Solar­anlage Test

Für Solar­strom­anlagen, die seit dem 1. Juli ans Netz gehen, gibt es weniger Geld. Doch die Investition bleibt hoch­rentabel.

Seit Februar ist Joachim Zipp Eigen­tümer eines Kraft­werks. Auf dem Dach seines Einfamilien­hauses wandeln 28 So­larmodule Sonnen­energie in elektrischen Strom um. Mehr als 4 600 Kilowatt­stunden (kWh) Strom wird die Anlage im Jahres­durch­schnitt erzeugen. Das ist fast so viel wie die fünf­köpfige Familie verbraucht. Den Strom verkauft Zipp für 39,14 Cent pro kWh an die Stadt­werke im nieder­sächsischen Wolfenbüttel. Als Netz­betreiber sind die Stadt­werke gesetzlich verpflichtet, ihm den einge­speisten Strom zu diesem Preis bis Ende des Jahres 2031 abzu­nehmen.

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Familie Zipp

Die staatliche Preis­garantie macht die Solar­anlage zu einer sicheren und rent­ablen Geld­anlage. 13 000 Euro hat Zipp für die Anlage ausgegeben. Das Geld hat er spätestens nach acht Jahren durch die Strom­vergütung wieder herein­geholt. In den rund 13 Jahren danach wird er nach Abzug von Betriebs­kosten rund 21 000 Euro Gewinn machen. Besser hätte Zipp sein Geld nirgends anlegen können: Die jähr­liche Rendite aus seiner Investition beträgt vor Steuern mehr als 10 Prozent für fast 21 Jahre. Danach wird die Anlage voraus­sicht­lich noch ein paar Jahre weiter Strom liefern.

Strom­vergütung sinkt

So viel Geld wie Joachim Zipp werden Haus­eigentümer künftig nicht mehr für ihren Solar­strom bekommen. Für Anlagen, die von Juli bis September 2010 in Betrieb gehen, sinkt die Einspeise­vergütung um 13 Prozent. Für ab Oktober installierte Anlagen sinkt sie um weitere 3 Prozent. Das hat der Bundes­tag mit Wirkung zum 1. Juli beschlossen.

Statt 39,14 Cent gibt es nun nur noch 34,05 Cent und ab Oktober 33,03 Cent pro kWh. Die Vergütung ist wie bisher im ersten Betriebs­jahr und den 20 Folge­jahren garan­tiert. Für Anlagen, die ab 2011 ans Netz gehen, soll die Vergütung noch einmal um 9 bis 13 Prozent sinken (siehe Tabelle). Den genauen Wert legt die Bundes­netz­agentur erst Ende Oktober fest.

Rendite bleibt hoch

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Joachim Zipp liest am Display des Wechsel­richters die aktuelle Leistung seiner Solar­strom­anlage ab.

Das Kraft­werk auf dem Dach bleibt aber eine erst­klassige Kapital­anlage. Unsere Berechnungen zeigen: Renditen von 5 bis 9 Prozent sind auch für Anlagen drin, die im zweiten Halb­jahr 2010 installiert werden. Voraus­setzung ist eine geeignete Dach­fläche, die möglichst nach Süden ausgerichtet ist und nicht durch Bäume oder Nach­bargebäude verschattet wird. Stimmt die Ausrichtung, können Eigentümer je nach Stand­ort 750 bis 1  000 kWh Solar­strom pro Kilowatt (kW) Anlagen­leistung ernten. Im Schnitt rechnet die Bundes­regierung mit einer Strom­ausbeute von 900 kWh pro kW.

In sonnenreichen Gegenden Deutsch­lands können Haus­eigentümer sogar zwei­stel­lige Solarrenditen einfahren. Doch selbst durch­schnitt­liche Strom­erträge reichen locker aus, um eine Anlage auch in Zukunft rentabel zu betreiben. Denn nicht nur die Vergütungs­sätze, auch die Preise für Solar­strom­anlagen sind drastisch gesunken. Nach Angaben des Bundes­verbands Solar­wirt­schaft mussten Anleger für eine Komplett­anlage im Früh­jahr 2010 nur noch rund 2 900 Euro pro kW Leistung ausgeben. Das waren fast 30 Prozent weniger als noch zu Beginn des Jahres 2009.

Nach einer Erhebung des Fachmagazins Photon kosteten typische Klein­anlagen für Ein- und Zweifamilienhäuser im April sogar weniger als 2 800 Euro. Die Preise sind ohne Umsatz­steuer angegeben, da sich der Käufer diese Steuern sofort vom Finanz­amt zurück­holen kann (siehe Steuern für Solarstrom). In den vergangenen Monaten wurde der Preis­rutsch gebremst, weil die Kürzungs­pläne der Bundes­regierung einen Nach­frageboom ausgelöst hatten. Viele Haus­eigentümer wollten sich vor dem Stichtag 1. Juli die alte Vergütung sichern. Jetzt ist mit weiter fallenden Preisen zu rechnen.

