Sonnen­schutz­folien als Hitze­schutz Test

In vielen Gebäuden ist es im Sommer unerträglich heiß. Sonnen­schutz­folien können helfen. Doch anderer­seits verringern sie dauer­haft die Helligkeit.

Sonnen­schutz­folien gehören zu den Produkten, die vor allem deshalb auf dem Markt sind, weil Menschen Fehler machen. In diesem Fall liegt die Schuld bei Architekten, Fens­terverkäufern, Wintergarten­anbietern und Bauherren, die bei der Planung die Kraft der Sonne zu wenig im Blick hatten. Die Folge: Viele Räume heizen sich im Sommer so stark auf, dass sie kaum noch bewohn­bar sind.

Wenn die Sonne knallt

Häufig betrifft die Fehl­planung Dach­geschoss­wohnungen, die üppig mit großen Fens­tern ausgestattet wurden. Anbieter werben mit Aussagen wie „Je größer die Licht­fläche, desto größer der Wohn­komfort“ und „Noch mehr Ausblick“ für „groß­zügige Glasflächen, durch die jeder Raum erstrahlt“. Aber: Knallt die Sonne auf eine etwa zwei Quadrat­meter große Fens­terfläche mit üblicher Wärmeschutz­verglasung, hat dies einen ähnlichen Effekt wie der Betrieb eines 1000-Watt-Heizlüfters in einem ohnehin schon über­hitzten Raum.

Tipp: Achten Sie bei der Bau­planung auf vorbeugenden Hitze­schutz, zum Beispiel durch Dachgauben­fenster mit Schatten spendender Über­dachung (siehe Tipps).

Doch was tun, wenn die Probleme erst im Nach­hinein bemerkt werden? Roll­läden und ähnliche Licht­blocker sind nicht über­all einfach nach­rüst­bar. Außerdem haben sie einen Nachteil: Je weiter man sie herunter­lässt, desto bescheidener die Aussicht. Als Alternative sind neben Sonnen­schutz­verglasungen auch Folien zum Nach­rüsten im Angebot. Zwölf solcher Folien haben wir geprüft. Sieben davon dürfen nur von Profis angebracht werden, die von den Anbietern (siehe Adressen) genannt werden. Fünf Folien sind im Handel frei erhältlich und lassen sich auch von Laien auf die Fens­terscheibe kleben.

Wirk­samer Hitze­schutz

Sonnen­schutz­folien als Hitze­schutz Test

Sonnen­schutz­folien bestehen aus mehreren Schichten, die zum Teil hauchdünn mit Metall bedampft sind. Sie reflektieren und absorbieren einen Groß­teil der auftreffenden Strahlung, sodass nur wenig in den Innenraum gelangt(siehe Infografik).

Die meisten der von uns ausgewählten Folien sollen die durch das Fenster eindringende Sonnen­energie um rund 80 Prozent verringern können. Unser Test bestätigt, dass viele Folien tatsäch­lich „sehr gute“ Hitze­schutz­effekte erzielen. Sogar in dieser Hinsicht „befriedigende“ Produkte schafften es, die eindringende Energie deutlich zu verringern (siehe Tabelle Sonnenschutzfolien).

Geringere Licht­durch­lässig­keit

Sonnen­schutz­folien als Hitze­schutz Test

Auf den ersten Blick wirken stark spiegelnde Folien fast undurch­sichtig. Aufs Fenster geklebt, ist der Durch­blick je nach Sonnen­intensität unterschiedlich. Wir haben eine Folie mit etwa 80-prozentiger Strahlungs­reduktion in zwei Streifen auf einem Muster­fenster angebracht.

Wünschens­wert wären selektiv wirkende Folien, die viel Wärmestrahlung reflektieren und zugleich viel sicht­bares Licht passieren lassen. Das gelingt aber nur unzu­reichend: Die meisten Folien verringern auch die Licht­durch­lässig­keit um mehr als 80 Prozent – auch bei trübem Wetter. In groß­zügig verglasten Gebäuden ist das weniger problematisch. Bei kleineren, normal dimensionierten Fens­tern können die Folien dazu führen, dass die Räume relativ schlecht mit Tages­licht versorgt sind. In der Praxis müssen die Bewohner bei bewölktem Himmel und in der Dämmerung früher elektrisches Licht einschalten.

Tipp: Wählen Sie Sonnen­schutz­folien mit einem starken Verdunklungs­effekt nur für Glasflächen, die im Verhältnis zum Innenraum sehr groß­zügig dimensioniert sind. Verwenden Sie bei normaler Fens­tergröße besser Folien mit einer höheren Licht­durch­lässig­keit. Eine echte Alternative können Sonnen­schutz­verglasungen mit einem güns­tigeren Verhältnis von Licht­durch­lässig­keit zur Gesamt­energiedurch­lässig­keit sein: Bei manchen ist der Licht­durch­lass annähernd doppelt so groß.

