Die Steuerregeln: Steuern sparen als Stromunternehmer

Solarstromanlagen Test

Die Betreiber einer Solaranlage profitieren von Steuervorteilen, weil sie als gewerbliche Stromproduzenten gelten. Sie bekommen die Mehrwertsteuer für ihre Anlage zurück und sparen am ­Anfang Einkommensteuern durch hohe Sonderabschreibungen.

Die Umsatzsteuer

Mit einem Umsatz unter 17 500 Euro im Jahr gelten Anlagenbetreiber als Kleinunternehmer, die von der Umsatzsteuer befreit sind. Doch es lohnt sich, auf dieses Privileg zu verzichten: Wenn sie eine Umsatzsteuervoranmeldung abgeben, erhalten sie die für ihre An­lage gezahlte Umsatzsteuer zurück.

Hat die Anlage 17 850 Euro gekostet, erstattet das Finanzamt 2 850 Euro. ­Zudem zahlt es die Umsatzsteuer für Wartungs- und Reparaturkosten zurück.

Verzichten Anlagenbetreiber auf die Steuerbefreiung, müssen sie zwar für die Vergütung vom Netzbetreiber Umsatzsteuern abführen. Die Steuern stellen sie aber zuvor dem Netzbetreiber in Rechnung und leiten sie nur weiter.

Eine Besonderheit gilt für die Umsatzsteuer auf selbstgenutzten Strom. Das Finanzamt rechnet so, als hätte der Eigentümer den selbstverbrauchten Strom zunächst für 43,01 Cent/kWh an den Netzbetreiber verkauft. Der Eigenverbrauch gilt als Rücklieferung an den Eigentümer für einen Preis von 18 Cent/kWh – das ist die Differenz aus der Einspeisevergütung und der Vergütung für den selbstgenutzten Strom (25,01 Cent). Auf diese 18 Cent muss der Eigentümer 3,42 Cent Umsatzsteuer zahlen, die er als Endverbraucher nicht erstattet bekommt. Deshalb lohnt sich der Eigenverbrauch erst ab einem Strompreis von 21,42 Cent pro kWh.

Im Jahr der Inbetriebnahme der Anlage und im Folgejahr fordert das Finanzamt die Umsatzsteuervoranmeldung monatlich, danach alle drei Monate.

Die Einkommensteuer

In der Einkommensteuererklärung müssen Hauseigentümer den Gewinn oder Verlust aus ihrem Betrieb ermitteln. Gewinne sind zu versteuern. Verluste können sie mit anderen Einkünften verrechnen und dadurch Steuern sparen. Bei Betriebseinnahmen unter 17 500 Euro im Jahr reicht eine formlose Gegenüberstellung von Einnahmen und Ausgaben.

Einnahmen sind die vom Netzbetreiber gezahlte Vergütung und Umsatzsteuer sowie die vom Finanzamt erstattete Umsatzsteuer. Bei selbstgenutztem Strom zählen auch die ersparten Stromkosten dazu. Dafür ist der Tarif des Energieversorgers maßgebend.

Betriebsausgaben sind Versicherungsbeiträge, Reparatur-, Wartungs- und ­Finanzierungskosten. Dazu kommt die Abschreibung.

Die Abschreibung

Betreiber einer Fotovoltaikanlage können die Anschaffungskosten 20 Jahre lang abschreiben. Sie können zwischen zwei Varianten wählen. Die lineare Abschreibung beträgt jährlich 5 Prozent der Anschaffungskosten. Entscheiden sie sich für die degressive Abschreibung, erkennt das Finanzamt jährlich 12,5 Prozent des rechnerischen Restwertes der Anlage an. Die Abschreibungen sind dann in den ersten sieben bis acht Jahren höher, danach geringer als bei linearer Abschreibung.

Im Jahr der Anschaffung erkennt das Finanzamt außerdem eine Sonderabschreibung von 20 Prozent der ­Anschaffungskosten an. Die Sonderabschreibung kann auch beliebig auf die ersten fünf Jahre verteilt werden.

Vor allem in den ersten Jahren führen Abschreibungen und Zinsen oft zu steuerlichen Verlusten, die das zu ­versteuernde Einkommen senken. Eine Steuerbelastung tritt erst später ein, wenn der Eigentümer mit der Anlage steuerliche Überschüsse erwirtschaftet.

Beispiel: Ein Hauseigentümer hat im April 2009 eine Solarstromanlage für 15 000 Euro plus Mehrwertsteuer gekauft und teilweise auf Kredit finanziert. So könnte die Steuerabrechnung 2009 aussehen:

Betriebseinnahmen (Euro)

Vergütung des Netzbetreibers 1 028
Eingenommene Umsatzsteuer 195
Vom Finanzamt erstattete Vorsteuer für die Fotovoltaikanlage (Umsatzsteuer) 2 850
Betriebseinnahmen 4 073

Betriebsausgaben

Umsatzsteuer für Fotovoltaikanlage 2 850
Umsatzsteuer auf Vergütung 195
Degressive Abschreibung (12,5% von 15 000 Euro, davon neun Zwölftel bei Kauf im April 2009) 1 406
Sonderabschreibung (20% von 15 000 Euro) 3 000
Kreditzinsen 375
Beitrag Fotovoltaikversicherung 80
Miete Stromzähler 25
Betriebsausgaben 7 931

Die Ausgaben übersteigen die Einnahmen, sodass der Hauseigentümer auf einen Verlust von 3 858 Euro kommt. Bei einem Steuersatz von 30 Prozent spart er damit 1 157 Euro Steuern.

Der Investitionskostenabzug

Wer den Kauf einer Anlage im kommenden Jahr plant, kann dafür bereits im Jahr 2009 einen Investitionskostenabzug in Höhe von 40 Prozent der Anlagekosten geltend machen. Voraussetzung ist, dass er die Anlage noch in diesem Jahr verbindlich bestellt. Der Abzugsbetrag verringert dann bereits 2009 das zu versteuernde Einkommen. Dafür sinkt die Bemessungsgrundlage für künftige Abschreibungen.

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