Solaranlagen Test

Warum Öl, Gas oder Strom vergeuden, wenn sich Wasser auch mit Sonnenenergie erwärmen lässt? Im Test funktionierten die meisten Anlagen prima.

Sind Sie auch der Meinung, dass wir umweltfreundliche Solarenergie eigentlich viel mehr nutzen müssten? Haben Sie bislang aber gezögert, auf dem eigenen Dach tatsächlich die Sonne anzuzapfen? Dann gehören Sie zur großen Mehrheit der deutschen Eigenheimbe­sitzer. Denn viele warten bislang ab, ob diese Technik zuverlässig funktioniert.

Die Anbieter werben damit, dass der Einbau von Solaranlagen noch nie so einfach gewesen sei wie heute. Früher musste man die Komponenten oft einzeln aussuchen. Das war aufwendig und nicht immer gab es die Gewissheit, dass am Ende alle Teile optimal zusammenpassen. Heute können Kunden zwischen „Paketen“ wählen, die vom Anbieter geschnürt werden. Wir haben komplette Solarpakete getestet, die auf den Warmwasserbe­darf einer vierköpfigen Familie abgestimmt sind. Ihre wichtigsten Bestandteile:

Kollektoren: Die Anbieter empfahlen meist Flächen von vier bis sechs Quadratmetern, aufgeteilt auf zwei Kollektoren. Ausnahmen: Citrin Solar ging mit drei Kollektoren ins Rennen, Paradigma mit nur einem, dafür aber relativ großen. Neun Anbieter starteten mit Flachkollektoren. Dreimal wählten wir Vakuumröhren, die sich dank Vakuumdämmung besonders im Winter stärker erwärmen.

Speicher: Solarspeicher unterscheiden sich von klassischen Speichern in zweifacher Hinsicht. Erstens sind sie meist relativ groß (im Test oft 300 Liter), um für trübe Tage einen Vorrat anzulegen. Zweitens lässt sich das Trinkwasser im Innern über zwei Rohrschlangen erwärmen: unten durch die solar erhitzte Wärmeträgerflüssigkeit und bei Bedarf oben im Bereitschaftsteil durch Wasser vom Heizkessel.

Regelung: Sie regelt den Betrieb der Anlage. Wenn etwa Wolken die Sonne verdecken und der Kollektor sich zu sehr abgekühlt hat, schaltet sie die Pumpe ab. Die Regelung stoppt den Betrieb auch, wenn der Speicher vollständig erwärmt ist.

Membranausdehnungsgefäß: Dieser teilweise mit Stickstoff gefüllte Behälter gleicht Druckunterschiede im Solarkreis aus. Die Wärmeträgerflüssigkeit dehnt sich beim Erhitzen aus und verdampft im Sommer bei längerem Stillstand (Stagnation) sogar im Kollektor. Im Notfall schützt ein Sicherheitsventil die Anlage.

Mehr als 60 Prozent Energie gespart

Solaranlagen Test

So funktioniert es: Melden die Temperaturfühler, dass es oben im Kollektor wärmer ist als unten im Speicher, startet die Regelung die Solarkreispumpe: Das Wasser im Speicher wird solar erhitzt.

So funktioniert es: Melden die Temperaturfühler, dass es oben im Kollektor wärmer ist als unten im Speicher, startet die Regelung die Solarkreispumpe: Das Wasser im Speicher wird solar erhitzt.

Doch wie harmonieren die verschiedenen Bauteile miteinander? Damit der Test dar­auf eine Antwort geben konnte, ließen wir alle Anlagen auf dem Prüfstand montieren und nahmen sie in Betrieb. Ergebnis: Die meisten funktionierten tadellos.

Wichtigster Prüfpunkt war dabei die Frage, wie viel teures Gas oder Öl die Anlagen ersetzen können. Den Spitzenwert bei unserem Musterhaus erreichte Citrin Solar. Diese Anlage kommt bei der Warmwasserbereitung auf eine Energieeinsparung von 62,5 Prozent. Der niedrigste erreichte Wert liegt bei 50 Prozent (siehe Tabelle).

Die Energieeffizienz einer Anlage hängt nicht nur von leistungsfähigen Kollektoren ab, sondern auch von ihrer Größe. Werden sie großzügig dimensioniert, sinkt der solare Nutzungsgrad, weil dann im Sommer viel mehr Wärme zur Verfü­gung steht, als die Bewohner nutzen können. Bestnoten für die Effizienz erzielten im Test nur solche Anlagen, deren Komponenten optimal aufeinander und auf die Bedürfnisse der Benutzer abgestimmt sind. Das gilt auch für den Speicher: Ein großes Bereitschaftsvolumen (siehe „Glossar“) erhöht zwar den Komfort, doch eine reichliche Nachheizung mit Gas oder Öl kann im Endeffekt die Energieeinsparung verringern. Wichtig ist in jedem Fall auch die  gute  Wärmedämmung  des  Speichers.

