Sommerreifen im Test Test

Stan­dard- kontra Eco-Modell. Der Michelin Primacy 3 ist Testsieger für Kompakt­wagen. Das Schwestermodell Energy Saver+ verbraucht nur gering­fügig weniger Sprit – fährt aber bei Nässe schlechtere Noten ein.

Auf jedem zweiten Reifen im Test prangen Wörter wie Eco, Blue oder Energy. Gut und zugleich besonders spar­sam ist allerdings keiner. Im direkten Vergleich schneiden die Stan­dard­modelle besser ab.

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Fahr­stabilität. Gute Reifen bleiben bei hohem Tempo in der Spur.

Mag sein, dass der kräftig gesunkene Benzinpreis den Sprit­verbrauch ein wenig aus dem Blick geraten ließ. Doch Energiesparen bleibt für Umwelt und Geldbeutel sinn­voll. Dazu können effiziente Motoren beitragen, wind­schnittige, leichte Karossen und Reifen mit nied­rigem Roll­widerstand.

Auf rund jedem zweiten Reifen prangen mitt­lerweile Wörter wie Eco, Blue, Efficient Verde oder Energy. Sie suggerieren einen nied­rigen Energieverbrauch. Aber längst nicht jedes Eco-Modell erweist sich als Spritsparer, einige verbrauchen sogar mehr als Stan­dard­reifen.

Insgesamt 35 Sommerreifen für Kleinwagen sowie für Kompakt- und Mittel­klasse-Pkw hat die Stiftung Warentest in Zusammen­arbeit mit dem ADAC geprüft. Von Bridge­stone, Continental, Hankook und Michelin sind in der Kompakt­klasse zwei Varianten vertreten. Bei allen vier Marken schneiden die Stan­dard­reifen klar besser ab als ihre Eco-Geschwister. 6 von 19 Eco-Reifen schaffen zwar ein gutes test-Qualitäts­urteil, verbrauchen aber nicht unbe­dingt weniger Sprit als die guten ohne Eco.

In der Kompakt­wagenklasse senken Bridge­stone Ecopia und Hankook Kinergy Eco zwar den Benzin­verbrauch um 0,3 Liter auf 100 Kilo­meter im Vergleich zu den Stan­dard­modellen aus gleichem Haus, schneiden aber insgesamt schlechter ab.

Zwölf Meter später

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Aquaplaningtest. Die Schiene verhindert, dass das Auto beim Aufschwimmen von der Straße rutscht.

Bei Regen scheiden sich die Reifen: 10 der 19 Eco-Modelle bremsen auf nasser Fahr­bahn nicht gut; aber auch 10 von 16 Stan­dard­reifen. Schlechtester Reifen im Test ist der Nankang Eco-2 Green Sport. Bei der Voll­bremsung aus Tempo 80 kommt er zwölf Meter später zum Stehen als Nass­brems-Primus Kumho Solus HS51.

Große Unterschiede im Verschleiß

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Profil. Ist der untere Gold­rand der Münze sicht­bar, ist der Reifen abge­fahren.

Für die Wirt­schaftlich­keit zählt neben dem Sprit­verbrauch und dem Kauf­preis auch, wie lange ein Reifen hält. Bei der Verschleiß­festig­keit sind die Unterschiede deutlich – unter Stan­dard­modellen wie bei Eco-Reifen. Der Michelin Primacy 3, Testsieger für Kompakt­wagen, verschleißt sehr wenig. Das trifft auch auf seinen Bruder zu, den Michelin Energy Saver+.

Nur halb so lange wie diese beiden hält der Kumho Solus HS51, ein Stan­dard­reifen aus derselben Gruppe. Angenommen, ein Satz der Michelin-Reifen hält bei einem Fahrer 50 000 Kilo­meter, dann schafft der Pneu von Kumho nur 25 000 Kilo­meter. Wie lange die Reifen letzt­endlich mitmachen, hängt auch vom Fahr­stil des Auto­besitzers ab. Der Gesetz­geber schreibt eine Mindest­profiltiefe von 1,6 Milli­meter vor. Spätestens an dieser Grenze ist der Reifen verschlissen. Besser: früher austauschen.

Nachgekauft und verglichen

Die Tests für diese Unter­suchung fanden im Sommer 2014 statt. Das war notwendig, um die Reifen bei den Witterungs­bedingungen zu prüfen, für die sie gemacht sind. Entsprechend früh mussten sie beschafft werden. Um sicher­zustellen, dass Kunden zum Erscheinen des Tests nicht veränderten Modellen aufsitzen, haben wir die Reifen später anonym im Handel nachgekauft und auf der Test­strecke mit den getesteten Pneus verglichen. Weichen die Ergeb­nisse der Nach­prüfungen von den ursprüng­lich erhobenen Daten ab, fliegt der Reifen aus dem Test.

Für sechs Modelle erübrigt sich eine Nach­prüfung, weil wir bei Stich­proben im Handel nur Produkte mit geänderten Angaben auf dem EU-Reifenlabel gefunden haben. Stimmen die Angaben auf dem Aufkleber der nachgekauften Reifen nicht mit denen der geprüften über­ein, gehen wir davon aus, dass der Anbieter Reifendesign oder -material geändert hat. Eine Nach­prüfung kann dann kaum Über­einstimmung fest­stellen. In der Tabelle werden solche Reifen mit einer Fußnote gekenn­zeichnet.

Tipp: Wer einen Reifen in der von uns getesteten Variante kaufen will, achtet darauf, dass die Angabe des EU-Reifenlabels für Nass­haftung und Roll­widerstand mit der in unserer Tabelle über­einstimmt. Das schützt vor Über­raschungen.

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