Solar­strom So lohnt sich Photovoltaik

Solar­strom - So lohnt sich Photovoltaik
Solardach. Die Bundes­regierung will die Photovoltaik stark ausbauen. Einige Bundes­länder haben bereits eine Solardach­pflicht für Neubauten beschlossen. © Adobe Stock / slavun

Eine Photovoltaikanlage auf dem Dach kann sich heute noch lohnen – künftig auch wieder für Haus­eigentümer, die ihren Strom komplett ins öffent­liche Netz speisen.

Inhalt

Einspeise­vergütung sinkt

Die Preise für Photovoltaikanlagen sind gestiegen. Zugleich bekommen Betreiber neuer Anlagen immer weniger Geld für den Strom, den sie ins öffent­liche Netz einspeisen. Derzeit sind es nur rund 6,5 Cent pro Kilowatt­stunde – 30 Prozent weniger als noch vor zwei Jahren. Das Umwelt­bundes­amt hat deshalb davor gewarnt, dass sich neue Anlagen schon bald nicht mehr rechnen könnten.

Gute Renditen sind immer noch drin

So weit ist es aber noch nicht. Finanztest-Berechnungen zeigen: Mit einem Solar­kraft­werk auf dem Dach lässt sich auch unter den aktuellen Bedingungen Geld verdienen. Eine Rendite von über 3 bis 4 Prozent ist lang­fristig selbst bei vorsichtiger Kalkulation drin.

Allein mit der Einspeisung ins Netz ist ein kosten­deckender Betrieb derzeit nicht möglich. Dafür wird der Eigen­verbrauch immer attraktiver. Solar­strom, den Eigentümer im Haushalt zum Waschen, Kochen oder zum Laden ihres E-Autos nutzen, müssen sie nicht teuer beim Energieversorger kaufen. Nach der Strom­preis­explosion zu Jahres­beginn 2022 dürfte vielen Haus­besitzern mehr Unabhängig­keit vom Energieversorger gerade recht sein. Damit sich ihre Anlage lohnt, müssen Solarfans jedoch auf den Preis achten und die voraus­sicht­lichen Erträge und Kosten ihrer Anlage sorgfältig kalkulieren.

Doppelte Vergütung für Voll­einspeiser geplant

Wer ein Anlage plant, sollte außerdem die geplante Reform des Erneuer­bare-Energien-Gesetzes im Blick behalten. Der Gesetz­entwurf der Bundes­regierung sieht vor: Anlagen­betreiber, die den erzeugten Storm komplett ins Netz einspeisen, erhalten dafür künftig bis zu 13,4 Cent pro Kilowatt­stunde – etwa doppelt so viel wie bisher. Für Anlagen mit Eigen­verbrauch soll es dagegen weit­gehend beim Alten bleiben. Die Eigentümer erhalten nur bis zu 6,53 Cent pro Kilowatt­stunde. Das entspricht den Vergütungs­sätzen für Anlagen, die im April 2022 in Betrieb genommen wurden.

Passiert das Gesetz den Bundes­tag, kann es sich daher lohnen, den erzeugten Solar­strom komplett ins öffent­liche Netz einzuspeisen. Vor allem für Betreiber relativ großer Anlagen mit einer Leistung von mehr als 10 Kilowatt wird die Voll­einspeisung in vielen Fällen güns­tiger sein, als nur Über­schuss an den Netz­betreiber zu verkaufen.

