Solaranlage Meldung

Auf diesem Dach erzeugen bald Solarmodule Sonnenstrom: Falk Lederer baut seine eigenen vier Wände im sächsischen Paulsdorf. Anlagenbetreiber wird aber sein älterer Bruder Ronny, der das Dach pachtet. Er will darauf eine Solaranlage mit 4,76 Kilowatt Spitzenleistung montieren.

Eine Solaranlage macht Hausbesitzer zu Unternehmern. Wenn sie Strom ins Netz einspeisen, melden sie sich beim Finanzamt an und kassieren die Einspeisevergütung und Steuervorteile.

Falk und Ronny Lederer teilen sich ein Dach. Falks Haus im sächsischen Paulsdorf steht schon im Rohbau. Falk verpachtet das Dach an seinen Bruder Ronny. Er wird darauf eine Solaranlage betreiben.

Diese Kooperation haben die beiden beschlossen, weil Falk erwerbsunfähig ist. Er kann von den steuerlichen Vorteilen nur sehr begrenzt profitieren.

Sobald die Anlage in Betrieb geht, ist Ronny Stromerzeuger und speist Energie ins öffentliche Netz ein. Für jede Kilowattstunde (kWh) zahlt ihm der Versorger 49,21 Cent. Außerdem schreibt Ronny beim Finanzamt die Investitionskosten ab.

Strom verkaufen statt verbrauchen

Die Vergütung für den Strom ist Ronny Lederer durch das Erneuerbare-Energien-Gesetz (EEG) garantiert. Die Energieversorger müssen den Kleinunternehmern zwanzig Jahre lang einen Festpreis für den eingespeisten Strom zahlen. Die hohe Vergütung gibt es für Anlagen bis zur Maximalgröße von 30 Kilowatt Spitzenleistung.

Im Januar jedes Jahres wird die zwanzigjährige Vergütungsgarantie für neue Anlagen um 5 Prozent heruntergefahren. Geht eine Solaranlage erst 2008 in Betrieb, gibt es statt 49,21 Cent nur noch 46,75 Cent. Schnelles Handeln bringt also mehr Geld.

Lederer kann mit dem Festbetrag von 49,21 Cent pro kWh bis Ende 2027 dauerhaft kalkulieren. Das begonnene Jahr 2007 zählt als Rumpfjahr, dessen Monate nicht die zwanzigjährige Frist kürzen.

Die Vergütung ist so hoch, dass es sich immer rechnet, den Solarstrom an den Netzbetreiber zu verkaufen. Den Strom für den eigenen Verbrauch gibt es günstiger aus dem öffentlichen Netz.

Langfristig ein kleines Plus

Die Förderung macht es möglich, dass Betreiber ihre hohen Investitionskosten und die laufenden Betriebsausgaben für Wartung, Instandsetzung und Versicherung wieder hereinholen. Sie können sogar ein kleines Plus erwirtschaften.

Wie hoch die Erzeugerrendite sein wird, hängt von vielen Faktoren ab: von den Investitionskosten, der geografischen Lage und der Sonneneinstrahlung. Wichtig ist ferner, dass die Dachfläche ideal nach Süden ausgerichtet ist, der Neigungswinkel 30 Grad beträgt und die Module dauerhaft die erwartete Leistung bringen.

Knapp 30 000 Euro Kosten

Die größte Stange Geld kosten Ronny Lederer die 28 Solarmodule. Außerdem muss er die Dachunterkonstruktion, die Kabel und den Wechselrichter bezahlen. Dieser wandelt den produzierten Gleichstrom in netzfähigen Wechselstrom um.

Alles zusammen kostet den 32-Jährigen 29 894 Euro (25 121 Euro plus 4 773 Euro Mehrwertsteuer). Dafür setzt er bei seinem Bruder eine Solaranlage mit einer Spitzenleistung von 4,76 Kilowatt (kWp) aufs Dach. Das entspricht einem Preis pro Kilowatt Spitzenleistung von 6 208 Euro.

