Sonnenschutz im Winter Test

Nicht alle geprüften Sonnenschutzmittel schützen zuverlässig vor zu viel Sonne. Zwei halten den Lichtschutzfaktor nur mangelhaft ein.

Der Traum jedes Skifahrers oder Snowboarders ist für seine Haut ein Albtraum. Der Grund: In alpinen Höhen ist die Haut extremen Bedingungen ausgesetzt. Pro 1 000 Höhenmeter nimmt die Ultraviolett-B-Strahlung um 15 bis 20 Prozent zu. Der glitzernde Schnee reflektiert die Sonne zusätzlich. Selbst bei bedecktem Himmel ist die UV-Belastung noch hoch.

Hinzu kommen Kälte und Wind. Gerade im Januar und Februar können sich bei rasanten Abfahrten schnell extreme Minusgrade an der Hautoberfläche bilden. Schlimmstenfalls können sie zu Erfrierungen führen. Wenn also Urlaub im Hochgebirge geplant ist, muss ein möglichst fettreicher, vergleichsweise wasserarmer Sonnenschutz her, der die Haut nicht nur vor zu viel Sonne, sondern auch vor frostigen Temperaturen abschirmt.

Die wasserreichen Sonnenmilchrezepturen für den Sommer reichen da nicht aus. So werben die Anbieter spezieller Cremes für den Winter nicht nur mit Lichtschutzfaktoren von bis zu 50+, sondern oft auch mit Kälteschutz. Viele Hautärzte empfehlen derartige Mittel sogar für den Schneespaziergang im Flachland.

Garnier, Piz Buin versprechen zu viel

Sonnenschutz im Winter Test

Lippen brauchen fettreichen Sonnenschutz. Sie können sich nicht selbst vor zu viel Sonne schützen.

Wir haben acht Sonnenschutzmittel für den Winter getestet. Auf einige ist kein Verlass. So unterschreiten die Sonnencremes von Garnier Ambre Solaire und Piz Buin den versprochenen Lichtschutzfaktor um mehr als 20 Prozent – das ist mangelhaft. Hier droht deutlich schneller ein Sonnenbrand, als der versprochene Lichtschutzfaktor 30 erwarten lässt.

Ebenfalls mangelhaft, weil nicht ausreichend vorhanden, ist der Schutz vor UVA-Strahlen beim Lippenstift von Piz Buin. Warum der nur einen Schutzfaktor von 20 verspricht, also weniger als die Creme für das Gesicht, ist ohnehin unverständlich.

Tipp: Schützen Sie auch die besonders empfindliche Lippenhaut vor Sonne, Wind und Kälte. Dazu empfehlen sich Fettstifte mit einem Lichtschutzfaktor von mindestens 20. Drei Stifte im Test halten sowohl den ausgelobten Lichtschutzfaktor als auch das erforderliche UVA-UVB-Verhältnis gut ein: Das sind Sun Dance von dm, Sun Ozon von Rossmann sowie Ladival. Diese Produkte sind eine Kombination aus Creme und zusätzlichem Lippenschutz. Auch auf ihre Cremes ist Verlass. Im Test sind auch Cremes ohne Stift vertreten. Ilrido und Mawaii halten den angegebenen Schutzfaktor ohne Fehl und Tadel ein.

Tiroler Nussöl gibt viel zu wenig an

Die Firma Tiroler Nussöl hat bei Stift und Creme des Guten zu viel getan: Sie verspricht einen Lichtschutzfaktor von 30. Gemessen haben wir jedoch mehr als Faktor 100. Für Sorgfalt in der Entwicklung spricht das nicht gerade.

Zu viel an Filtersubstanzen sind auf Dauer nicht für jeden Menschen verträglich. Falls jemand darauf empfindlich reagiert, kann es zu Hautirritationen kommen.

Teurer als der Sommer-Sonnenschutz

Die Sonnencremes für den Winter werden in Tuben mit oft nicht mehr als 20 Milliliter Inhalt angeboten. Praktisch sind sie damit auf jeden Fall: Die kleinen Tuben passen in jede Jackentasche, auch mit zusätzlichem Lippenschutz. Passend zu ihrem Einsatzzweck wirken die speziellen Winter-Sonnenschutzmittel gehaltvoller als der Sommer-Sonnenschutz, sie sind aber oft auch deutlich teurer. So kosten die Tübchen, die häufig kaum länger als eine Woche ausreichen werden, zwischen knapp 2,00 und 10,50 Euro. Umgerechnet auf die vergleichbare Menge von 10 Milliliter sind das 0,71 Euro beim Sonnenschutz Sun Ozon von Rossmann und 4,70 Euro bei Piz Buin.

Die Sonnenschutzcreme von Garnier Ambre Solaire haben wir übrigens in Österreich eingekauft, da sie in Deutschland nicht erhältlich ist. Als Besonderheit gehört auch Mawaii All Weather zum Testfeld, ein Sonnenschutz, der sich ausdrücklich ganzjährig zum Schutz vor Sonne, Wind und Kälte anbietet. Wir kauften ihn im Globetrotter-Laden ein.

Fettreiches gegen Minusgrade

Etliche Anbieter versprechen Schutz vor der Kälte. Den konnten wir nicht testen. Für eine Prüfung des Kälteschutzes gibt es nach unserem Kenntnisstand keine anerkannte reproduzierbare Prüfmethode, die Aussagekraft für frostige Tage auf der Piste hätte. Auch als wir die Anbieter danach befragten, wie sie den Kälteschutz nachweisen, nannte uns keiner eine derartige Prüfung. Der einzige Anhaltspunkt, der wirklich für einen Kälteschutz spricht, ist der Emulsionstyp einer Creme (siehe Tabelle). Unter Experten ist anerkannt, dass bei fettreichen Rezepturen auf Ölbasis Schutz vor Kälte gegeben ist. Im Test bieten nur drei Cremes – Ladival, Mawaii und Tiroler Nussöl – diese sogenannten Wasser-in-Öl-Emulsionen (W/O).

Die wesentliche Aufgabe auch dieser Winter-Sonnenschutzmittel ist es aber, vor den ultravioletten Sonnenstrahlen zu schützen. Der aufgedruckte Lichtschutzfaktor gibt an, wie stark das Mittel vor den UVB-Strahlen schützt. Setzt sich ein Mensch diesen Strahlen zu lange aus, kann das zu Sonnenbrand und nach Jahren auch zu Hautkrebs führen.

Der Lichtschutzfaktor gibt einen Anhaltspunkt dafür, wie lange der Mensch mit diesem Mittel in der Sonne bleiben kann, ohne akute Sonnenschäden zu bekommen. Je höher der Faktor, desto länger.

Alle Mittel im Test versprechen auch, vor UVA-Strahlen zu schützen. Das signalisiert das kreisrunde Logo auf den Verpackungen, in dem UVA steht. Diese langwelligen Strahlen dringen tiefer in die Haut ein als UVB. Sie werden für das vorzeitige Altern der Haut und für manche Hautreaktion verantwortlich gemacht, auch für die Entstehung von Hautkrebs.

Um in diesem Strahlenbereich wirkungsvoll schützen zu können, muss das Verhältnis des UVA- zum UVB-Faktor mindestens 1 : 3 betragen.

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