Das bietet unser Special Solar­anlage

  • Renditen für Anlagen mit und ohne Speicher. Lohnt sich eine Solar­anlage? Darüber entscheiden der Preis der Anlage, der Strom­ertrag, der Anteil des selbst verbrauchten Stroms und die Entwick­lung der Strom­preise. Unsere Tabellen und Grafiken zeigen, welche Renditen möglich sind und wie sich zum Beispiel unterschiedliche Eigen­verbrauchs­anteile auswirken.
  • EEG-Reform. Die Bundes­regierung plant wichtige Neuregungen – mit deutlich höheren Vergütungs­sätzen für Betreiber, die ihren Solar­strom komplett ins öffent­liche Netz speisen. Wir erläutern die Details der geplanten Reform, wer davon profitiert und wie die neuen Vergütungs­sätze die Wirt­schaftlich­keit der Anlagen beein­flussen.
  • Tipps für die Planung. Die Experten der Stiftung Warentest erklären, welche Dächer sich zur Solar­strom­erzeugung eignen und worauf Haus­eigentümer bei Kauf und Planung ihrer Anlage achten sollten.
  • Kaufen oder Mieten. Unser Praxis­test zeigt: Angebote zum Kaufen und Mieten einer PV-Anlage sind oft schwer vergleich­bar, Wirt­schaftlich­keits­berechnungen der Anbieter häufig lückenhaft und unver­ständlich.
  • Über­schüsse berechnen. Mit einer einfachen Über­schlags­rechnung können Sie heraus­finden, ob Ihre Anlage auf Dauer Gewinne verspricht. Mit unserem Solar­rechner können Sie Kosten, Erträge und Rendite Ihrer Photovoltaik-Anlage detailliert ermitteln.
  • Steuern sparen. Wir erklären, wie Sie als Strom­produzent Steuern sparen können, indem Sie sich die Umsatz­steuer zurück­holen, bei der Einkommensteuer Ihre Betriebs­ausgaben berück­sichtigen und Investitionen abschreiben.
  • Altanlagen. Nach 20 Jahren fallen Photovoltaikanlagen aus der EEG-Förderung heraus. Wir sagen, welche Möglich­keiten die Besitzer haben, ihre Solar­anlage auch danach noch profitabel weiter zu betreiben.

Einspeise­vergütung garan­tiert für 20 Jahre

Erträge erzielen die Betreiber von Solar­strom­anlagen aus zwei Quellen:

Eigen­verbrauch. Einen Teil des Solar­stroms verbrauchen sie selbst, und zwar möglichst viel. So sparen sie Strom­kosten von derzeit mehr als 30 Cent pro Kilowatt­stunde (kWh). Mit jeder Strom­preis­erhöhung wird die Ersparnis größer.

Netz­einspeisung. Den Teil des Stroms, den sie nicht verbrauchen, verkaufen sie an den Netz­betreiber. Der muss ihnen für jede kWh die gesetzliche Einspeise­vergütung von derzeit 6,5 Cent zahlen – im Jahr der Inbetrieb­nahme und in den 20 Folge­jahren. Wer den Solar­strom komplett ins öffent­liche Netz einspeist, soll künftig bis zu 13,4 Cent pro kWh bekommen, muss dafür aber auf den Vorteil verzichten, den er durch den Eigen­verbrauch erzielen könnte.

Photovoltaik-Rendite durch Eigen­verbrauch

Ein Blick auf die Strom­rechnung zeigt: Derzeit ist es viel besser, den erzeugten Strom selbst zu verbrauchen, statt ihn für weniger als 7 Cent pro kWh ins Netz einzuspeisen und Haus­halts­strom für 30 oder 40 Cent pro kWh aus dem Netz zu beziehen. Strom­erzeugung und -verbrauch klaffen allerdings auseinander. An sonnigen Sommer­tagen produziert die Anlage Strom im Über­fluss. In den Wintermonaten liefert sie wenig und nachts gar keine Energie. Ohne Speicher lassen sich daher meist nur 15 bis 30 Prozent des erzeugten Stroms selbst nutzen. Das reicht aber schon für einen kräftigen Rendite­schub.

Solar­anlage mit Speicher oft weniger rentabel

Um mehr Solar­strom selbst zu nutzen, setzen Haus­eigentümer zunehmend auf Anlagen mit Stromspeicher. Die Akkus speichern den tags­über nicht benötigten Solar­strom und geben ihn abends wieder ab, wenn er gebraucht wird. Je nach Anlagengröße, Strom­verbrauch und Speicher­kapazität lässt sich der Eigen­verbrauchs­anteil auf 50 Prozent und mehr steigern.

Lange Zeit waren die Speicher aber so teuer, dass es für die meisten Privathaushalte unwirt­schaftlich war, einen anzu­schaffen. Doch in den vergangenen Jahren haben sich die Preise deutlich verringert. Und weil die Strom­preise gestiegen sind, ist eine Kilowatt­stunde Strom aus dem Speicher heute mehr wert als früher. In der Regel ist eine Photovoltaikanlage mit Speicher zwar immer noch weniger rentabel als ohne. Doch wenn der Speicher günstig und auf den Strom­verbrauch im Haushalt abge­stimmt ist, haben Haus­eigentümer gute Chancen, zumindest die Anschaffungs­kosten wieder herein­zuholen.

Tipps: Welche Möglich­keiten es gibt, die Sonnen­energie zu nutzen, erklären wir in unserem umfang­reichen Special zur Solartechnik.

