Solar­strom So lohnt sich Photovoltaik

127
Solar­strom - So lohnt sich Photovoltaik
Solardach. Die Bundes­regierung will die Photovoltaik stark ausbauen. Einige Bundes­länder haben bereits eine Solardach­pflicht für Neubauten beschlossen. © Adobe Stock / slavun

Eine Photovoltaikanlage auf dem Dach kann sich heute noch lohnen – künftig auch wieder für Haus­eigentümer, die ihren Strom komplett ins öffent­liche Netz speisen.

Inhalt

Einspeise­vergütung sinkt

Die Preise für Photovoltaikanlagen sind gestiegen. Zugleich bekommen Betreiber neuer Anlagen immer weniger Geld für den Strom, den sie ins öffent­liche Netz einspeisen. Derzeit sind es nur rund 6,5 Cent pro Kilowatt­stunde – 30 Prozent weniger als noch vor zwei Jahren. Das Umwelt­bundes­amt hat deshalb davor gewarnt, dass sich neue Anlagen schon bald nicht mehr rechnen könnten.

Gute Renditen sind immer noch drin

So weit ist es aber noch nicht. Finanztest-Berechnungen zeigen: Mit einem Solar­kraft­werk auf dem Dach lässt sich auch unter den aktuellen Bedingungen Geld verdienen. Eine Rendite von über 3 bis 4 Prozent ist lang­fristig selbst bei vorsichtiger Kalkulation drin.

Allein mit der Einspeisung ins Netz ist ein kosten­deckender Betrieb derzeit nicht möglich. Dafür wird der Eigen­verbrauch immer attraktiver. Solar­strom, den Eigentümer im Haushalt zum Waschen, Kochen oder zum Laden ihres E-Autos nutzen, müssen sie nicht teuer beim Energieversorger kaufen. Nach der Strom­preis­explosion zu Jahres­beginn 2022 dürfte vielen Haus­besitzern mehr Unabhängig­keit vom Energieversorger gerade recht sein. Damit sich ihre Anlage lohnt, müssen Solarfans jedoch auf den Preis achten und die voraus­sicht­lichen Erträge und Kosten ihrer Anlage sorgfältig kalkulieren.

Doppelte Vergütung für Voll­einspeiser geplant

Wer ein Anlage plant, sollte außerdem die geplante Reform des Erneuer­bare-Energien-Gesetzes im Blick behalten. Der Gesetz­entwurf der Bundes­regierung sieht vor: Anlagen­betreiber, die den erzeugten Storm komplett ins Netz einspeisen, erhalten dafür künftig bis zu 13,4 Cent pro Kilowatt­stunde – etwa doppelt so viel wie bisher. Für Anlagen mit Eigen­verbrauch soll es dagegen weit­gehend beim Alten bleiben. Die Eigentümer erhalten nur bis zu 6,53 Cent pro Kilowatt­stunde. Das entspricht den Vergütungs­sätzen für Anlagen, die im April 2022 in Betrieb genommen wurden.

Passiert das Gesetz den Bundes­tag, kann es sich daher lohnen, den erzeugten Solar­strom komplett ins öffent­liche Netz einzuspeisen. Vor allem für Betreiber relativ großer Anlagen mit einer Leistung von mehr als 10 Kilowatt wird die Voll­einspeisung in vielen Fällen güns­tiger sein, als nur Über­schuss an den Netz­betreiber zu verkaufen.

