Sonnenschutzmittel Test

Wer nicht besonders empfindlich ist, dem bieten auch Produkte mit Lichtschutzfaktoren um 10 genügend Schutz vor zu viel Sonne. Schon die preiswertesten erfüllen ihre Aufgabe „gut“.

Mehr als Faktor 10 nehme ich nicht, sonst werde ich ja gar nicht braun“, erklärt die brünette Sonnenanbeterin. Das stimmt zwar nicht ganz, denn die Haut bräunt auch mit Lichtschutzfaktor 20 und mehr, es dauert nur etwas länger. Doch für bereits sonnengewöhnte Menschen, die leicht und unproblematisch bräunen, können Faktoren um 10 völlig ausreichen. Schließlich filtern sie rund 90 Prozent der sonnenbrandauslösenden Strahlen her­aus. Viel mehr hat auch Lichtschutzfaktor 20 nicht zu bieten: Hier bremsen die Filter rund 95 Prozent der Strahlung. Für Sonnenbader mit empfindlicher Haut kann dieser Unterschied allerdings entscheidend sein. Blasse Mitteleuropäer sollten die Sonnenfreuden deshalb mit einem höheren Lichtschutzfaktor als 10 beginnen.

Ein hundertprozentiger Sonnenschutz ist übrigens nicht einmal von Faktor 50 + zu erwarten. Er ist auch nicht wünschenswert. Denn ein Minimum an Sonne braucht der Mensch, zum Beispiel, um die Vitamin-D-Bildung zu ermöglichen, die wichtig für Knochen und Zähne ist. Ein gewisses Quantum an Sonnenstrahlen braucht die Haut auch, um ihre eigenen Schutzmechanismen wie Bräune und Lichtschwiele (die Verdickung der obersten Hautschicht) aktivieren zu können.

Ein überwiegend „gutes“ Ergebnis

Nachdem wir in den vergangenen Jahren überwiegend Sonnenschutzmittel mit hohen Lichtschutzfaktoren getestet haben, wurden diesmal solche mit Faktoren zwischen 8 und 10 ausgewählt. 13 Lotionen haben wir getestet, die pro 100 Milliliter zwischen 0,60 und 18,50 Euro kosten. Dar­unter sind Produkte vom Discounter, aus dem Drogeriemarkt und der Parfümerie sowie zwei, die sich der Naturkosmetik zugehörig fühlen (Dr. Hauschka und An­ne­marie Börlind). Weitere Sonnenschutzmittel, die zum Testzeitpunkt noch nicht im Handel waren, werden wir im nächsten Heft vorstellen.

Die meisten Mittel erzielen „gute“ test-Qualitätsurteile, darunter auch besonders preiswerte wie die Sonnenlotionen von dm, Schlecker und Aldi, die pro 100 Milliliter nicht mal einen Euro kosten. Nur Declaré, Piz Buin und Dr. Hauschka kommen über „befriedigend“ nicht hin­aus. Schlusslicht ist die „ausreichende“ Sonnenmilch von Annemarie Börlind, die in der mikrobiologischen Qualität nicht ganz mithalten konnte.

Immer dick auftragen

Alle Lotionen im Test erfüllen die wichtigste Anforderung: Sie halten den ausgelobten Lichtschutzfaktor ein und schützen entsprechend vor den sonnenbrandfördernden Ultraviolett-B-Strahlen. Für alle Mittel gilt aber: Wer in den Genuss des vollen Schutzes kommen möchte, muss sich dick eincremen. In den Laborprüfungen wird pro Quadratzentimeter Haut mit 2 Milligramm Sonnenschutzmittel gecremt. Auf die Praxis übertragen heißt das: Der versprochene Faktor ist nur zu erzielen, wenn man für den ganzen Körper etwa drei Esslöffel Sonnenmilch nimmt. Wird weniger aufgetragen, verringert sich auch die Zeit, die man ohne Sonnenbrand am Strand verbringen kann.

Schutz vor Hautalterung

Der Lichtschutzfaktor gibt nur Auskunft über den Schutz vor den mittelwelligen UVB-Strahlen, die Sonnenbrand und Hautkrebs fördern (siehe „Lichtschutzfaktor“). Doch auch die längerwelligen UVA-Strahlen sind nicht zu vernachlässigen: Sie dringen tiefer in die Haut ein, lassen sie vorzeitig altern und sind oft schuld an unliebsamen Hautreaktionen. Ein Zusammenhang mit der Entstehung von Hautkrebs wird ebenfalls diskutiert. Deshalb bieten moderne Sonnenschutzmittel auch einen Schutz vor diesem Strahlenbereich.

