aldi (Nord) für 76 Cent pro 100 Milliliter. Gute Sonnen­schutz­mittel aus der Parfümerie können mehr als zwanzigmal so viel kosten, zum Beispiel Lancaster, Shiseido und Clarins.

Milch oder lieber Spray?

Sonnenmilch ist nach wie vor besonders beliebt. Daneben wählten wir auch häufig gekaufte trans­parente Sprays, ein Ölspray und ein Creme-Gel für den Test aus. Was man benutzt, ist letzt­lich Geschmack­sache. In der wesentlichen Eigenschaft, dem Sonnen­schutz, unterscheiden sich die Produkte nicht voneinander – abge­sehen vom mangelhaften Lavozon-Ölspray. Bei den pflegenden Eigenschaften, der Feuchtig­keits­anreicherung, haben einige Sonnenmilch­produkte leicht die Nase vorn. Wem das nicht so wichtig ist, der kann es zum Beispiel mit einem der trans­parenten Sprays auf Alkoholbasis versuchen.

Wofür man sich auch entscheidet, am wichtigsten ist: Das Mittel bietet dem aufgedruckten Faktor entsprechenden Schutz vor ultra­violetter Strahlung – im UVA- und im UVB-Bereich.

Zur Erinnerung: Der Sonnen­schutz­faktor gibt einen Anhalts­punkt dafür, wie lange man mit dem Mittel in der Sonne bleiben kann, ohne einen Sonnenbrand zu bekommen. Er gibt an, wie stark das Produkt vor den Ultra­violett-B-Strahlen schützt, die Sonnenbrand und Haut­krebs verursachen können. Je höher der Faktor, desto länger. Beispiel: Wer nach eigener Erfahrung inner­halb von zehn Minuten eine rote Haut bekommt, sollte sich mit einem Produkt mit Faktor 20 zwanzigmal länger ungefährdet in der Sonne aufhalten können: rund 200 Minuten. Doch Achtung: Haut­ärzte raten, spätestens nach zwei Dritteln dieser „erlaubten“ Zeit in den Schatten zu wechseln, um die Haut zu schonen.

Gelbe Flecken durch UVA-Filter

Das Sonnenlicht enthält nicht nur einen UVB-, sondern auch einen Ultra­violett-A-Anteil. Diese Strahlen werden ebenfalls für die Entstehung von Haut­krebs verantwort­lich gemacht, zusätzlich auch für vorzeitige Falten­bildung und Hautirritationen (Sonnenallergie). Für eine wirkungs­volle Abwehr dieser Strahlen muss der UVA-Schutz des Sonnen­schutz­mittels mindestens ein Drittel des Licht­schutz­faktors betragen. Das halten alle getesteten Produkte ein.

Einen Nachteil haben allerdings alle UVA-Filter: Sie verursachen hartnä­ckige gelb­liche Flecken. Die Anbieter haben bislang keinen Weg gefunden, dieses Problem in den Griff zu bekommen.

Tipp: Ziehen Sie sich erst an, wenn das Sonnen­schutz­mittel wirk­lich einge­zogen ist. Auf dunklen Textilien sind die Flecken nicht so stark zu sehen.

„Wasser­fest“ sagt nicht viel

Die Wasser­festig­keit der Sonnen­schutz­mittel haben wir nicht geprüft. Für die Praxis bringt diese Angabe nur wenig. Ein Sonnen­schutz­mittel darf sich schon dann als „wasser­fest“ bezeichnen, wenn es nach zweimal 20 Minuten Baden nur noch die Hälfte des ursprüng­lichen Schutzes bietet.

Tipp: Um auf Nummer sicher zu gehen, sollten Sie sich nach jedem Baden und Abtrocknen erneut eincremen.

Je 20 Probanden pro Mittel haben Konsistenz, Verteil­barkeit und Hautgefühl geprüft. Alles unkompliziert, so ihr Fazit. Nur bei der Entnahme gab es manchmal Kritik. Besonders Garnier Ambre Solaire wird bei hohen Temperaturen sehr dünn­flüssig. Die Sonnenmilch rinnt schnell durch die Finger und ist dann nur schwer zu platzieren.

Ab Juli Hinweis auf Nanop­artikel

Auch Keime sind kein Problem. An der mikrobiologischen Qualität gab es genauso wenig auszusetzen wie an der Haut­verträglich­keit. Die Probanden zeigten keinerlei Auffälligkeiten. Wer auf bestimmte Stoffe allergisch reagiert, findet in der Tabelle Substanz­gruppen, die im Einzel­fall zu Hautirritationen führen können. So mancher verträgt zum Beispiel die organischen Filter­substanzen nicht. Viele Hersteller setzen auch deshalb anorganische Filter wie Titan­dioxid und Zink­oxid ein.

Aber auch da steht ein Fragezeichen im Raum: Können die zum Teil in derartig winziger Partikelgröße (Nanop­artikel) einge­setzten Pigmente durch die Haut in den Organismus wandern? Mit Folgen, die niemand genau kennt. Auf diese Frage gibt es noch immer keine rundum befriedigende Antwort. Laut Bundes­amt für Risiko­be­wertung können Nanop­artikel gesunde Haut nicht durch­dringen. Was bei geschädigter Haut passiert, ist aber noch immer nicht geklärt. Ab Juli dieses Jahres müssen die Anbieter EU-weit auf den Verpackungen von Kosmetika darüber informieren, wenn Nanop­artikel enthalten sind.

Wer seine Haut sicher durch den Sommer­bringen möchte, sollte die Anwendungs­hinweise auf den Packungen beachten. Zum Teil sind sie aber nur schwer lesbar. Vor allem gilt: Tragen Sie den Sonnen­schutz mehr­mals am Tag – reichlich – auf (Tipps). Und setzen Sie nicht allein auf diese Mittel. Bleiben Sie öfter im Schatten und schützen Sie sich durch Textilien vor zu intensiver Sonnen­strahlung.

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