Solar­strom

Mehr Geld für Voll­einspeiser

Solar­strom - So lohnt sich Photovoltaik
Solar­strom­anlagen. Durch die Reform des Erneuer­bare-Energien-Gesetzes soll es künftig deutlich attraktiver werden, die gesamte geeignete Dach­fläche zur Strom­erzeugung zu nutzen. © Adobe Stock / István

Betreiber neuer Photovoltaik-Anlagen sollen künftig doppelt so viel Geld bekommen wie bisher, wenn sie den erzeugten Strom komplett ins Netz speisen.

Inhalt

Anfang April 2022 hat das Bundes­kabi­nett den Gesetz­entwurf für eine Reform des Erneuer­bare-Energien-Gesetzes (EEG) beschlossen. Die wichtigste Änderung für Haus­eigentümer, die eine Photovoltaikanlage auf dem Dach installieren wollen: Künftig wird es zwei völlig unterschiedliche Tarife für den Solar­strom geben, den sie ins öffent­liche Netz einspeisen.

  • Modell Voll­einspeiser. Verkaufen Anlagen­betreiber den erzeugten Strom komplett an den Netz­betreiber, erhalten sie bis zu 13,40 Cent pro Kilowatt­stunde – wie bisher im Jahr der Inbetrieb­nahme und in 20 Folge­jahren. Das wäre etwa doppelt so viel wie heute.
  • Modell Eigen­verbrauch. Für Eigentümer, die den Strom teil­weise selbst verbrauchen, bleibt es dagegen weit­gehend beim Alten. Sie erhalten vom Netz­betreiber maximal 6,53 Cent pro Kilowatt­stunde. Das entspricht der Vergütung für Anlagen, die im April 2022 in Betrieb genommen wurden. Neu ist nur, dass die Vergütungs­sätze erst wieder für Anlagen gesenkt werden, die ab Februar 2024 in Betrieb gehen. Dann sollen sie im Halb­jahres-Rhythmus um jeweils 1 Prozent sinken.

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Hintergrund der Neuregelung: Die Einspeise­vergütung allein ist längst nicht mehr kosten­deckend. Sie wurde in den vergangenen Jahren stark gesenkt, die Anlagen­preise sind dagegen deutlich gestiegen. Nur durch einen möglichst hohen Eigen­verbrauch und die dadurch erzielte Strom­kosten­ersparnis können sich Hausdach­anlagen derzeit noch lohnen (Geld verdienen mit Solarstrom).

Unser Rat

Voll­einspeisung.
Tritt das Gesetz wie geplant in Kraft, kann die Voll­einspeisung eine gute Alternative zum bisherigen Modell mit teil­weiser Selbst­nutzung sein. Das gilt vor allem, wenn Sie über eine große geeignete Dach­fläche verfügen, auf denen Module mit einer Leistung von mehr als 10 kW Platz haben.
Abwarten.
Sie wollen noch in ­diesem Jahr die geplanten Neu­rege­lungen für Photo­voltaik­anlagen ­nutzen? Dann müssen Sie mit der verbindlichen Bestellung Ihrer ­Anlage mindestens warten, bis das Bundeswirtschaftsministerium die neuen Vergütungs­sätze auf seiner Internetseite bestätigt. Auf der sicheren Seite sind Sie erst, wenn der Bundes­tag das Gesetz verabschiedet hat. Das wird voraus­sicht­lich bis Ende Juni oder Anfang Juli 2022 dauern.
Solar­rechner.
Mit unserem Solarrechner können Sie die Wirt­schaftlich­keit Ihrer geplanten Solar­anlage berechnen – wahl­weise auch schon mit den neuen Vergütungs­sätzen nach der geplanten Reform des Erneuer­bare-Energien-Gesetzes.

Große Anlagen werden attraktiver

Bei Anlagen mit einer Leistung um 15 Kilowatt und mehr lassen sich ohne teuren Speicher meist nicht mehr als 10 bis 15 Prozent des Solar­stroms selbst verbrauchen – zu wenig, um schwarze Zahlen zu schreiben. Mit der doppelten Vergütung für Voll­einspeiser wären solche Anlagen künftig deutlich attraktiver. Damit wäre zugleich ein Anreiz geschaffen, geeignete Dach­flächen komplett für die Strom­erzeugung zu nutzen.

Voraus­setzung für die erhöhte Vergütung: Die Eigentümer müssen dem Netz­betreiber recht­zeitig mitteilen, dass sie den Strom vollständig einspeisen wollen. Im Start­jahr müssen sie das vor der Inbetrieb­nahme tun. Für die folgenden Kalender­jahre muss die Mitteilung jeweils bis zum 1. Dezember des Vorjahres beim Netz­betreiber eingehen.

Betreiber müssen sich entscheiden

Besitzer neuer Solar­anlagen müssen sich künftig also zwischen Voll­einspeisung und teil­weisem Eigen­verbrauch entscheiden. Doch was ist güns­tiger? Das hängt vom Strom­preis, der Anlagengröße und dem möglichen Eigen­verbrauchs­anteil ab.

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Generell gilt: Mit der Größe der Anlage sinkt der Anteil des Solar­stroms, der vor Ort selbst verbraucht werden kann. Bei einer ­kleinen 5-kW-Anlage ist ein Eigen­verbrauchs­anteil um 30 Prozent und mehr auch ohne teuren Speicher realistisch. Wegen der hohen Strom­kosten­ersparnis bleibt das Eigenver­brauchs­modell die bessere Wahl. Mit einer 20-kW-Anlage können die Betreiber dagegen kaum mehr als 10 Prozent des erzeugten Stroms selbst nutzen. Dann haben sie mehr davon, wenn sie den Solar­strom voll einspeisen und dafür die erhöhte Vergütung mitnehmen – voraus­gesetzt, das Gesetz wird wie geplant verabschiedet.