Einfach zu bedienen

Auch im Prüfpunkt Handhabung sind die Testergebnisse erfreulich. Eine korrekt in­s­­­­tal­lierte Anlage braucht ähnlich wenig Aufmerksamkeit wie ein konventioneller Heizkessel. Normalerweise muss man sich selten um die Solartechnik kümmern. Im Vergleich zu früheren Tests fällt zwar auf, dass einige Anbieter bei den Regelungen gespart haben, die Bedienfreundlichkeit hat darunter aber nicht gelitten. Verbesse­rungspotenzial besteht bei den Störmeldungen: Wem nützt eine leis­tungs­fäh­ige Anlage, wenn sie wegen einer Betriebsstörung nicht läuft. Im schlimmsten Fall sogar unbemerkt, weil die Nachheizung mit Öl oder Gas allzeit warmes Wasser garantiert. Mehr rote Lämpchen oder akustische Warnsignale zur Funktionskontrolle wären wünschenswert.

Ein Gewinn für die Umwelt

Skeptiker argwöhnen, der Energieaufwand für die Produktion und Montage einer Solaranlage sei im Vergleich zur möglichen Energieeinsparung zu groß. Unsere Unter­suchungen beweisen aber, dass diese Zweifel unbegründet sind: Die energetische Amortisationszeit beträgt weniger als zwei Jahre. Der Stromverbrauch von Pumpe und Regelung ist dabei schon mitgerechnet. In Anbetracht der soliden Qualität der getesteten Anlagen gehen unsere Experten von einer „Lebensdauer“ von mindestens 20 bis 25 Jahren aus.

Unterm Strich ist die Entlastung der Umwelt also immens. In jedem Fall sollten Sie allerdings auf eine besonders effiziente, stromsparende Pum­pe Wert legen.

Auch ein Gewinn für den Geldbeutel?

Einige Kunden betrachten ihre Solaranlage als Beitrag zur Altersvorsorge. Motto: Heute investieren und dann Jahrzehnte lang viel warmes Wasser „für lau“ ernten. Aber: Die Warmwasserversorgung unseres Vier-Personen-Modellhaushalts kostet bei heuti­gen Gas- und Ölpreisen annähernd 300 Euro im Jahr. Durch die Solaranlage lassen sich 60 Prozent davon einsparen, das macht 180 Euro pro Jahr beziehungsweise 4 500 Euro in 25 Jahren. Das sind annähernd die Kosten für Anlage und Montage. Auf die in der Tabelle angegebenen Listenpreise geben die Anbieter zwar Rabatte, aber andererseits kostete uns die Montage zwischen 600 und 1 200 Euro. Doch die Wirtschaftlichkeitsrechnung kann auch erfreulicher aussehen:

Speicher: Wer auf Komfort Wert legt und stets viel Warmwasser in Reserve haben möchte, braucht einen Speicher auch beim Kauf eines Heizkessels ohne Solaranlage. Wenn diese Kosten also so oder so anfallen, muss man sie für die Solaranlage allenfalls anteilig mitrechnen.

Zuschuss: Das Bundesamt für Wirtschaft (www.bafa.de) fördert die von uns geprüften Solaranlagen zur Warmwasserbereitung mit 410 Euro. Bei einem geringen Stromverbrauch gibt es obendrauf noch 50 Euro „Solarpumpenbonus“.

Wer zugleich mit der Solaranlage einen neuen Holzpelletkessel oder eine Wärme­pumpe zur Nachheizung einbaut, kann einen „regenerativen Kombinationsbo­nus“ von 750 Euro kassieren. Doch selbst wenn im Heizungsraum gleichzeitig mit der Solaranlage „nur“ ein modernes Brennwertgerät Einzug hält, sinkt unterm Strich der anteilige Installationsaufwand.

Noch mehr Sonnenenergie: Nachdenken sollten Sie auch über eine solare Heizungsunterstützung, für die zusätzliche Fördergelder winken.

Preise in Zukunft: Wie sich die Energiepreise in den nächsten Jahren entwickeln werden, weiß niemand. Wahrscheinlich werden sie eher steigen, möglicherweise sogar kräftig. Heutige Wirtschaftlichkeitsrechnungen könnten bald alt aussehen.

Tipp: Im Frühling sind viele Installateure nicht ausgelastet. Das ist ein günstiger Zeitpunkt, um Kostenangebote einzuholen – zwecks besserer Auswahl bei mehreren konkurrierenden Betrieben. Im Idealfall können Sie dann schon in diesem Sommer das gute Gefühl aller Solarfarmer genießen: Immer wenn die Sonne scheint, haben Sie einen Grund mehr als andere Menschen, sich darüber zu freuen.

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