Das bietet unser Special Solar­anlage

  • Renditen für Anlagen mit und ohne Speicher. Lohnt sich eine Solar­anlage? Darüber entscheiden der Preis der Anlage, der Strom­ertrag, der Anteil des selbst verbrauchten Stroms und die Entwick­lung der Strom­preise. Unsere Tabellen und Grafiken zeigen, welche Renditen möglich sind und wie sich zum Beispiel unterschiedliche Eigen­verbrauchs­anteile auswirken.
  • EEG-Reform. Die Bundes­regierung plant wichtige Neuregungen – mit deutlich höheren Vergütungs­sätzen für Betreiber, die ihren Solar­strom komplett ins öffent­liche Netz speisen. Wir erläutern die Details der geplanten Reform, wer davon profitiert und wie die neuen Vergütungs­sätze die Wirt­schaftlich­keit der Anlagen beein­flussen.
  • Tipps für die Planung. Die Experten der Stiftung Warentest erklären, welche Dächer sich zur Solar­strom­erzeugung eignen und worauf Haus­eigentümer bei Kauf und Planung ihrer Anlage achten sollten.
  • Kaufen oder Mieten. Unser Praxis­test zeigt: Angebote zum Kaufen und Mieten einer PV-Anlage sind oft schwer vergleich­bar, Wirt­schaftlich­keits­berechnungen der Anbieter häufig lückenhaft und unver­ständlich.
  • Über­schüsse berechnen. Mit einer einfachen Über­schlags­rechnung können Sie heraus­finden, ob Ihre Anlage auf Dauer Gewinne verspricht. Mit unserem Solar­rechner können Sie Kosten, Erträge und Rendite Ihrer Photovoltaik-Anlage detailliert ermitteln.
  • Steuern sparen. Wir erklären, wie Sie als Strom­produzent Steuern sparen können, indem Sie sich die Umsatz­steuer zurück­holen, bei der Einkommensteuer Ihre Betriebs­ausgaben berück­sichtigen und Investitionen abschreiben.
  • Altanlagen. Nach 20 Jahren fallen Photovoltaikanlagen aus der EEG-Förderung heraus. Wir sagen, welche Möglich­keiten die Besitzer haben, ihre Solar­anlage auch danach noch profitabel weiter zu betreiben.

Einspeise­vergütung garan­tiert für 20 Jahre

Erträge erzielen die Betreiber von Solar­strom­anlagen aus zwei Quellen:

Eigen­verbrauch. Einen Teil des Solar­stroms verbrauchen sie selbst, und zwar möglichst viel. So sparen sie Strom­kosten von derzeit mehr als 30 Cent pro Kilowatt­stunde (kWh). Mit jeder Strom­preis­erhöhung wird die Ersparnis größer.

Netz­einspeisung. Den Teil des Stroms, den sie nicht verbrauchen, verkaufen sie an den Netz­betreiber. Der muss ihnen für jede kWh die gesetzliche Einspeise­vergütung von derzeit 6,5 Cent zahlen – im Jahr der Inbetrieb­nahme und in den 20 Folge­jahren. Wer den Solar­strom komplett ins öffent­liche Netz einspeist, soll künftig bis zu 13,4 Cent pro kWh bekommen, muss dafür aber auf den Vorteil verzichten, den er durch den Eigen­verbrauch erzielen könnte.

Photovoltaik-Rendite durch Eigen­verbrauch

Ein Blick auf die Strom­rechnung zeigt: Derzeit ist es viel besser, den erzeugten Strom selbst zu verbrauchen, statt ihn für weniger als 7 Cent pro kWh ins Netz einzuspeisen und Haus­halts­strom für 30 oder 40 Cent pro kWh aus dem Netz zu beziehen. Strom­erzeugung und -verbrauch klaffen allerdings auseinander. An sonnigen Sommer­tagen produziert die Anlage Strom im Über­fluss. In den Wintermonaten liefert sie wenig und nachts gar keine Energie. Ohne Speicher lassen sich daher meist nur 15 bis 30 Prozent des erzeugten Stroms selbst nutzen. Das reicht aber schon für einen kräftigen Rendite­schub.

Solar­anlage mit Speicher oft weniger rentabel

Um mehr Solar­strom selbst zu nutzen, setzen Haus­eigentümer zunehmend auf Anlagen mit Stromspeicher. Die Akkus speichern den tags­über nicht benötigten Solar­strom und geben ihn abends wieder ab, wenn er gebraucht wird. Je nach Anlagengröße, Strom­verbrauch und Speicher­kapazität lässt sich der Eigen­verbrauchs­anteil auf 50 Prozent und mehr steigern.

Lange Zeit waren die Speicher aber so teuer, dass es für die meisten Privathaushalte unwirt­schaftlich war, einen anzu­schaffen. Doch in den vergangenen Jahren haben sich die Preise deutlich verringert. Und weil die Strom­preise gestiegen sind, ist eine Kilowatt­stunde Strom aus dem Speicher heute mehr wert als früher. In der Regel ist eine Photovoltaikanlage mit Speicher zwar immer noch weniger rentabel als ohne. Doch wenn der Speicher günstig und auf den Strom­verbrauch im Haushalt abge­stimmt ist, haben Haus­eigentümer gute Chancen, zumindest die Anschaffungs­kosten wieder herein­zuholen.

Tipps: Welche Möglich­keiten es gibt, die Sonnen­energie zu nutzen, erklären wir in unserem umfang­reichen Special zur Solartechnik.