Zum Vergleich: Typische Anlagen für Einfamilienhäuser haben rund 3 kWp und kosten zwischen 16 500 bis 22 700 Euro mit Mehrwertsteuer. Damit ist ein Kilowatt Spitzenleistung Solarstrom in einer Preisspanne zwischen 5 100 und 7 200 Euro zu haben. Lederer liegt mit seiner Anlage etwa in der Mitte.

Unternehmer im Nebenjob

Vom Finanzamt kann sich Lederer als Erstes die Mehrwertsteuer zurückholen – Umsatzsteuer heißt sie dort. Allerdings muss er dort vorher einen wichtigen Schritt tun: Der Speditionsangestellte Lederer muss sich als selbstständiger Kleinunternehmer anmelden. Denn jeder, der dauerhaft Ökostrom gegen Bezahlung ins öffentliche Netz einspeist, zählt einkommensteuerlich als Gewerbetreibender.

Lederer füllt fürs Finanzamt einen Fragebogen über die Aufnahme einer gewerblichen Tätigkeit aus. Er kreuzt an, dass er nicht darauf verzichtet, sich von der Umsatzsteuer befreien zu lassen, gibt seine Umsatzsteuervoranmeldung und eine Kopie der Rechnung ab.

Dann kann er sich sofort, nachdem die Anlage geliefert ist, die Umsatzsteuer von 4 773 Euro von den Finanzbeamten zurückgeben lassen. Im Gegenzug muss er die Mehrwertsteuer, die er vom Netzbetreiber neben der Einspeisevergütung erhält, ans Finanzamt weitergeben.

Gewinn und Verlust berechnen

Die Stromvergütung vom Netzbetreiber muss Lederer versteuern. Doch er kann davon Abschreibung, Kreditzinsen und laufende Betriebskosten abziehen. Dafür ermittelt er seinen Gewinn oder Verlust aus dem Betrieb der Anlage. Die Fotovoltaik-anlage schreiben Betreiber über 20 Jahre verteilt als Betriebsausgaben ab. Wer sofort eine hohe Steuerersparnis möchte, wählt die degressive Abschreibung in fallenden Raten und schreibt im ersten Jahr ab dem Start schon 15 Prozent der Kosten ab.

In den folgenden Jahren setzt der Solarunternehmer dann immer 15 Prozent vom Restwert des vorherigen Jahres an, bis der Abschreibungswert 5 Prozent der Anschaffungskosten erreicht. Danach schreibt er den Restwert auf die verbleibende Abschreibungszeit gleichmäßig verteilt ab.

Investoren, die sich dagegen von Anfang an für die lineare Abschreibung entscheiden, setzen zwanzig Jahre lang ab dem Monat der Inbetriebnahme jährlich 5 Prozent der Anschaffungskosten ab.

Gleich welche Abschreibungsart er wählt, Lederer bekommt zusätzlich einen fetten Bonus vom Fiskus: Er darf im Jahr der Inbetriebnahme noch 20 Prozent Sonderabschreibung von den Anschaffungskosten abziehen. Maximal kann Lederer also im ersten Jahr 35 Prozent (15 Prozent degressive Abschreibung plus 20 Prozent Sonderabschreibung) der Baukosten abschreiben. Lederer könnte seine Steuerersparnis sogar ein Jahr vorziehen. Das geht mit einer Ansparabschreibung von immerhin 40 Prozent der Baukosten, die er in der Steuererklärung für 2006 angibt.

Das Finanzamt würde von den 25 121 Euro Investitionskosten 10 048 Euro anerkennen und von seinem zu versteuernden Einkommen abziehen. Die Ansparabschreibung muss Lederer im Jahr 2007 aber mit der degressiven Absetzung für Abnutzung (AfA) und der Sonderabschreibung von 20 Prozent verrechnen.

