Solartechnik war noch nie so günstig wie heute. Wer jetzt in eine Solarstromanlage investiert, spielt dank staatlicher Förderung die Anschaffungs- und Betriebskosten weitgehend wieder ein.

Solarstrom ist in. Die Nachfrage nach Photovoltaikanlagen, die Sonnenlicht in elektrischen Strom verwandeln, ist im letzten Jahr rasant gestiegen. Staatliche Förderstellen haben Probleme, die Flut von Förderanträgen zu bearbeiten. Den kräftigen Schub verdankt die Photovoltaik dem Erneuerbare-Energien-Gesetz (EEG), das zum 1. April 2000 in Kraft trat und das alte Stromeinspeisungsgesetz ablöste.

Gesetzliche Vergütung: 99 Pfennig

Durch das EEG wird die Stromerzeugung aus regenerativen Energiequellen wie Wind- und Wasserkraft, Biomasse und vor allem der Sonnenenergie gefördert. Das Gesetz verpflichtet den Energieversorger, der das örtliche Stromnetz betreibt, private Anlagen zur Stromerzeugung an sein Netz anzuschließen und den gesamten produzierten Strom abzunehmen. Kernstück des Gesetzes ist eine Mindestvergütung, zu der die Netzbetreiber den Strom abkaufen müssen: Sie beträgt für Strom aus Photovoltaikanlagen 99 Pfennig pro Kilowattstunde (kWh). Die Vergütung ist damit fast sechsmal so hoch wie unter dem alten Stromeinspeisungsgesetz (17 Pfennig).

Der Betrag von 99 Pfennig/kWh gilt für alle Anlagen, die bis zum 31. Dezember 2001 in Betrieb gehen. Die Vergütung ist für die Dauer von 20 Jahren gesetzlich festgeschrieben. Ab dem kommenden Jahr wird die Mindestvergütung für neue Anlagen jährlich um 5 Prozent gesenkt. Die Laufzeit der neuen Regelung beträgt aber stets 20 Jahre. Besitzer einer Anlage, die im Jahr 2002 ans Netz geht, erhalten also 20 Jahre lang eine Mindestvergütung von 94,1 Pfennig/kWh.

Soll und Haben

Verglichen mit den rund 25 Pfennig, die man als Privatkunde pro Kilowattstunde bei seinem Energieversorger berappen muss, sind die 99 Pfennig ein guter Preis. Von der Vergütung will aber auch die Anlage bezahlt sein. Die Preise sind zwar in den letzten Jahren stark gefallen, doch je nach Modell und den Schwierigkeiten der Montage betragen die Anschaffungskosten für eine Photovoltaikanlage einschließlich Montage und Netzanschluss noch immer rund 14.000 bis 20.000 Mark pro Kilowatt peak (kWp) Leistung. In dieser Maßeinheit wird die erzeugte Leistung gemessen. Die üblicherweise auf Einfamilienhäusern installierten Anlagen mit einer Leistung von rund 2 kWp kommen auf 30.000 bis 35.000 Mark.

Neben dem Anschaffungspreis müssen auch die laufenden Kosten in die Kalkulation einbezogen werden. Zwar benötigt die Anlage zur Stromerzeugung außer Sonnenlicht keine Rohstoffe. Es entstehen aber in der Regel Kosten für die Miete des Zählers, mit dem der eingespeiste Strom gemessen wird (bis etwa 60 Mark/Jahr). Außerdem reicht die Lebensdauer des Wechselrichters, der den von den Solarzellen erzeugten Gleichstrom in netzkompatiblen Wechselstrom umwandelt, nicht an die 25 Jahre heran, die inzwischen für Solarmodule garantiert werden. Daher müssen auch Rücklagen für Wartung, Reparaturen und einen neuen Wechselrichter oder andere Ersatzteile einkalkuliert werden.

