Die Vergütung für Solar­strom sinkt weiter. Eine Photovoltaikanlage kann sich trotzdem noch rechnen. Denn auch die Anlagen­preise sind im Keller.

Haus­eigentümer bekommen immer weniger Geld, wenn sie sich eine Solar­strom­anlage aufs Dach setzen und den erzeugten Strom an den örtlichen Netz­betreiber verkaufen. Gleich­zeitig lohnt es sich immer mehr, den Solar­strom selbst zu verbrauchen.

Berechnungen von Finanztest zeigen: Weil die Anlage immer billiger und Strom immer teurer wird, lässt sich mit Solar­strom auch heute noch gutes Geld verdienen. Bei den aktuellen Anlagen­preisen sind Renditen von mehr als 5 Prozent drin.

Nur noch 16 Cent pro Kilowatt­stunde

Ende Januar hat die Bundes­netz­agentur die neue Einspeise­vergütung für Anlagen bekannt­gegeben, die in den Monaten Februar bis April 2013 in Betrieb gehen. Sie wird weiter jeden Monat um jeweils 2,2 Prozent gegen­über der Vergütung des Vormonats sinken (siehe Tabelle „Vergütung“).

Wer im April eine für Einfamilien­häuser typische Anlage mit einer Leistung bis zu 10 Kilowatt (kW) in Betrieb nimmt, erhält 15,92 Cent pro Kilowatt­stunde (kWh) Solar­strom. Diese Vergütung ist wie bisher für das Jahr der Inbetrieb­nahme und die 20 Jahre danach garan­tiert. Sie ist aber nur etwas mehr als halb so hoch wie die Vergütung für Haus­eigentümer, die ihre Anlage bereits 2011 installiert haben.

Die drastische Kürzung der Solar­förderung schmälert die Einnahmen der Betreiber. Sie müssen jetzt allerdings auch viel weniger Geld investieren. Eine Finanztest-Umfrage unter Käufern ergab, dass eine Komplett­anlage mit Montage Ende 2012 im Schnitt nur noch 1 780 Euro pro kW Leistung kostete, 30 Prozent weniger als noch Mitte 2011. Zum Jahres­beginn 2013 gibt es sogar einen Trend zu Kilowatt­preisen von 1 600 Euro und darunter.

Gute Renditen nur mit Eigen­verbrauch

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Eigen­verbrauch steigert Rendite.

Während die Einspeise­vergütung sinkt, steigt der Vorteil des Eigen­verbrauchs mit jeder Strom­preis­erhöhung. Schon heute sparen Eigentümer im Schnitt 24 Cent mit jeder Kilowatt­stunde Solar­strom, die sie selbst verbrauchen. Die Ersparnis ist 8 Cent oder 50 Prozent höher als die Vergütung für den Strom, den sie ins Netz einspeisen.

Es zahlt sich daher aus, so viel Solar­strom wie möglich selbst zu verbrauchen. Der Eigen­verbrauch lässt sich allerdings nicht beliebig steigern. Eine 5-kW-Anlage produziert zwar im Schnitt 4 500 kWh Strom im Jahr und damit etwa so viel, wie ein Vier-Personen-Haushalt verbraucht. Produktion und Verbrauch fallen aber zeitlich auseinander. Die Anlage erzeugt im Winter wenig und nachts keinen Strom, an sonnigen Sommer­tagen dagegen viel Über­schuss.

Haus­eigentümer kommen selten über einen Eigen­verbrauch von 20 bis 30 Prozent hinaus. Das reicht aber schon für einen kräftigen Rendite­schub: Im Vergleich zur Voll­einspeisung steigern 20 Prozent Eigen­verbrauch die Solarrendite um rund 2,7 Prozent­punkte.

Förderung für Solarspeicher geplant

Mithilfe von Stromspeichern ist es zwar heute schon möglich, den Anteil des Eigen­verbrauchs bis ungefähr 80 Prozent zu steigern. Der Haken: Die Akkus kosten oft noch genauso viel wie die Anlage selbst. Ein wirt­schaftlicher Betrieb der Speicher ist derzeit nicht möglich.

Das könnte sich ändern, wenn die Speicher billiger und besser werden. Die Bundes­regierung will bereits im Früh­jahr 2013 ein Förderprogramm auflegen. Details standen bei Redak­tions­schluss noch nicht fest.

Rendite nur mit Aufwand

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Mehr als 5 Prozent Rendite mit Solar­strom – angesichts mick­riger Bank­zinsen klingt das nach einer hoch­rent­ablen Geld­anlage. Eine Solar­anlage ist allerdings kein Fest­geld, für das man ohne Aufwand feste Zinsen kassiert. Eigentümer müssen ihre Anlage sorgfältig planen und Angebote von mehreren Installations­firmen vergleichen. Sie müssen den Betrieb der Anlage über­wachen, Versicherungen abschließen und mit dem Finanz­amt abrechnen.

Gute Renditen sind außerdem nicht garan­tiert. Zum Beispiel können die Strom­erträge nied­riger und die Reparatur­kosten höher ausfallen als erwartet. Nicht zuletzt brauchen Anleger Geduld: Bis sie die Investitions­kosten wieder herein­spielen, vergehen in der Regel mehr als zehn Jahre.

Die Solarrenditen sind angesichts dessen zwar ordentlich, aber nicht üppig. Daran wird sich wohl auch nichts ändern, wenn die Bundes­netz­agentur Ende April die Vergütungs­sätze für Mai bis Juli bekannt gibt.

Ab August könnte die Bilanz für neue Solar­anlagen aber anders ausfallen. Bis dahin will Bundes­umwelt­minister Altmaier die Solar­förderung einschränken, um den Anstieg der Ökostrom­umlage zu deckeln.

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