Solar­strom Special

Photovoltaikmodule werden immer güns­tiger. Solar­strom kostet inzwischen viel weniger als Haus­halts­strom vom Energieversorger.

Viel Solar­strom im eigenen Haushalt verbrauchen – dann kann sich eine Photovoltaikanlage auch heute noch lohnen.

Der Markt für Solar­strom­anlagen ist einge­brochen. Im Jahr 2014 wurden in Deutsch­land neue Anlagen mit einer Leistung von nur noch 1,9 Gigawatt installiert. In den Jahren 2010 bis 2012 waren es jeweils viermal so viel.

Grund für die Talfahrt sind drastische Kürzungen der Einspeise­vergütung. Für Anlagen, die im Juni 2015 in Betrieb gehen, müssen die Netz­betreiber nur noch 12,40 Cent pro Kilowatt­stunde (kWh) Solar­strom zahlen, den der Eigentümer ins öffent­liche Netz einspeist. Für im ersten Halb­jahr 2011 installierte Anlagen erhalten die Betreiber noch eine staatlich garan­tierte Vergütung von 28,74 Cent pro Kilowatt­stunde – im Jahr der Inbetrieb­nahme und den folgenden 20 Jahren.

Die Folge der Kürzung: Mit der Einspeisung von Solar­strom ins öffent­liche Netz lässt sich kein Geld mehr verdienen.

Eigen­verbrauch lohnt sich

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Eine Solar­anlage auf dem Dach kann sich trotzdem noch lohnen – wenn der Eigentümer einen möglichst hohen Teil des Solar­stroms im eigenen Haushalt verbraucht.

Laut Finanztest-Umfrage sind die Preise für Photovoltaikanlagen zuletzt deutlich gesunken (siehe Grafik links). Eine typische Hausdach­anlage kostete im vierten Quartal 2014 mit Montage im Schnitt nur noch 1 500 Euro pro Kilowatt Spitzen­leistung (ohne Umsatz­steuer). Damit lässt sich die Kilowatt­stunde Solar­strom heute für ungefähr 11 bis 14 Cent erzeugen.

Für Strom, den Haus­eigentümer vom Energieversorger beziehen, zahlen sie im Schnitt fast 24 Cent pro Kilowatt­stunde (ohne Umsatz­steuer). Mit jeder Kilowatt­stunde Solar­strom, die sie selbst verbrauchen, sparen sie 10 bis 13 Cent – und mit jeder Strom­preis­erhöhung werden es mehr.

Der größte Teil wird einge­speist

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Profitabel lässt sich aber nur der kleinere Teil des Solar­stroms nutzen. Ein Solar­kraft­werk mit 5 Kilowatt Leistung liefert zwar im Schnitt 4 500 kWh Strom im Jahr und damit etwa so viel, wie ein Drei- bis Vier-Personen-Haushalt verbraucht. Produktion und Verbrauch fallen aber zeitlich auseinander. Die Anlage erzeugt im Winter wenig und nachts keinen Strom, an sonnigen Sommer­tagen dagegen viel Über­schuss.

Haus­eigentümer kommen ohne teuren Stromspeicher selten über einen Eigen­anteil von 20 bis 30 Prozent hinaus. Das reicht aber schon für einen kräftigen Rendite­schub: Die Rendite auf das investierte Kapital klettert von Null auf über 5 Prozent, wenn der Betreiber 30 Prozent des Solar­stroms selbst nutzt, statt ihn voll ins Netz zu speisen. Bei güns­tigem Anlagen­preis und an sonnenreichen Stand­orten sind noch höhere Renditen drin (Tabelle: Gute Renditen nur mit Eigenverbrauch).

Rechnung mit Unbe­kannten

Garan­tiert sind gute Erträge allerdings nicht. In die Rechnung gehen nicht nur harte Fakten wie der Preis der Anlage und die Einspeise­vergütung ein, sondern auch Annahmen und Prognosen.

Wie viel Strom die Anlage produziert, lässt sich noch recht zuver­lässig anhand der Leistung der Anlage, der Dach­ausrichtung und der Sonnen­einstrahlung am Stand­ort ermitteln. Je nach Region sind es meist 850 bis 950 Kilowatt­stunden pro Kilowatt Spitzen­leistung, in Teilen Süddeutsch­lands auch mehr.

Die laufenden Kosten – etwa Versicherungs­beiträge, Wartungs­kosten und Zählermiete – können über­schlägig mit jähr­lich 1,5 bis 2,0 Prozent des Anlagen­preises angesetzt werden.

Die Wirt­schaftlich­keit der Anlage hängt aber auch von der Entwick­lung des Preises für Haus­halts­strom in den kommenden 20 Jahren ab. Darüber lässt sich nur spekulieren. Auch der Anteil des Eigen­verbrauchs kann nur geschätzt werden. Wie viel es wirk­lich ist, zeigt sich erst im laufenden Betrieb.

Eine Solar­anlage ist daher keine risikolose Investition. Gute Renditen fallen den Betreibern außerdem nicht in den Schoß. Die Anlage sollte sorgfältig geplant werden. Der künftige Betreiber muss Angebote von Installations­firmen einholen und vergleichen. Er muss außerdem den Betrieb der Anlage über­wachen, Versicherungen abschließen und Umsatz- und Einkommensteuern mit dem Finanz­amt abrechnen Die wichtigsten Steuerregeln. Das ist nur mit viel persönlichem Einsatz zu schaffen.

Stromspeicher noch zu teuer

Solar­strom Special

Photovoltaikanlage und Solarhei­zung auf einem Dach.

Solar­strom selbst zu verbrauchen, wird immer rent­abler. Da liegt es nahe, den Eigen­anteil mit Stromspeichern zu erhöhen.

Der Haken: Die Anlagen sind noch zu teuer, um rentabel zu sein. Oft kosten die kühl­schrank­großen Batterien mehr als die Solar­strom­anlage selbst.

Doch die Preise sinken. Bereits im vergangenen Jahr sind Speicher nach Angaben des Bundes­verbands Solar­wirt­schaft um 25 Prozent billiger geworden. Geht es so weiter, könnten sich die Speicher bald rechnen. Die Konkurrenz nimmt zu: Der amerikanische Elektromobil- und Batterie­hersteller Tesla hat angekündigt, noch dieses Jahr billige Heim-Akkus in Deutsch­land zu verkaufen.

Unabhängig­keit vom Strom­versorger

Ist die Rendite zweitrangig, ist ein Speicher für Haus­eigentümer schon heute interes­sant. Viele wollen grünen Strom vorrangig für den eigenen Bedarf produzieren und möglichst unabhängig von den Strom­konzernen werden.

Mit einem Akku, der tags­über aufgeladen wird, lässt sich der Solar­strom auch abends nutzen. Je nach Speicher­kapazität können Haus­eigentümer 50 bis 80 Prozent ihres Strom­verbrauchs mit Solar­energie decken.

Dafür nehmen manche auch den hohen Preis für den Speicher in Kauf. Und mit staatlicher Förderung wird die Anschaffung deutlich billiger: Die KfW-Bank vergibt zins­verbilligte Kredite mit einem Tilgungs­zuschuss von 30 Prozent der Investitions­kosten (www.kfw.de, Programm 275). Maximal sind es 600 Euro pro Kilowatt Leistung der Photovoltaikanlage (660 Euro für nachgerüstete Speicher).

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