Gentechnik: Weit verbreitet

Sojadrinks Test

Rund 60 Prozent der weltweit geernteten Sojabohnen sind gentechnisch verändert. Wir haben im Test aber keine gentechnisch veränderten Organismen gefunden.

Was sind gentechnisch veränderte Organismen (GVO)?

Zu den gentechnisch veränderten Organismen zählen Pflanzen und auch Tiere, in deren Erbgut zusätzliche genetische Eigenschaften eingeschleust wurden. Gentechnisch veränderte Nutzpflanzen sind widerstandsfähig gegen bestimmte Schädlinge oder Unkrautvernichtungsmittel. Geschäfte mit GVO lohnen sich zurzeit nur mit Soja, Mais, Raps, Baumwolle. In naher Zukunft sollen auch gentechnisch veränderte Kartoffeln, Reis und Zuckerrüben auf die Weltmärkte.

Wo wachsen gentechnisch veränderte Nutzpflanzen?

Hauptanbauländer von gentechnisch veränderten Feldfrüchten sind die USA, Argentinien, Kanada, China. Dort trennt man GVO- und konventionelle Pflanzen bei der Ernte oft nicht. Gegen Aufpreis können aber gentechnikfreie Lieferungen nach Europa bestellt werden, wo man strenger ist: Auf EU-Äckern darf nur die Maissorte (Mon810) wachsen, die gegen die gefräßigen Maiszünglerlarven resistent ist. Ein Anbau ist interessant, wo diese Insekten wüten – etwa in Katalonien (Spanien) oder im Oderbruch (Brandenburg). Im Herbst 2006 haben Bauern in Deutschland das erste Mal Mon810 von knapp 1 000 Hektar geerntet, vorwiegend in Brandenburg. In diesem Jahr haben sie doppelt so viel Ackerfläche damit bestellt.

Wer profitiert von GVO?

Befürworter behaupten, dass Land­­wirte dank Gentechnik weniger Pestizide einsetzen müssten. Gegner halten dagegen, dass das nur die ersten Jahre betreffe. Danach steige der Bedarf. Der Verbraucher hat von Gentechnik keine direkten Vorteile. Sie macht Lebensmittel weder gesünder, leckerer noch billiger. Ob sie schadstoffärmer sind, ist nicht nachgewiesen.

Birgt gentechnisch verändertes Soja gesundheitliche Risiken?

Gesundheitliche Risiken durch gentechnisch verändertes Soja sind nicht bekannt. Lebensmittel aus GVO müssen ein langwieriges wissenschaftliches Zulassungsverfahren durchlaufen. Grundsätzlich lässt sich jedoch nicht ausschließen, dass zum Beispiel bei empfindlichen Menschen neue, gentechnikbedingte Proteine Allergien auslösen können.

Belasten GVO die Umwelt?

Was passieren könnte, wenn sich eine gentechnisch veränderte Pflanze in der Natur ausbreitet, ist weitgehend unbekannt. Das hängt von der Pflanzenart, dem übertragenen Merkmal und dem Ökosystem ab. Theoretisch könnte eine gentechnisch veränderte Pflanze andere Pflanzen verdrängen, neue Unkräuter und Schädlinge wären denkbar. Naturschützer sorgen sich um die Honigbienen, denen die gentechnisch eingebaute Resistenz im Mais schaden könnte.

Wie erkennen Verbraucher Produkte mit GVO?

Anders als in den USA darf in Deutschland gentechnisch behandeltes Obst und Gemüse nicht in die Supermärkte. Das ist eine Reaktion darauf, dass drei Viertel der Verbraucher solche Lebensmittel ablehnen. Enthalten Lebensmittel aber zugelassene Zutaten aus GVO-Rohstoffen, müssen sie bei einem Gehalt von mehr als 0,9 Prozent als „gentechnisch verändert“ deklariert werden.

Wie kommen deutsche Verbraucher sonst mit gentechnisch ­veränderten Organismen in Kontakt?

Längst bekommen viele Nutztiere Importfutter aus gentechnisch veränderten Sojabohnen oder Mais. Den Milch- und Fleischprodukten merkt man das nicht an. Genauso wenig Spuren hinterlassen gentechnisch veränderte Mikroorganismen, die Enzyme, Hilfs- und Zusatzstoffe für Medikamente und Lebensmittel produzieren. Für Bioprodukte ist Gentechnik nicht erlaubt, vor Verunreinigungen sind sie aber nicht sicher.

Was will das neue Gen­technikgesetz?

Die Bundesregierung plant ein neues Gentechnikgesetz. Unter anderem sieht es für Fleisch eine „Ohne-Gentechnik“-Kennzeichnung vor, wenn die Tiere gentechnikfrei gefüttert wurden. Und für Felder mit Genmais sollen Abstände von 150 Metern zum konventionellen Nachbarfeld gelten, zum Öko-Nachbarfeld 300 Meter. Kritiker bezeichnen den Gesetzentwurf jedoch als zu lasch.

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