Wer sich von den Folien optimalen Blend­schutz am Arbeits­platz erhofft, wird enttäuscht. Dafür ist die Sonne zu hell. Echte Schattenspender wie Außenjalousien – je nach Bedarf steuer­bar – helfen besser.

Gewöhnungs­bedürftig sind die Spiegel­effekte der Folien. Ist es drinnen heller als draußen, können sie den Blick ins Freie stören. Und von draußen blockieren sie den Einblick bei Sonnen­schein fast völlig.

Die besten optischen Eigenschaften haben die zwei Folien am Tabellen­ende: Sie lassen am meisten Tages­licht passieren. Das durch­gelassene Licht sorgt für eine sehr gute Farb­wieder­gabe; die Spiegel­effekte sind relativ gering. Deutlich geringer ist aber auch der Hitze­schutz.

Licht und Schatten

Für einen 20 Quadrat­meter großen Modell­raum unterm Dach (siehe Ausgewählt, geprüft, bewertet) haben wir berechnet, wie sich das Aufkleben der Folien auswirkt: An heißen Tagen kann die Raum­temperatur hier von 39 auf 31 Grad sinken. Wir ermittelten auch den Kühlbedarf, um die Temperatur ständig auf 26 Grad zu begrenzen. Ergebnis: Je nach Hitze­schutz­wirkung und Fens­tertyp (Isolier- oder Wärmeschutz­glas) ersparen die Folien unserem Zimmer einen Wärmeeintrag von 220 bis 540 Kilowatt­stunden pro Jahr . Diese Energie muss nicht durch Kühlmaß­nahmen entfernt werden. Viele Klimageräte arbeiten wenig effizient und haben auch andere Nachteile (siehe Test Klimageräte aus test 06/2008).

Die Modell­rechnungen zeigen auch, wie nach­teilig die Folien im Winter wirken. Die dann verringerte Sonnen­einstrahlung lässt den Heizbedarf um 100 bis 420 Kilowatt­stunden steigen. Hinzu kommt der Strom für öfter einge­schaltete Lampen.

Vorsicht: Glasbruchrisiko

Ideal wären wieder­verwend­bare Folien, die sich je nach Jahres­zeit immer wieder anbringen und entfernen lassen. Tatsäch­lich funk­tioniert dies bei der Folie von Wenko. Doch empfehlen können wir sie nicht: Aufgrund der Braunfärbung absorbiert sie viel Licht und erhitzt sich stark. Mögliche Folge: Knallt die Sonne nur auf einen Teil des Fens­ters und andere Teile liegen im Schatten, erwärmt es sich ungleich­mäßig. Spannungen im Glas können dann im ungüns­tigsten Fall zum Bruch führen. Der Anbieter hat uns mit Hinweis auf die Glasspannungen mitgeteilt, dass er das Produkt nicht mehr vertreibt und nun eine perforierte Folie anbietet.

Tipp: Bringen Sie Hitze­schutz­folien möglichst auf der Außenseite von Fens­tern an. So vermeiden Sie, dass Sonnen­strahlen zweimal das Glas passieren – beim Eintreffen und nach Reflexion – und es dabei zusätzlich erwärmen.

Sonnen­schutz­folien als Hitze­schutz Test

Sinn­volle Alternative: ein Roll­laden.

Da die meisten Folien nur von Profis montiert werden dürfen, haben wir die Hand­habung nur an den frei verkäuflichen Exemplaren erprobt. Dabei zeigte sich, dass Laien es auf Anhieb oft nur mit Mühen zu ansehnlichen Ergeb­nissen bringen.

Positiv: Bei Aquasun ist ein Folien­stück extra zum Üben beigelegt. Negativ: Auf der Alkor-Folie hinterließ der mitgelieferte Rakel zum Glätten einige Kratz­spuren. Die fest auf die Scheibe geklebten Folien muss man zum Teil am Rand mit Silikon abdichten. Das spätere Ablösen von Folie und Kleber ist oft aufwendig.

Tipp: Sonnen­schutz­folien besser vom Fachmann anbringen lassen. Preise vergleichen und beachten, dass zu den Montage- oft noch Fahrt­kosten kommen. Vorsichts­halber Vermieter fragen. In Anbetracht der Schatten­seiten vorher klären, ob nicht flexibler Sonnen­schutz durch Roll­läden oder Außenjalousien besser geeignet ist.

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