Solar Millennium Meldung

Vor drei Monaten hat die Solar Millennium AG aus Erlangen Insolvenz angemeldet. Jetzt hat das Amtsgericht Fürth das Insolvenzverfahren eröffnet. Zum Insolvenzverwalter wurde Rechtsanwalt Volker Böhm bestellt. Böhm sucht weiter nach Investoren für das Unternehmen.

Investorensuche geht weiter

Der Nürnberger Rechtsanwalt Volker Böhm war bereits im vergangenen Dezember zum vorläufigen Insolvenzverwalter der Solar Millenium AG bestellt worden. Nun übernimmt er mit der Insolvenzeröffnung die Verwaltungs- und Verfügungsbefugnis von den bisherigen Unternehmensorganen. Die Suche nach Investoren für das Unternehmen wird fortgesetzt.

Mitarbeitern wurde gekündigt

Chancen auf eine Übernahme sieht Böhm noch für die Tochtergesellschaft Flagsol GmbH in Köln sowie für einige spanische Kraftwerksprojekte, insbesondere das Projekt Arenales. Die Aussichten für eine erfolgreiche Übernahme der Solar Millennium AG als Ganzes seien dagegen höchst ungewiss. Vor diesem Hintergrund sei den verbliebenen rund 40 Mitarbeiter des Unternehmens gekündigt worden.

Anleger müssen Forderungen anmelden

Von der Insolvenz betroffene Anleger erhalten in diesen Tagen Post vom Insolvenzverwalter. Darin wird ihnen mitgeteilt, dass sie ihre Forderungen bis zum 20. März 2012 beim Insolvenzverwalter anmelden müssen. Namentlich bekannte Gläubiger erhalten vom Insolvenzverwalter die dafür notwendigen Unterlagen. Gläubiger, die nicht namentlich bekannt sind, erhalten die nötigen Informationen unter www.schubra.de. Die erste Gläubigerversammlung für die rund 16 000 Anleihe-Gläubiger findet am 15. Mai 2012 statt. Eine Einladung erfolgt in Kürze und wird ebenfalls mit Tagesordnung auf der Internetseite des Insolvenzverwalters veröffentlicht.

Berichtstermin am 4. Juni 2012

Der erste Berichtstermin sowie der Termin über die eventuelle Wahl eines neuen Insolvenzverwalters ist für den 4. Juni um 10 Uhr im Amtsgericht Fürth angesetzt. Bei diesem Termin werden die Ansprüche der Gläubiger festgestellt und es wird zum Beispiel entschieden, ob

  • der Gläubigerausschuss beibehalten wird,
  • ob Geld aus der Insolvenzmasse angelegt wird,
  • ob der Verkauf des Unternehmens in Einzelteilen oder im Ganzen genehmigt wird,
  • ob Rechtsstreitigkeiten geführt werden oder
  • ob ein Insolvenzplan erstellt wird.

Gläubiger, deren Forderung festgestellt werden, bekommen keine gesonderte Nachricht. Alle Beteiligten erhalten anschließend die Gelegenheit, den Forderungsanmeldungen bis zum 14. August 2012 beim Insolvenzgericht zu widersprechen.

Amtsgericht hat Gläubigerausschuss bestellt

Das Amtsgericht Fürth hat inzwischen einen vorläufigen Gläubigerausschuss bestellt, in dem mit Klaus Nieding von der Deutschen Schutzvereinigung für Wertpapierbesitz (DSW) auch ein Repräsentant jener Anleger sitzt, die Schuldverschreibungen gezeichnet haben. Da bei der Gläubigerversammlung auch Beschlüsse gefasst werden können, sollten Anleger entweder selbst teilnehmen oder einem Vertreter ihr Stimmrecht übertragen.

Insolvenzverwalter prüft Haftung von Verantwortlichen

Unterdessen prüft Insolvenzverwalter Böhm, ob eventuell Haftungsansprüche gegen Verantwortliche der Sollar Millennium bestehen. Dabei geht es um Investitionen von rund 80 Millionen Euro, die die Solar Millennium AG in den USA getätigt hat. Hier prüft Böhm im Interesse der Gläubiger, ob Schadenersatzansprüche bestehen und durchgesetzt werden können. Im Fall der Solar Millennium AG mit ihrem komplizierten Geflecht aus Tochtergesellschaften und Beteiligungen wird dies jedoch einige Zeit in Anspruch nehmen.

Wie werden Aktionäre entschädigt?

Die 14 000 Aktionäre der Solar Millennium AG müssen wohl einen Totalverlust hinnehmen. Als Gesellschafter der AG stehen sie im Insolvenzverfahren an letzter Stelle. Sie erhalten also nur Geld, wenn die Ansprüche aller anderen Gläubiger vollständig befriedigt sind. Für alternative Lösungen wie ein Insolvenzplanverfahren gibt es zurzeit nach Auskunft des Verwalters keine Ansatzpunkte.

Wie werden Anleihegläubiger entschädigt?

Die 16 000 Anleger, die Inhaber-Teilschuldverschreibungen gezeichnet haben, mit denen das Unternehmen seine Projekte finanziert hat, werden von ihrem Geld wohl nicht viel wiedersehen. Ob sie Geld zurück bekommen hängt davon ab, wie viel Vermögen die Gesellschaft am Ende des Insolvenzverfahrens noch hat. In der Vergangenheit war die Quote bei solchen Verfahren meist sehr gering.

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