Sojadrinks Test

Sie schmecken richtig angenehm und sehen aus wie Milch. Sojadrinks sind auch eine prima Alternative zur Kuhmilch, wenn sie Kalziumzusätze enthalten – und man auf Soja nicht allergisch reagiert.

Bis vor kurzem hatten nur wenige Deutsche Lust auf Sojagetränke. Jetzt greifen immer mehr zu diesen Drinks. Seit 2004 legt ihr Absatz jährlich um mehr als 50 Prozent zu. Sojadrinks aus Wasser und Sojabohnen sprechen Gesundheitsbewusste an und die wachsende Zahl derjenigen, die Milch nicht mögen oder nicht vertragen. Die Getränke fristen kein Nischendasein mehr in Reformhäusern und Bioläden, sondern stehen längst in Supermärkten und bei Discountern.

Die Sojadrinks sind für die fulminante Markteroberung gewappnet: Jedes der 16 Produkte im Test schmeckte – unaufdringlich bohnig und getreidig und meist leicht süß. Keines hatte Probleme mit Keimen, auch gentechnisch verändertes Soja spielte keine Rolle. Die Schadstoffbelastung war nur beim Sojadrink Soy & Joy erhöht: durch Kadmium.

Manchmal flocken sie im Kaffee aus

Sojadrinks sehen aus wie Milch und werden auch so beworben. Doch rechtlich darf nur Milch heißen, was aus dem Euter kommt. Dabei lässt sich mit dem Bohnensaft so viel machen wie mit Kuhmilch: kochen und aufschäumen, Pudding, Eis und Schlummertrünke zubereiten. Nur in Kaffee aus stark gerösteten Bohnen flocken Sojadrinks aus. Ein Schönheitsfehler, der in der westlichen Kaffeewelt auffällt.

Ein uraltes Rezept aus Asien

Seit Jahrtausenden schon kennen Asiaten Sojamilch, trinken sie traditionell zum Frühstück. An der Herstellung, die inzwischen technisiert abläuft, hat sich wenig geändert. Für einen Liter Sojamilch muss man zwei Hände voll Bohnen in Wasser einweichen und den Brei später vermahlen. Als nächsten Schritt filtriert man ihn, sodass ein trüb-weißlicher Extrakt austritt. Den kocht man dann auf bis zu 100 Grad Celsius auf. So werden die Trypsin-Inhibitoren unwirksam, die nur in rohen Sojabohnen vorkommen und die Eiweißverwertung einschränken können.

Früher verdarb solche Sojamilch rasch. Ihr Aroma war extrem bohnig und bitter. Diese Makel haben industriell produzierte Sojagetränke nicht mehr. Heute ist das Bohnige nur noch ansatzweise zu schmecken. Wer auch das nicht schätzt, kann zu gesüßten Produkten greifen, die zum Beispiel Vanille- oder Schokogeschmack haben. Manchen Drinks werden noch Vitamine zugesetzt, vielen Kalzium.

Sinnvolle Kalziumanreicherung

Von den 16 Sojagetränken im Test sind 9 mit knochenschützendem Kalzium angereichert. Bei den restlichen Produkten haben die Hersteller darauf verzichtet, um das Lebensmittel möglichst naturnah zu belassen. Dennoch ähnelt die Aufmachung auch dieser Produkte der von Milch. Ihr natürlicher Kalziumgehalt ist von dem der Milch aber weit entfernt.

Wir haben in diesem Test Pluspunkte für die ernährungsphysiologische Qualität der Sojagetränke vergeben, wenn der gemessene Kalziumgehalt etwa dem von Milch mit rund 120 Milligramm je 0,1 Liter entsprach. Denn vor dem Hintergrund, dass jeder zehnte Bundesbürger viel zu wenig Kalzium aufnimmt und so sein Osteoporoserisiko dramatisch erhöht, begrüßen wir die Kalziumanreicherung. Gerade Menschen, die an Kalziummangel leiden, wie Ältere und Frauen nach der Menopause, finden in den angereicherten Sojaprodukten eine zusätzliche Quelle dieses wichtigen Mineralstoffs. Umso besser, dass sich die Sojadrinks wie Milch in den Speiseplan einbinden lassen. Die Knochen mit Kalzium stärken können aber auch Jogurt, Käse, grünes Gemüse und Nüsse.

Wer sich aber bei der Suche nach kalziumreichen Lebensmitteln auf die Botschaft des Schneekoppe-Sojadrinks verlässt, kommt auf die falsche Fährte. Es stimmt einfach nicht, dass er so viel Kalzium wie Kuhmilch enthält. So steht es zwar auf seiner Verpackung, wir haben aber nur gut die Hälfte gemessen.

Meeresalge statt Kalziumkarbonat

Drei Viertel der getesteten Sojagetränke sind Bioware. Die EU-Öko-Verordnung stellt deren Hersteller vor die Wahl: Entweder sie verzichten ganz auf die Kalziumanreicherung oder sie nutzen dafür die pflanzliche Zutat kalziumreiche Meeresalge. Anders als für konventionelle Sojadrinks ist für Bioprodukte eine Mineralstoffanreicherung mit Kalziumkarbonat tabu. Es ist allenfalls als Zusatzstoff erlaubt, etwa für die Verdickung. Doch bei zwei Biodrinks im Test halten sich die Hersteller nicht an die Vorgabe und reichern mit Kalziumkarbonat an. Nur so kommen Berief Soja Fit und Bio Natur Soja auf Milchkalziumniveau.

Famos gesund: Eiweiß und Isoflavone

Auch ohne Kalzium sind Sojadrinks gesund. Das verdanken sie ihrem Rohstoff, den famosen Sojaböhnchen. Deren natürliche Zusammensetzung ist einzigartig und bietet Forschungsstoff für unzählige Studien. Das fängt an beim hochwertigen Eiweiß. Gehalte von knapp 40 Prozent haben Soja den Ruf als „pflanzliches Fleisch“ eingebracht. Die Qualität von Milch- und Fleischeiweiß erreicht Sojaeiweiß nicht ganz, ist dafür aber cholesterinfrei. Das wirkt sich günstig auf das Herz-Kreislauf-System aus, legt ein Teil der Studien nahe. In den USA dürfen Sojalebensmittel deshalb als „herzgesund“ beworben werden.

Die Sojabohne hat eine weitere Besonderheit: Isoflavone. Kein anderes Gemüse ist so reich mit diesen sekundären Pflanzenstoffen gesegnet. In der Natur helfen sie der Bohne, sich vor starkem UV-Licht und Pilzbefall zu schützen. Zufällig ähnelt die chemische Struktur der Isoflavone bestimmten menschlichen Hormonen, den Östrogenen. Dadurch wirken Isoflavone im Körper leicht hormonell.

Diese pflanzlichen Hormone sind geradezu sagenumwoben. Sie sollen schon viele Asiaten vor hormonell bedingtem Brust- oder Prostatakrebs bewahrt haben. Auch werden Frauen in Fernost offenbar weniger von den Wechseljahren geplagt; was ebenfalls am Sojakonsum liegen soll. Andererseits sind Isoflavone nicht unumstritten. So sollen sie in isolierter Form und hoher Dosierung auch gefährlich werden können (siehe Interview „Sojaprodukte“). Gebunden in Lebensmitteln aber gelten sie als unbedenklich. Wir haben die Isoflavone in den Sojadrinks gemessen: Sie sind so natürlich niedrig wie sie sein sollen, eine Überdosierung ist ausgeschlossen.

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