Nur zwei Jahre gesetzliche Gewährleistung

Solaranlage Meldung

Andreas Hübner hat den Schaden: Der bräunliche Fleck zeigt die überhitzte Lötstelle in der Anschlussdose des Moduls. Ersatz für Ertragsausfall bekommt er nicht.

Andreas Hübners Solaranlage erzeugt 25 Prozent zu wenig Strom. Hersteller BP-Solar hat ein neues Modul geliefert, den Einbau muss Hübner bezahlen.

Noch im Frühjahr 2006 hatte Andreas Hübner aus Lüneburg geglaubt, der Wechselrichter sei Schuld daran, dass der Stromertrag seiner vier Jahre alten Anlage um 25 Prozent zurückging. Er tauschte ihn. Doch er hatte sich geirrt. Im September entdeckt er auf dem Dach seines Holzhauses die Bescherung: Ein Modul ist völlig durchgebrannt.

Ist die Solaranlage schadhaft, hat der Betreiber die Wahl: Er kann sich an den Hersteller wenden und dessen Garantie einfordern. Oder er verlangt vom Verkäufer der Anlage, meist ist es der Installateur, dass dieser seine gesetzliche Gewährleistungspflicht erfüllt.

Garantie nur aufs Material

Stromerzeuger Hübner wendet sich im Herbst an BP-Solar. Er ist nicht der erste. In dem vergangenen Jahr sind etliche BP-Solar-Module des Fertigungszeitraums 2002 bis 2004 wegen eines Produktionsfehlers zum Brandrisiko geworden. Jetzt ruft BP Solar sogar Module zurück (siehe Meldung Solarstrom).

Die Firma stellt ihm ein Ersatzmodul vor die Tür. Auf Material und Verarbeitung hat sie fünf Jahre Garantie gewährt. Für den Einbau und die Demontage des kaputten Moduls fühlt sich BP-Solar nicht zuständig. Der Hersteller lehnt es mit Bezug auf die Garantieurkunde ab „Kosten in Verbindung mit der Installation“ zu übernehmen. Hübner solle seinen Gewährleistungsanspruch beim Installateur geltend machen.

Doch die gesetzliche Gewährleistungsfrist ist in seinem Fall abgelaufen. Sie beträgt nur zwei Jahre. Der Bundesgerichtshof hat im Jahr 2004 über eine aufmontierte Thermosolaranlage geurteilt (Az. VIII ZR 76/03): Der Vertrag ist als Kauf- und nicht als Werkvertrag zu betrachten, weil die Montage im Verhältnis zu den Modulen eine Nebenleistung ist. Deshalb gilt die zweijährige Frist aus dem Kaufrecht. Nur für Werkverträge über Leistungen beim Hausbau gilt eine Fünfjahresfrist.

Hübner hat eine Aufdach-Solaranlage wie in dem Urteil. Ob die Frist bei Indach-Anlagen fünf Jahre läuft, weil es sich um einen Gebäudebestandteil handelt (anstelle der Schindeln bedeckt die Solaranlage das Dach) ist nicht geklärt.

Der nächste Ärger kündigt sich schon an: Alle anderen 23 Module auf Hübners Dach verfärben sich bereits.

Tipp: Wenn Sie Schäden feststellen, dokumentieren Sie diese gut, zum Beispiel durch Fotos. Nach dem ersten halben Jahr sind Sie beweispflichtig. Eine Fotovoltaikversicherung käme nach Ablauf der Gewährleistungs- und Garantiefrist für Schäden auf (siehe „Gut versichert für die wichtigsten Pannen“).

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