Die Höhe der Betriebskosten wird derzeit unterschiedlich eingeschätzt. So kalkuliert die staatliche Energieagentur Nordrhein-Westfalen mit 0,8 Prozent der Anschaffungskosten pro Jahr. Der Solarenergie-Förderverein e. V. in Aachen und der Deutsche Fachverband Solarenergie e. V. setzen knapp 1,5 Prozent an. Je nach Berechnungsweise belaufen sich die Betriebskosten einer 2-kWp-Anlage mit einem Anschaffungspreis von 30.000 Mark auf rund 5.000 bis 10.000 Mark in 20 Jahren.

Auf der Habenseite stehen die Einnahmen aus dem Stromverkauf. Unter optimalen Bedingungen (Ausrichtung nach Süden mit einer Neigung von 30 bis 35 Grad) liefert eine Photovoltaikanlage in Deutschland pro (Nenn-) kWp je nach Standort einen durchschnittlichen Jahresertrag zwischen 700 und 1.000 kWh Strom.

Bei einem durchschnittlichen Jahresertrag von beispielsweise 800 kWh pro (Nenn-)kWp ergeben sich so bei einer 2-kWp-Anlage und einer Vergütung von 99 Pfennig/kWh in 20 Jahren Einnahmen in Höhe von 31.680 Mark. Dazu muss der gesamte erzeugte Strom abgegeben werden. Puristen, die nur "sauberen" Strom aus eigener Herstellung wollen, mögen das bedauern. Doch unter finanziellen Gesichtspunkten ist der Eigenverbrauch sinnlos, da Stromerzeuger mit jeder selbst genutzen Kilowattstunde die Differenz von derzeit etwa 74 Pfennigen zwischen der Vergütung und dem Einkaufspreis vom Energieversorger verschenken.

Die Einnahmen decken damit in der Regel zumindest die Anschaffungskosten. Legt man eine Gesamtlebensdauer von 25 Jahren zugrunde, so lässt sich in den verbleibenden fünf Jahren voraussichtlich auch ein Teil der Betriebskosten wieder hereinholen.

Kredit gibts bei der KfW

Neben der garantierten Vergütung für den Betrieb unterstützt der Staat auch die Anschaffung der Anlage, damit die Einnahmen nicht gleich durch hohe Zinsen wieder aufgefressen werden. Der größte Fördertopf steht bei der Kreditanstalt für Wiederaufbau (KfW). Das 100.000-Dächer-Programm bietet dabei die besten Konditionen: Gefördert werden Anlagen ab einem kWp (Nenn-) Leistung, bei denen zum Zeitpunkt der Bewilligung nicht mehr als die derzeit vorgesehenen 99 Pfennig gezahlt werden. Ausgenommen sind gebrauchte Anlagen, Prototypen und Eigenbauten.

Privatpersonen erhalten für Anlagen bis 5 kWp ein Darlehen von bis zu 13500 Mark je kWp und für den darüber hinausgehenden Leistungsanteil bis zu 6.750 Mark/kWp. Gewerbliche Antragsteller und freiberuflich Tätige erhalten dagegen immer nur einen Kredit bis zu 6.750 Mark/kWp.

Der Zinssatz bleibt über die gesamte Kreditlaufzeit (bis zu zehn Jahre) gleich und liegt um bis zu 4,5 Prozentpunkte unter dem Marktzins (Stand 1. Februar 2001: 1,91 Prozent pro Jahr). Die Tilgung erfolgt nach maximal zwei tilgungsfreien Anlaufjahren in halbjährlich gleichen Raten.

Doch weil die Nachfrage groß ist, das Bundeswirtschaftsministerium die für das Programm benötigten Mittel aber nur nach und nach an die KfW zahlt, müssen Antragsteller lange warten. Derzeit dauert es mindestens ein halbes Jahr, bis die Mittel bewilligt sind.