Was aber bisher zum Thema UVA-Schutz auf den Verpackungen steht, ist uneinheitlich und eher verwirrend als klärend. Vergleichbare Angaben zur Höhe beziehungsweise Stärke des UVA-Schutzes sucht man vergeblich. Da wird von „ausgewogenem“ UVA-Schutz gesprochen, von „UVA-Balance“ oder von UVA-Schutz ganz allgemein. Hintergrund für dieses Verwirrspiel: Bislang weiß niemand so richtig, wie viel UVA-Strahlen für den Menschen sinnvoll sind und ab welcher Menge sie schädlich werden. Eindeutig sichtbare Signale wie ein Sonnenbrand treten als Reaktion auf UVA nämlich nicht auf. Nach heutigem Wissensstand geht man davon aus, dass der optimale Schutz vor UVA-Strahlung dann gegeben ist, wenn das Verhältnis von UVA- zu UVB-Faktor mindestens 1:3 beträgt. Ist diese Voraussetzung erfüllt, gilt der Schutz als ausgewogen oder in der richtigen Balance.

UVA/UVB-Balance stimmt nicht immer

Wir haben nachgemessen: Die meisten getesteten Mittel erfüllen diese Voraussetzung. Nur Declaré, Piz Buin, Dr. Hauschka und Annemarie Börlind müssen noch nachbessern. Von einer Bewertung haben wir dieses Mal abgesehen, da die Prüfanforderungen durch die Fachgremien noch einmal verändert wurden, während unser Test bereits lief. In absehbarer Zukunft ist jedoch mit einem einheitlichen Testverfahren und einer entsprechenden Auslobung auf den Produkten zu rechnen. Ein stärkerer Schutz vor UVA zieht allerdings ein anderes, technisch bislang noch nicht lösbares Problem nach sich: Die Filtersubstanzen können auf Textilien hartnäckige gelbliche Flecken hinterlassen. Man sollte also vermeiden, frisch eingecremt in empfindliche Textilien, zum Beispiel Seide, zu schlüpfen. Besser ist es, die Mittel gründlich einziehen zu lassen und Bekleidung zu tragen, die hohe Waschtemperaturen aushält.

Viel Feuchtigkeit für die Haut

Eine gute Sonnenschutzlotion soll die Haut nicht nur vor aggressiven Strahlen schützen, sondern auch pflegen. Denn Sonne, Wind und Wasser trocknen sie aus – sie lechzt nach Feuchtigkeit. Die besten Feuchtigkeitsspender im Test sind die Lotionen von dm und Lancaster. Schlusslicht der Konkurrenz mit nur„ausreichender“ Feuchtigkeitsanreicherung ist die Milch von Dr. Hauschka. Außerdem ist sie besonders bei hohen Temperaturen recht dünnflüssig und dementsprechend nicht ganz einfach kleckerfrei zu entnehmen. Das mussten wir auch bei Ambre Solaire delial und L'Oréal Solar Expertise beanstanden.

Börlind schwächelt bei Keimen

Fast allen Produkten konnten wir hingegen eine „sehr gute“ mikrobiologische Qualität bescheinigen, auch der Sonnenmilch von Dr. Hauschka, die ohne Konservierungsstoffe auskommt.

Allein die Sonnenmilch von Annemarie Börlind zeigte Mängel im Belastungstest. Bei dieser Prüfung werden bewusst unterschiedliche Bakterien und Pilze in die Produkte eingeschleust. Bei einem sorgfältig konservierten Produkt sterben die Krankheitserreger nach einer gewissen Zeit ab. Bei Annemarie Börlind passierte das nicht in ausreichendem Maße, was dem Mittel Minuspunkte einbrachte. Dieses Produkt sollte man also nur mit sauberen Händen benutzen und sofort nach der Benutzung wieder verschließen.

Alle Probanden vertrugen die Sonnenschutzmittel problemlos. Sollte es im Einzelfall doch einmal zu unliebsamen Hautreaktionen kommen, sind meist die Konservierungsstoffe, Farbstoffe, Emulgatoren, Parfüms oder auch die Lichtschutzfilter-Substanzen selbst dafür verantwortlich. Wir haben in der Tabelle auf diese Inhaltsstoffe hingewiesen.

„1 day long“ ist Unsinn

Piz Buin muss für seine Produktbezeichnung Kritik einstecken: „1 day long“ suggeriert, das Mittel schütze den ganzen Tag vor der Sonne. „Normalerweise reicht eine Anwendung am Tag aus“, steht auf der Verpackung. Unsinn: Um den anfänglich vorhandenen Lichtschutzfaktor aufrechtzuerhalten, muss man sich auch mit diesem Mittel häufiger am Tag eincremen, vor allem bei starkem Schwitzen, nach dem Baden und Abtrocknen.

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