Solarstrom Special

Die Preise für Solarmodule sind kräftig gesunken. Deshalb ist es für Hauseigentümer wieder rentabel, Strom auf dem Dach zu erzeugen.

Erst im Juli 2010, dann im Oktober und noch einmal im Januar 2011: Dreimal innerhalb eines halben Jahres kürzte die Bundesregierung die Förderung für Solarstrom. Dann streikten die Anleger. In den ersten vier Monaten dieses Jahres installierten sie nicht einmal halb so viel Solarstromanlagen wie im gleichen Zeitraum des Vorjahrs.

Der Einbruch überrascht kaum. Im Vergleich zum Frühjahr 2010 bekommen Betreiber neuer Solarstromanlagen 27 Prozent weniger Geld für den erzeugten Strom. Für den Besitzer einer typischen Hausdachanlage mit 5 Kilowatt Leistung bedeutet das bis zu 10 000 Euro weniger Einnahmen im Förderzeitraum von 20 Jahren. Da sagten sich viele: Solarstrom – nein danke.

Doch das Blatt könnte sich bald wenden. Denn nun stürzen auch die Preise für die Anlagen ab. Die Hersteller haben ihre Kapazitäten enorm ausgebaut und senken jetzt die Preise, um die Module loszuschlagen.

Nach Angaben des Bundesverbands Solarwirtschaft sanken die Preise für fertiginstallierte Anlagen allein vom vierten Quartal 2010 bis zum dritten Quartal 2011 um fast 20 Prozent. Im Sommer kosteten Anlagen mit einer Leistung bis zu 100 Kilowatt (kW) im Schnitt nur noch 2 200 Euro pro kW. Die Durchschnittspreise für kleinere Anlagen liegen allerdings um 200 bis 300 Euro pro kW höher. Das ergab eine erste Auswertung einer Finanztest-Umfrage.

Bis zu 7 Prozent Rendite

Unsere Berechnungen zeigen: Auch bei Anlagen-Preisen um 2 400 Euro bis 2 600 Euro pro kW Leistung sind Renditen von 5 Prozent bis 7 Prozent drin. Noch rentabler wird die Anlage, wenn der Eigentümer einen Teil des Stroms selbst verbraucht (siehe Tabelle).

Möglich sind diese Renditen durch die staatlich garantierte Einspeisevergütung. Hauseigentümer, die ihre Anlage im Jahr 2011 in Betrieb nehmen, können ihren Strom für 28,74 Cent pro Kilowattstunde (kWh) an den örtlichen Netzbetreiber verkaufen. Der ist verpflichtet, den Solarstrom zu diesem Preis abzunehmen – im Jahr der Inbetriebnahme und den 20 Jahren danach.

Zahlen muss der Netzbetreiber auch für Solarstrom, den der Eigentümer selbst verbraucht. Bis zu einem Eigenverbrauchsanteil von 30 Prozent am erzeugten Strom erhält er 12,36 Cent pro kWh. Für jede kWh, die er darüber hinaus verbraucht, bekommt er sogar 16,74 Cent. Außerdem spart er Geld, weil er den Strom nicht mehr kaufen muss.

Renditeplus durch Eigenverbrauch

Wie sich eine Solarstromanlage rechnet, zeigt das folgende Beispiel: Ein Hauseigentümer installiert eine 5-Kilowatt-Anlage und zahlt dafür inklusive Montage 12 000 Euro. Der jährliche Stromertrag beträgt 900 Kilowattstunden pro kW Leistung. Das ist in Deutschland etwa Durchschnitt.

Speist der Eigentümer den gesamten Strom ins öffentliche Netz, bekommt er dafür vom Netzbetreiber in den nächsten 20 Jahren eine Vergütung von rund 26 000 Euro. Davon müssen die laufenden Betriebskosten abgezogen werden, etwa für Zählermiete, Versicherung und Wartung. Betragen sie insgesamt 4 000 Euro (200 Euro im Jahr), bleiben Nettoeinnahmen von 22 000 Euro und ein Gewinn von 10 000 Euro. Das entspricht einer durchschnittlichen Rendite von 6,6 Prozent pro Jahr.

Die Rechnung sieht noch besser aus, wenn der Hauseigentümer 30 Prozent des Solarstroms selbst verbraucht. Angenommen, er spart dadurch anfangs 24 Cent pro Kilowattstunde und der Strompreis steigt jedes Jahr um 3 Prozent: Rechnet man diesen Vorteil mit ein, erhöhen sich seine Nettoeinnahmen auf rund 27  000 Euro, der Gewinn auf 14 000 Euro und die Rendite auf über 8 Prozent.

Rendite nur mit Aufwand

Die guten Renditen fallen den Anlagebetreibern nicht in den Schoß. Hauseigentümer müssen ihre Anlage sorgfältig planen, Angebote von Installationsfirmen einholen und vergleichen. Sie müssen den Betrieb der Anlage überwachen, Versicherungen abschließen und mit dem Finanzamt abrechnen.

Zwar lassen sich Einnahmen und Ausgaben gut kalkulieren, doch die Investition ist nicht risikolos. Zum Beispiel können Stromerträge niedriger oder Reparaturkosten höher ausfallen als erwartet.

Wen das nicht schreckt, der sollte sich aber bald um die Planung der Anlage kümmern. Nimmt er sie bis zum Ende des Jahres in Betrieb, sichert er sich noch die aktuelle Solarstromvergütung für die nächsten 20 Jahre.

Weniger Geld ab 2012

Für Solarstromanlagen, die ab Januar 2012 in Betrieb gehen, wird es weniger Geld geben. Wie stark die Kürzung ausfällt, hängt von der Gesamtleistung der Anlagen ab, die von Oktober 2010 bis Ende September 2011 installiert wurden. Voraussichtlich wird die Einspeisevergütung um 12 oder 15 Prozent sinken. Genau weiß man es aber erst am 31. Oktober: Dann gibt die Bundesnetzagentur die neuen Vergütungssätze bekannt.

Lesen Sie in unserer nächsten Ausgabe die Ergebnisse unserer Umfrage zu Preisen von Solaranlagen.

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