Die KfW hat deshalb im Oktober aus eigenen Mitteln ein Sonderprogramm Photovoltaik aufgelegt, mit dem der Antragstau abgebaut werden soll. Die Bedingungen entsprechen denen des 100.000-Dächer-Programms ­ nur liegt der Zinssatz mit derzeit 3,96 Prozent gut doppelt so hoch. Dafür gibt es das Geld bereits nach rund zwei Wochen. Vorgesehen ist das Programm für Personen, die einen 100.000-Dächer-Kredit beantragt haben oder jetzt neu beantragen, die lange Wartezeit aber nicht in Kauf nehmen wollen. Der Schritt vom billigen zum schnellen Geld sollte aber gut überlegt werden. Denn ein Wechsel zurück zum 100.000-Dächer-Programm ist nicht möglich.

Deutlich weniger attraktiv sind die Kredite aus dem KfW-Programm zur CO2-Minderung. Dort werden ­ unabhängig von Anlagengröße und Vergütung ­ für Privatleute Kredite bis zu fünf Millionen Euro ausgegeben. Im Gegensatz zum 100.000-Dächer-Kredit, bei dem die volle Summe ausgezahlt wird, gibt es aber nur 96 Prozent des nominalen Betrags. Bei höchstens drei tilgungsfreien Jahren beträgt die Gesamtlaufzeit bis zu 20 Jahre. Der Zinssatz (derzeit 4,91 Prozent) wird für zehn Jahre festgelegt und danach neu bestimmt. Die Tilgung erfolgt ebenfalls in gleich hohen Halbjahresraten.

Möglicher Vorteil: Der Kredit kann mit Mitteln aus dem 100.000-Dächer-Programm oder dem Sonderprogramm Photovoltaik kombiniert werden. Das Programm bietet sich daher als Ergänzung an, wenn die Anlage relativ teuer ist oder weitere Energiesparmaßnahmen geplant sind.

Zuschüsse der Länder

Den Weg der direkten Hilfe durch Baukostenzuschüsse gehen die wenigen Bundesländer, die noch eigene Förderprogramme anbieten. So zahlt Thüringen für Antragsberechtigte des 100.000-Dächer-Programms bis zu 4.000 Mark/kWp und sonst bis zu 7.000 Mark/kWp. In Berlin, Mecklenburg-Vorpommern und Nordrhein-Westfalen waren die entsprechenden Richtlinien bei Redaktionsschluss noch in Arbeit. Die dort geplanten Zuschüsse betragen je nach Land, Bauart und Größe der Anlage zwischen 1500 und 5400 Mark/kWp. Im Saarland stand noch nicht fest, ob es überhaupt Mittel geben wird. Die übrigen Länder haben die Förderung eingestellt.

Ökobonus bei der Eigenheimzulage

Wer ein Eigenheim baut oder kauft und bei dieser Gelegenheit gleich eine Solarstromanlage montiert, profitiert zusätzlich von einem Ökobonus. Die staatliche Eigenheimzulage erhöht sich dann acht Jahre lang um 2 Prozent der Investitionssumme (abzüglich eventueller Baukostenzuschüsse), maximal um 500 Mark pro Jahr. Bei Redaktionsschluss war allerdings noch nicht sicher, ob die Finanzverwaltung die Ökozulage bewilligt, wenn der erzeugte Strom vollständig verkauft wird.

Die Zusatzförderung gibt es nicht für einen Ausbau oder eine Erweiterung, zum Beispiel, wenn die Anlage im Zusammenhang mit dem Anbau eines Wintergartens installiert wird.

Keine Goldgrube

Eine rentable Kapitalanlage ist die Investition in eine Solarstromanlage trotz staatlicher Förderung wohl nur in Ausnahmefällen. Doch immerhin hat der Besitzer realistische Aussichten, dass er die Anschaffungskosten und die laufenden Betriebskosten wieder einspielt. Und auch wenn sich unterm Strich ein kleines Minus ergeben sollte: Die Ökobilanz fällt in jedem Fall positiv aus. Denn schon nach etwa drei bis vier Jahren hat sich die zur Herstellung der Solaranlage aufgewendete Energie amortisiert. Danach spart jedes installierte kWp pro Jahr den Ausstoß von rund 700 Kilogramm Kohlendioxid. Photovoltaikanlagen rechnen sich ­ für die Umwelt.

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