Solar Millennium Meldung

Der Insolvenzverwalter des insolventen Solarkraftwerksentwickler Solar Millennium AG will den Geschäftsbetrieb aufrecht erhalten, um Investoren zu finden. Etwa 16 000 Anleger des Unternehmens, die ihr Geld in Inhaber-Teilschuldverschreibungen investiert haben, werden davon wohl nicht viel wiedersehen. Anleger von geschlossenen Fonds sollen ihr Geld zum größten Teil zurück erhalten.

Insolvenzverwalter will Unternehmen fortführen

Der zum vorläufigen Insolvenzverwalter bestellte Rechtsanwalt Volker Böhm vom Nürnberger Büro der Insolvenzverwaltungskanzlei Schultze & Braun will jetzt Investoren suchen, die die Projektgesellschaften als Paket oder einzeln an einen oder mehrere Investoren verkaufen. Solar Millennium unterhält weltweit 60 Projektgesellschaften und Beteiligungen an Unternehmen, darunter in Deutschland, den USA und Spanien. Die meisten Projekte befinden sich noch in Entwicklungsstadien.

Schlechte Aussichten für Anleihekäufer

16 000 Anleger, die Inhaber-Teilschuldverschreibungen gezeichnet haben, mit denen das Unternehmen seine Projekte finanziert hat, werden ihr Geld wohl verlieren. Sie haben Anlegergeld in Höhe von 227 Millionen Euro über solche Anleihen direkt in die Solar Millennium AG investiert und wurden damit zu Mitinhabern. Ob Inhaber von Teilschuldverschreibungen Geld wiederbekommen, hängt davon ab, wie viel Vermögen die Gesellschaft am Ende des Insolvenzverfahrens noch hat. In der Vergangenheit war die Quote bei solchen Verfahren meist sehr gering.

Geschlossene Fonds von Insolvenz nicht betroffen

Anleger, die sich an langfristigen von der Solar Millennium AG aufgelegten Fonds beteiligt haben, bekommen wohl einen Teil ihres Geldes zurück. Nach Auskunft von Böhm handelt es bei der „Andasol Fonds GmbH & Co. KG“ und der „Ibersol Fonds GmbH 6 Co. KG“ um rechtlich selbstständige Gesellschaften, die keine Insolvenz angemeldet haben. Die über 4 000 Fondsanleger seien deshalb Kommanditisten der jeweiligen Gesellschaft und nicht Gläubiger der Solar Millennium AG, sagte Böhm.

Ibersol-Fonds-Gelder liegen auf Treuhandkonto

Rund 6,6 Millionen Euro, die Anleger in das Solarkraftwerk Ibersol in Spanien investieren wollten, liegen auf einem Treuhandkonto. Wie berichtet, hatte Solar Millennium das Beteiligungsangebot vorzeitig beendet, weil es nicht finanziert werden konnte. Das bereits von Anlegern eingezahlte Geld liegt seither auf einem Treuhandkonto der Fondsgesellschaft und wird wohl abzüglich des Agios in Höhe von 5 Prozent der Anlagesumme an Anleger zurück bezahlt werden. Wann das der Fall sein wird, ist unbekannt. Anleger sollen darüber gesondert unterrichtet werden.

Aktionäre verlieren Geld

Die rund 14 000 Aktionäre der Solar Millennium werden ihr Geld wohl gänzlich verlieren. Als Gesellschafter der AG stehen sie im Insolvenzverfahren an letzter Stelle. Sie erhalten also nur Geld, wenn die Ansprüche aller Gläubiger zu 100 Prozent befriedigt sind.

Verwalter prüft Schadenersatzansprüche

Insolvenzverwalter Böhm will auch Schadenersatzansprüche gegen Verantwortliche der Solar Millennium AG prüfen. Dabei steht der Verdacht des Betrugs im Raum, der aber bislang nicht bestätigt werden konnte.

Was können Anleger tun?

Betroffene Anleger müssen erstmal gar nichts tun. Sobald der Verwalter das eigentliche Insolvenzverfahren eröffnet, müssen sie ihre Ansprüche anmelden. Das soll nach Auskunft von Böhm voraussichtlich im März 2012 geschehen. Danach haben Anleger einige Wochen Zeit, um ihre Ansprüche bei der Insolvenzverwaltung anzumelden. Wichtige Fragen zum Verfahren beantwortet die Insolvenzverwaltung auf ihrer Homepage.

Finanztest hatte gewarnt

Finanztest hatte vor den hohen Risiken von Schuldverschreibungen zur Finanzierung von Projekten von Solar Millennium gewarnt. Den Kauf von Einzelaktien und Anleihen deutscher Solarfirmen hat Finanztest bereits im Februar 2010 als sehr risikoreich eingeschätzt. Sowohl vor Beteiligungen an den Andasol Fonds Grüne Geldanlage: Öko kommt oft teuer als auch an dem Fonds Ibersol Grüne Geldanlage: Grüne Versprechen hatte Finanztest ebenso gewarnt. Bei Andasol hatte Finanztest die komplizierte und undurchsichtige Konstruktion der Beteiligung sowie die Kosten kritisiert. Anleger beteiligten sich nämlich nicht direkt am Kraftwerk, sondern investierten ihr Geld über eine Fondsgesellschaft mittels eines Genussrechtes in eine Kraftwerks GmbH. Vor einer Beteiligung am Ibersol Fonds der Solar Millennium hatte Finanztest unter anderem gewarnt, weil die Gesellschaft Anfangskosten von über 30 Prozent der Anlagesumme kassierte.

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