Renditeplus durch Eigen­verbrauch

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Besonders lohnend wird es künftig sein, möglichst viel des produzierten Solar­stroms selbst zu verbrauchen. Für Anlagen, die ab 1. Juli 2010 in Betrieb gehen, gibt es erst­mals eine gestaffelte Vergütung: Bis zu einem Eigen­verbrauchs­anteil von 30 Prozent am produzierten Strom erhält der Eigentümer 17,67 Cent pro kWh. Für jede kWh, die er darüber hinaus verbraucht, muss ihm der Netz­betreiber sogar 22,05 Cent pro kWh zahlen. Dazu kommt die Strom­kosten­ersparnis von derzeit rund 20 Cent pro kWh. So bringt jede selbst­verbrauchte Kilowatt­stunde dem Eigentümer nun rund 3 Cent mehr, als wenn er den Strom ins öffent­liche Netz einge­speist hätte. Ab einem Eigen­verbrauch von 30 Prozent beträgt der Bonus sogar 8 Cent. Mit jeder Strom­preis­erhöhung steigt der Vorteil. Ein hoher Eigen­verbrauchs­anteil am erzeugten Sonnen­strom kann die Rendite einer Anlage aufpeppen (siehe Grafik und Tabelle).

In den Sommermonaten erzeugt die Anlage allerdings viel mehr Strom, als der Betreiber benötigt. Im Durch­schnitt können die meisten Haus­eigentümer nur etwa 25 bis 40 Prozent des Solar­stroms selbst nutzen. Der Eigen­verbrauch lässt sich aber steigern, indem der Eigentümer zum Beispiel die Wasch­maschine oder den Geschirr­spüler vorzugs­weise tags­über und bei Sonnen­schein einschaltet. Die Solarindustrie will zudem tech­nische Lösungen anbieten, die den Eigen­verbrauch des Sonnen­stroms erleichtern (siehe Technik).

Günstig finanzieren

Die Anlage müssen Haus­eigentümer nicht komplett aus eigenen Mitteln finanzieren. Banken vergeben derzeit spezielle Kredite für Solar­strom­anlagen, oft zu besonders güns­tigen Konditionen. Erste Adresse ist die staatliche KfW-Bank, deren Solar­strom­kredite bei vielen Banken und Sparkassen erhältlich sind. Die Konditionen hängen aber davon ab, wie die Bank die Kreditwürdig­keit des Kunden und den Wert der Anlage einschätzt. Je nach Einstufung in eine von neun Risikoklassen liegt der Effektivzins für einen Fest­zins­kredit mit zehn Jahren Lauf­zeit bei der KfW zwischen sehr güns­tigen 2,90 und teuren 7,54 Prozent (Stand: 5. Juli 2010).

Mitunter ist ein normaler Bank­kredit güns­tiger. Finanztest hat bei 60 Kredit­instituten nach einem 10 000-Euro-Kredit mit zehn Jahren Lauf­zeit gefragt, den der Kunde bekommt, ohne sein Haus mit einer Grund­schuld zu belasten. Passende Angebote schickten nur elf Banken, doch darunter waren gleich sieben Kredite zu einem Effektivzins unter 5 Prozent (siehe Tabelle). Als Sicherheit reichen den Banken meist die Einnahmen aus der Strom­vergütung. Einige verlangen auch, dass der Kreditnehmer sein Gehalt an die Bank abtritt – natürlich nur für den Fall, dass er die Raten nicht zahlt.

Auf Betriebs­kosten achten

Solar­strom­anlagen gelten als robust und wartungs­arm. Dennoch sollten Anla­gebetreiber mit jähr­lichen Betriebs­kosten von 1,0 bis 1,5 Prozent des Anschaffungs­preises rechnen. Zu den Betriebs­kosten zählen Ausgaben für Wartung, Miete für den Stromzähler, Reparaturen sowie Rück­lagen für einen neuen Wechsel­richter oder andere Ersatz­teile. Dazu kommen Versicherungs­beiträge. Käufer einer Solar­anlage sollten eine geeignete Haft­pflicht­versicherung haben und eine Fotovoltaik­versicherung abschließen. Die Haft­pflicht­versicherung kommt für Schäden durch den Betrieb der Anlage auf, etwa wenn Bauteile vom Dach fallen und jemanden verletzen. In der Regel reicht eine private Haft­pflicht­versicherung. Denn die meisten neueren Tarife schließen eine Anlage auf dem eigenen Dach in den Versicherungs­schutz ein (siehe Artikel Haftpflichtversicherungen aus Finanztest 4/10). Deckt ihre Police dieses Risiko nicht ab, sollten Eigentümer den Tarif wechseln.

Die Fotovoltaik­versicherung versichert die Anlage selbst. Feuer-, Sturm- und Hagelschäden deckt zwar gegen Beitrags­aufschlag meist auch die Gebäude­versicherung. Sie kommt aber nicht für Schäden durch Diebstahl, Vandalismus, Material­fehler oder einen Einnahme­ausfall auf. Joachim Zipp hat sich deshalb für den Rund­umschutz entschieden und eine Fotovoltaik­versicherung abge­schlossen. Den Jahres­beitrag von 96 Euro holt er an ein paar schönen Sommer­tagen wieder herein.

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