Mehr zum Thema

  • Photovoltaik Berechnen Sie die Rendite Ihrer Solar­anlage

    - Mit Solar­strom­anlagen können Haus­eigen­tümer mindestens 20 Jahre lang Geld verdienen und Strom­kosten sparen. Unser Solar­rechner ermittelt Kosten, Erträge und Rendite.

  • Einspeise­vergütung sinkt Warum sich Photovoltaik trotzdem weiter lohnen kann

    - Das Umwelt­bundes­amt warnt, dass sich neue Solar­anlagen bald nicht mehr rentieren könnten. Finanztest-Experte Jörg Sahr erklärt, für wen sich Photovoltaik noch lohnt.

  • Photovoltaik Steuern sparen mit Solar­strom

    - Für Photovoltaikanlagen gelten komplizierte Steuer­regeln. Anlagen­betreiber können vor allem in den ersten Jahren viel Steuern sparen. test.de zeigt, wie.

122 Kommentare Diskutieren Sie mit

Nur registrierte Nutzer können Kommentare verfassen. Bitte melden Sie sich an. Individuelle Fragen richten Sie bitte an den Leserservice.

Nutzer­kommentare können sich auf einen früheren Stand oder einen älteren Test beziehen.

I.I am 19.05.2022 um 15:16 Uhr
Volleinspeisung ist der falsche Anreiz

Die Frage von HeinzPf ist berechtigt. Darf für die PV-Einspeisung überhaupt eine unterschiedliche Vergütung gezahlt werden, nur weil nicht alles eingespeist wird? Vermutlich ja (weil die Allgemeinheit ja auch ein Interesse an Strom hat, wenn insgesamt viel Hausstrom verbraucht wird), aber ich bin jetzt schon auf die Urteilsbegründungen gespannt, wenn es zu Klagen kommen sollte.
Unabhängig von der rechtlichen Einschätzung, hätte ich aber von unserer Ampel-Regierung mehr erwartet. Es wird durch die erhöhte Vergütung bei der Volleinspeisung der falsche Anreiz gesetzt! Denn für die Energiewende benötigen wir insbesondere auch Speicher - und die entstehen nur bei der Eigennutzung. Lobbyisten-Einfluss für Großanlagen?
Auch die angekündigte Entbürokratisierung und die versprochene Nichtbenachteiligung derjenigen, die schell eine PV-Anlage in Angriff nehmen wollen, ist wohl auf der Strecke geblieben.
Vielleicht ändert sich ja im endgültigen Gesetzt noch was - aber ich bin wenig optimistisch.

I.I am 19.05.2022 um 14:16 Uhr

Kommentar vom Autor gelöscht.

Profilbild Stiftung_Warentest am 16.05.2022 um 08:10 Uhr
Nachfrage zu neuen Vergütungssätzen

@Willi.2000: Ja, unsere Angaben sind korrekt. Die Einspeisevergütung ergibt sich wie bisher aus dem "anzulegenden Wert" (§ 48 EEG) abzüglich 0,4 Cent pro Kilowattstunde für die Stromvermarktung durch den Netzbetreiber (§ 53 EEG). Bei einem anzulegenden Wert von 13,80 Cent/kWh beträgt die Einspeisevergütung daher 13,40 Cent/kWh.

Profilbild Stiftung_Warentest am 16.05.2022 um 08:06 Uhr
Frage zur Übergangsregel 2022/2023 Volleinspeisung

@Parang: Es ist aber so, wie wir es in dem Artikel schreiben. Das geplante Erneuerbare-Energien-Gesetz 2023 soll grundsätzlich für Anlagen gelten, die ab 2023 in Betrieb genommen werden. Für Anlagen, die 2022 in Betrieb gehen, sieht der Gesetzentwurf die im Artikel beschriebene Übergangsregel vor. Es sind aber noch Änderungen möglich.
Am12. Mai war die erste Lesung im Bundestag; jetzt werden erst einmal die Bundestags-Ausschüsse beraten (federführend ist der Wirtschaftssausschuss).

Willi.2000 am 14.05.2022 um 00:31 Uhr
Nachfrage zu neuen Vergütungssätzen

Sind die Angaben zu den neuen Vergütungssätzen im Rahmen der Reform des Erneuerbaren Energiegesetzes im Finanztest-Artikel korrekt. Dort sind bis zu 6,53 als Einspeisevergütung bei Eigenverbrauch sowie 13,4 Cent bei Volleinspeisung angegeben. Im Gesetzentwurf vom 02.05.2022 meine ich hingegen folgende Vergütungssätze zu finden: 6,93 Cent und 13,8 Cent. Vielleicht ist es möglich mir die Abweichungen zu erklären. Vielen Dank!