Laut Regierungs­entwurf müssen sich Solar­strom­erzeuger aber nicht ein für allemal auf ein Modell fest­legen. Sie können vor jedem Kalender­jahr neu entscheiden, ob sie voll einspeisen oder einen Teil selbst nutzen.

Komplizierte Über­gangs­regel

Die Neuregelungen sollen für alle Anlagen gelten, die ab 2023 in Betrieb genommen werden. Haus­eigentümer, die noch 2022 mit der Strom­erzeugung beginnen, können nur unter engen Voraus­setzungen von den höheren Vergütungs­sätzen profitieren. Dazu ist folgendes Verfahren vorgesehen:

  • Das Bundes­wirt­schafts­ministerium bestätigt auf seiner Internetseite die im Gesetz­entwurf vorgesehenen Vergütungs­sätze. Das soll nach Zustimmung der EU-Kommis­sion noch im Früh­jahr geschehen.
  • Nach dieser Bestätigung müssen Haus­eigentümer dem Netz­betreiber mitteilen, dass sie die neuen Vergütungs­sätze zur Kennt­nis genommen haben und deshalb beabsichtigen, eine Solar­anlage zu kaufen.
  • Erst nach dieser Mitteilung dürfen sie die Anlage verbindlich bestellen.

Für alle, die ihre Anlage vor der Veröffent­lichung des Ministeriums installiert oder verbindlich bestellt haben, bleibt es beim Alten: Für sie sinken die Vergütungs­sätze ­weiter mit jedem Monat, den sie ihre Anlage später in Betrieb nehmen – im Laufe des Jahres auf unter 6 Cent pro kWh. Solange sie noch keinen Strom produzieren, bleibt ihnen aber die Möglich­keit, die Inbetrieb­nahme auf 2023 zu verschieben, um sich die höhere Einspeise­vergütung zu sichern.

Geduld ist gefragt

Läuft alles nach Plan, wird die EEG-Reform vor der parlamentarischen Sommer­pause vom Bundes­tag verabschiedet. Es ist aber möglich, dass es bis dahin noch Änderungen gibt. Wer sicher­gehen will, muss daher noch etwas warten. Geduld ist derzeit ohnehin ­nötig: Nach Vertrags­abschluss dauert es oft länger als ein halbes Jahr, bis die Solar­anlage auf dem Dach montiert ist.

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Frauke.1 am 20.05.2022 um 15:08 Uhr
Geduld ist gefragt...

... heißt ihre Überschrift vom letzten Absatz.
Das mag für Investoren noch möglich sein, aber ob sich unsere Klimaerwärung auch daran hält?
Klarer Minuspunkt für Habeck, der ja im Februar angekündigt hatte, dass die Subventionen auch rückwirkend gelten sollen, damit es eben gerade nicht zum Abwarten kommt.

I.I am 19.05.2022 um 15:16 Uhr
Volleinspeisung ist der falsche Anreiz

Die Frage von HeinzPf ist berechtigt. Darf für die PV-Einspeisung überhaupt eine unterschiedliche Vergütung gezahlt werden, nur weil nicht alles eingespeist wird? Vermutlich ja (weil die Allgemeinheit ja auch ein Interesse an Strom hat, wenn insgesamt viel Hausstrom verbraucht wird), aber ich bin jetzt schon auf die Urteilsbegründungen gespannt, wenn es zu Klagen kommen sollte.
Unabhängig von der rechtlichen Einschätzung, hätte ich aber von unserer Ampel-Regierung mehr erwartet. Es wird durch die erhöhte Vergütung bei der Volleinspeisung der falsche Anreiz gesetzt! Denn für die Energiewende benötigen wir insbesondere auch Speicher - und die entstehen nur bei der Eigennutzung. Lobbyisten-Einfluss für Großanlagen?
Auch die angekündigte Entbürokratisierung und die versprochene Nichtbenachteiligung derjenigen, die schell eine PV-Anlage in Angriff nehmen wollen, ist wohl auf der Strecke geblieben.
Vielleicht ändert sich ja im endgültigen Gesetzt noch was - aber ich bin wenig optimistisch.

I.I am 19.05.2022 um 14:16 Uhr

Kommentar vom Autor gelöscht.

Profilbild Stiftung_Warentest am 16.05.2022 um 08:10 Uhr
Nachfrage zu neuen Vergütungssätzen

@Willi.2000: Ja, unsere Angaben sind korrekt. Die Einspeisevergütung ergibt sich wie bisher aus dem "anzulegenden Wert" (§ 48 EEG) abzüglich 0,4 Cent pro Kilowattstunde für die Stromvermarktung durch den Netzbetreiber (§ 53 EEG). Bei einem anzulegenden Wert von 13,80 Cent/kWh beträgt die Einspeisevergütung daher 13,40 Cent/kWh.

Profilbild Stiftung_Warentest am 16.05.2022 um 08:06 Uhr
Frage zur Übergangsregel 2022/2023 Volleinspeisung

@Parang: Es ist aber so, wie wir es in dem Artikel schreiben. Das geplante Erneuerbare-Energien-Gesetz 2023 soll grundsätzlich für Anlagen gelten, die ab 2023 in Betrieb genommen werden. Für Anlagen, die 2022 in Betrieb gehen, sieht der Gesetzentwurf die im Artikel beschriebene Übergangsregel vor. Es sind aber noch Änderungen möglich.
Am12. Mai war die erste Lesung im Bundestag; jetzt werden erst einmal die Bundestags-Ausschüsse beraten (federführend ist der Wirtschaftssausschuss).