Sojadrinks im Test: Siebenmal gut, fünf­mal zu viel Schad­stoffe oder Keime

Sojadrinks im Test - Siebenmal gut, fünf­mal zu viel Schad­stoffe oder Keime

Erinnert an Milch, ist aber keine. Sojadrinks sind meist dunkler und schme­cken typisch nach Sojabohne.

Sie sind die Nummer eins der Milchalternativen und gelten als gesund. Doch jeder dritte Sojadrink im Test ist mangelhaft. Das liegt an Nickel, Chlorat und einem Keim.

Pflanzlich, reich an hoch­wertigem Eiweiß, cholesterinfrei – diesen Eigenschaften verdankt Soja seinen guten Ruf. Wer sich gesund ernährt und Abwechs­lung schätzt, greift auch zu Soja­lebens­mitteln. Drinks auf Sojabasis machen laut dem Markt­forschungs­institut Nielsen etwa 40 Prozent aller verkauften Milchalternativen aus. Der Markt boomt: Der Gesamt­umsatz stieg 2017 um rund 19 Prozent.

Im Test schneidet knapp jeder zweite Sojadrink gut ab. Doch das Super-Image der Bohne ist angekratzt. Für 5 der 15 Drinks heißt es: Mangelhaft. Gründe sind Schad­stoffe und ein Keim. Wir wählten verkaufs­starke Sojadrinks der Geschmacks­richtung Natur – mit und ohne Kalzium­anreicherung: Marken wie Alpro, Handels- und Drogeriemarken, ein Getränk aus einem Asiamarkt. Und wir fragten alle Anbieter, woher sie die Sojabohnen beziehen (Wo die Sojabohnen herkommen).

Testsieger ist der Bio Soja Drink von Berief, einem Hersteller aus Beckum in Nord­rhein-West­falen, der sich auf pflanzliche Lebens­mittel spezialisiert hat. Markt­führer Alpro aus Belgien bietet drei gute Produkte an: zwei Alpro-Drinks und die Marke Provamel. Er ist ebenso Hersteller des guten Soja­getränks von Lidl (Testergebnisse Sojadrinks).

Unser Rat

Testsieger ist der Bio Soja Drink von Berief für 1,29 Euro pro Liter. Er wird ohne Kalzium­zusatz angeboten – so wie der ebenfalls gute Drink Provamel Soya (1,99 Euro), eine Marke von Alpro. Markt­führer Alpro über­zeugt auch mit guten kalziumangereicherten Produkten, darunter Alpro Soya Light für 1,89 Euro. Den güns­tigsten guten Sojadrink im Test bietet Discounter Lidl (95 Cent) an.

dm-Sojadrink vom Markt genommen

Mangelhaft heißt es für den Sojadrink von dm: Er entpuppte sich als ungenieß­bar. Ursache war der Keim Cellulosimicrobium cellulans. Er gilt als sehr stoff­wechsel­aktiv und kann Nähr­stoffe zu neuen Verbindungen umbauen – bei sensiblem Darm könnten diese zu Unwohl­sein führen. Vom Verzehr raten wir ab. Wir informierten dm während der Test­phase über den Fund. Der Anbieter nahm die Charge im April aus dem Verkauf (siehe unsere Meldung Sojadrink von dm im Test).

Chlorat im Drink aus dem Asiamarkt

Auch Chlorat war ein Problem. Wir fanden es in gesundheitlich bedenk­licher Menge in der Drinho Soya Bean Milk aus dem Asiamarkt. Ursache könnte gechlortes Wasser sein, das zum Desinfizieren in der Verarbeitung zum Einsatz kam. Drinho enttäuscht auch im Rück­verfolg­barkeitscheck: Nur bei ihm blieb die Herkunft der Bohnen unklar.