So sieht die Rechnung für 2007 ohne Ansparabschreibung aus:

Betriebseinnahmen
Einspeisevergütung ab Jan. 2007: 2 050 Euro
+ Umsatzsteuer auf Vergütung: 389,50 Euro
+ Erstattete Umsatzsteuer für Anlage: 4 773 Euro
Summe Betriebseinnahmen: 7 212,50 Euro

Betriebsausgaben
Gezahlte Umsatzsteuer für Anlage: 4 773 Euro
+ Gezahlte Umsatzsteuer auf Stromerlös: 389,50 Euro
+ Abschreibung: 15 % von 25 121 Euro: 3 768 Euro
+ Sonderabschreibung: 20 % von 25 121 Euro: 5 024 Euro
+ Beitrag für Fotovoltaikversicherung: 178,50 Euro
+ Miete Stromzähler: 30,60 Euro
Summe Betriebsausgaben: 14 163,60 Euro

Betriebsergebnis
Betriebseinnahmen: 7 212,50 Euro
- Betriebsausgaben: 14 163,60 Euro
Steuerlicher Verlust: - 6 951,10 Euro

Lederers Verlust in Höhe von 6 967,60 Euro verrechnet das Finanzamt mit den Einkünften aus seinem Hauptjob. Bei einem Steuersatz von 30 Prozent spart er dadurch etwa 2 100 Euro Einkommensteuer und Solidaritätszuschlag.

Im zweiten Jahr kann er nur noch 15 Prozent von 16 329 Euro, dem Restwert seiner Anlage, abschreiben (25 121 Euro Anschaffungskosten minus 8 792 Euro Abschreibungssumme 2007). Seine Steuerersparnis beträgt dann rund 200 Euro. Ab dem fünften Jahr müsste Lederer nach dieser Rechnung Steuern auf seine Gewinne zahlen. Lederers Stromernte hat Planungsingenieur Dietrich Reuße in der Kalkulation jedes Jahr um 0,6 Prozent niedriger angesetzt, weil die Anlage mit zunehmendem Alter weniger leistet.

Betriebskosten meist nicht hoch

Solaranlagen sind robust und wartungsarm, solange keine Materialfehler auftreten. Dennoch ist es für Hauseigentümer ratsam, Rücklagen für Wartung, Reparaturen, einen neuen Wechselrichter oder andere Ersatzteile einzukalkulieren. Dazu kommen Beitragszuschläge für die Gebäudeversicherung (siehe „Gut versichert für die wichtigsten Pannen“).

Zusätzlich kann eine Fotovoltaikversicherung sinnvoll sein. Die Versicherungsgesellschaft Helvetia hat im vergangenen Jahr mit solchen Policen weit mehr Solaranlagen versichert, als geplant.

Schließt Ronny Lederer dort ab, müsste er pro Jahr 178,50 Euro zahlen. Da er Pächter des Daches ist, betrachtet der Versicherer das Haus als Betriebsgebäude. Wenn er das Haus selber nutzte, würde ihn die Police nur 89,25 Euro kosten.

Investoren müssen mit jährlichen Betriebskosten in Höhe von 1,0 bis 1,5 Prozent der Anschaffungskosten rechnen. Diese geben sie in der Gewinn-Verlust-Rechnung als Betriebsausgaben an.

Gute Stromernte versprochen

Die Gebrüder Lederer wollen im Januar ans Netz gehen und im Laufe des Jahres 4 165 Kilowattstunden (kWh) Strom ernten. Das sind 875 kWh pro Kilowatt Spitzenleistung. Dafür kassieren die Brüder vom Netzbetreiber 2 050 Euro ohne Umsatzsteuer.

Bei dieser Strommenge, einem Anlagepreis von 5 277 Euro pro Kilowatt Spitzenleistung und der Einspeisevergütung von 49,21 Cent sagt unser Solarrechner Lederer eine Rendite von 2,8 Prozent voraus.

Voraussetzung für die Rendite wäre, dass die Anlage aus Eigenkapital finanziert wird. Lederer will aber die Hälfte über einen Kredit finanzieren. Zinsen und Kontogebühren senken die Rendite.

Der Solarsachse kann aber auf einen speziellen Vorteil hoffen: Die Sonne hat Paulsdorf in den letzten Jahren verwöhnt und mehr Licht gespendet als er eingeplant.

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