127

Mehr zum Thema

  • Photovoltaik Berechnen Sie die Rendite Ihrer Solar­anlage

    - Mit Solar­strom­anlagen können Haus­eigen­tümer mindestens 20 Jahre lang Geld verdienen und Strom­kosten sparen. Unser Solar­rechner ermittelt Kosten, Erträge und Rendite.

  • Einspeise­vergütung sinkt Warum sich Photovoltaik trotzdem weiter lohnen kann

    - Das Umwelt­bundes­amt warnt, dass sich neue Solar­anlagen bald nicht mehr rentieren könnten. Finanztest-Experte Jörg Sahr erklärt, für wen sich Photovoltaik noch lohnt.

  • Photovoltaik Steuern sparen mit Solar­strom

    - Für Photovoltaikanlagen gelten komplizierte Steuer­regeln. Anlagen­betreiber können vor allem in den ersten Jahren viel Steuern sparen. test.de zeigt, wie.

127 Kommentare Diskutieren Sie mit

Nur registrierte Nutzer können Kommentare verfassen. Bitte melden Sie sich an. Individuelle Fragen richten Sie bitte an den Leserservice.

Nutzer­kommentare können sich auf einen früheren Stand oder einen älteren Test beziehen.

geam am 26.06.2022 um 16:41 Uhr
Erläuterung zu "Zweiklassen_Gesellschaft"

Mit den privaten Solaranlagen kann man mittags zu Spitzenlastzeiten im Mittel etwa eine Leistung entsprechend 10 Kernkraftwerken zuliefern.

geam am 26.06.2022 um 16:27 Uhr
Zweiklassen-Gesellschaft

Jede Kilowattstunde zählt, sagt Herr Habeck!? Offenbar aber nicht in der Abrechnung! Es werden immer neue Gesetze für die EVU's gezimmert, die die Kalkulation für Hausbesitzer zum Glückspiel machen! Warum nicht wie in Holland, wo Hin- und Rückstrom das gleiche kosten. Das ist aber wohl für Deutsche Verhältnisse viel zu einfach! Man belastet lieber jeden Bürger mit komplizierten Bewilligungs- und Abrechnungsverfahren, schafft neue, teure "Arbeitsplätze" in der Bürokratie und der Wirtschaft und macht die Republik wiederum ein Stückchen grausiger. So wird man wohl kaum mehr Kilowattstunden erhalten!
Dabei könnten die Solaranlagen auf Hausdächern und Freiflächen leicht zehn Kernkraftwerke ersetzen, den privaten Stromverbrauch stark reduzieren und würden den Staat keinen Pfennig kosten!!!!!

Profilbild Stiftung_Warentest am 20.06.2022 um 08:58 Uhr
Tabelle "Volleinspeisung oder Eigenverbrauch?"?

@boe1510: Sie haben die Stromkostenersparnis durch den Eigenverbrauch doppelt angesetzt, einmal als Kostenersparnis bei der Teileinspeisung und dann noch einmal als Kosten bei Volleinspeisung.

boe1510 am 19.06.2022 um 17:01 Uhr
Tabelle "Volleinspeisung oder Eigenverbrauch?"?

Laut Tabelle ist bei 10kW (kWp?) Anlagenleistung und 30ct/kWh Haushaltsstrom der Gleichstand bei 30%. Bei 10000kWh wären das also 3000kWh.
Bei 10000kWh PV-Ertrag und 1285kWh Eigenverbrauch ergibt sich für mich folgendes:
Volleinspeisung:
Vergütung: 10000 * 0,134 = 1340,00
- Netzbezug: 1285 * 0,30 = 385,50
Gewinn: 954,50
Teileinspeisung:
Vergütung: (10000 - 1285) * 0,0653 = 569,09
+ gesparter Netzbezug: 1285 * 0,30 = 385,50
Gewinn: 954,59
Gleichstand bereits bei etwa 12,85%.
Wo ist mein Berechnungsfehler?

Frauke.1 am 20.05.2022 um 15:08 Uhr
Geduld ist gefragt...

... heißt ihre Überschrift vom letzten Absatz.
Das mag für Investoren noch möglich sein, aber ob sich unsere Klimaerwärung auch daran hält?
Klarer Minuspunkt für Habeck, der ja im Februar angekündigt hatte, dass die Subventionen auch rückwirkend gelten sollen, damit es eben gerade nicht zum Abwarten kommt.