Etliche Bio-Drinks mit Nickel belastet

Sechs der Sojadrinks waren stark bis sehr stark mit Nickel belastet. Alle tragen ein Biosiegel. In drei wiesen wir hohe Gehalte nach, wie sie uns in Lebens­mittel­tests bisher nicht begegnet sind. Nickel lässt sich nicht einfach aus dem Verkehr ziehen. Die Soja­pflanze nimmt das Schwer­metall aus dem Boden auf und speichert es. Auch über Produktions­prozesse und Luft­verschmut­zung kann es in Lebens­mittel gelangen.

Soja­erzeug­nisse enthalten mehr Nickel als andere Produkt­gruppen, belegen Zahlen des Bundes­amts für Verbraucher­schutz und Lebens­mittel­sicherheit. Sojaflo­cken, -grieß und -mehl sind stärker belastet als unver­arbeitete Bohnen und Tofu. Versuche mit Mäusen zeigten: Hoher Nickel­verzehr schadet der Fort­pflan­zungs­fähig­keit.

Bereits ein Glas liefert zu viel Nickel

Die höchsten Nickel­gehalte fanden wir in den Bio-Drinks von Aldi Süd, Edeka und Natumi. Trinkt etwa ein 60 Kilo schwerer Erwachsener davon einen Viertelliter, nimmt er mehr Nickel auf, als pro Tag für ihn ein Leben lang gut wäre: Er über­schreitet die tolerier­bare tägliche Aufnahme­menge von 2,8 Mikrogramm Nickel pro Kilo Körpergewicht. Diesen Wert hat die Europäische Behörde für Lebens­mittel­sicherheit berechnet. Mehr als die Hälfte davon schöpft er mit den Drinks von Allos, Alnatura und Netto Marken-Discount aus. Die Hersteller sollten die Nickel­gehalte besser über­wachen.

Das bedeuten die Funde für Allergiker

„Die orale Nickel­aufnahme mit der Nahrung kann bei hoch Sensibilisierten zu einem Ekzem führen“, sagt Axel Schnuch vom Informations­verbund Dermatologischer Kliniken in Göttingen. „Da aber die wenigsten derart stark sensibilisiert sind, tritt das eher selten ein.“ Nickel­allergiker müssen sich seiner Meinung nach nicht in ihrer Ernährung einschränken.

Menschen, die auf Sojaeiweiß allergisch reagieren, sollten Soja­produkte jedoch grund­sätzlich meiden. Auch Birken­pollen­allergiker reagieren häufig auf Soja.

Für alle anderen Verbraucher sind 7 der 15 Sojadrinks im Test eine gute Wahl. Sie enthalten keine bedenk­lichen Mengen an Schad­stoffen, sind gut im Geschmack und liefern wert­volle Nähr­stoffe. Ein Glas Sojadrink liefert fast so viel Eiweiß wie Voll­milch (Vergleich purer Sojadrink und Milch siehe Grafik unten). Getränke auf Basis von Getreide oder Nüssen schaffen das nicht.

Vorteil für Sojadrink mit Kalzium

Sojadrinks im Test - Siebenmal gut, fünf­mal zu viel Schad­stoffe oder Keime

Mit einem Schuss Soja. Viele Cafés bieten Getränke mit Soja an. Eiskaffee mit „Sojamilch“ ist einen Versuch wert.

Wir bewerteten, ob 0,25 Liter Sojadrink eine geeignete Zwischenmahl­zeit für Kinder, Jugend­liche und Erwachsene sind: im Punkt ernährungs­physiologische Qualität. Da Soja von Natur aus kaum Kalzium mitbringt, schneiden die Drinks mit Kalzium­zusatz tendenziell besser ab. Ein Glas von ihnen deckt etwa ein Drittel des Tages­bedarfs an Kalzium eines Erwachsenen. Mit oder ohne Kalzium – mehrere Drinks gibt es in beiden Varianten. Wir wählten die aus, die unseren Recherchen nach häufiger im Laden zu finden ist. Vor allem für Veganer sind angereicherte Sojadrinks die bessere Wahl.

Tipp: Gentechnik und Co. In unseren FAQ Soja finden Sie Antworten zu noch mehr Fragen zu Soja.

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