Softskills Test

Je höher das Arbeitspensum ist, desto wichtiger wird Zeitmanagement. Mit guter Tages- und Wochen­planung behält man den Überblick.

Präsentationstechniken, Zeitmanagement und Stressbewältigung. Elf E-Learning-Produkte im Test.

Auf dem Schreibtisch stapeln sich Aktenberge, die private Autozeitschrift und ungeöffnete Post. Der Chef wartet seit vier Stunden auf den Bericht. Der Kollege drängt wegen der Fotoauswahl. Am Telefon sucht jemand die Abteilung XY. „Womit soll ich denn jetzt anfangen?“, jammert Peter Völkner hilflos. „Immer kommt etwas dazwischen!“

Peter Völkner existiert nur virtuell – als warnendes Beispiel dafür, wie man seinen (Berufs-)Alltag nicht verbringen sollte. Die Videosequenz in der Lernsoftware „Zeitmanagement“ von Gabal zeigt seine Fehler überdeutlich: Er plant seinen Tag nicht. Er macht alles selbst, statt zu delegieren. Er lässt sich ständig unterbrechen. „Zeitmanagement“ ist für Peter Völkner ein Fremdwort.

Fachkompetenz reicht oft nicht mehr

Doch genau Qualitäten wie diese setzen viele Chefs heute voraus, wenn angesichts harter Sparkurse und flacherer Hierarchien der Druck im Job zunimmt. Fachkompetenz allein reicht nicht mehr. Immer öfter sind „Softskills“, also Fähigkeiten wie Zeitmanagement, Stressbewältigung und Präsentationstechniken gefragt.

Wer sich diese aneignen will, kann auch auf elektronische Hilfe zurückgreifen. Wir wollten wissen, wie gut man Verhaltenstraining am PC lernen und sich so für den Alltag fit machen kann. Dafür haben unsere Experten und Nutzer elf Produkte getestet: acht Lernprogramme auf CD-Roms und drei Internet-gestützte, also Onlineprogramme. Der Test zeigt: Nur drei Produkte waren tatsächlich „gut“: „Moderieren & Präsentieren“ von ibis acam, „Die Kunst des Präsentierens“ von Nitor und „Zeitmanagement“ von Gabal. Sie vermitteln die wesentliche Theorie verständlich und mediengerecht, sind bedienerfreundlich und schaffen es, die Nutzer zu motivieren – eine wichtige Voraussetzung für das Lernen am PC. Mit einer besseren Produktinformation hätte auch „Neues Zeitmanagement“ von Skillsoft ein „Gut“ erzielt. Doch diese sagt zum Beispiel nichts über Lernstoff und Zielgruppe aus und wurde abgewertet. Auch wenn bei einem Lernprogramm das reine Pauken von Wissen nicht im Vordergrund steht, sind fachliche Inhalte gefragt. Denn nur wer weiß, was eine gute Präsentation ausmacht, wird sich und sein Thema auch gut darstellen können. Man sollte also erfahren, wie eine Präsentation konzipiert und vorbereitet wird, welche Medien geeignet sind, wie man auftritt und sich in schwierigen Situationen und Diskussions­­runden verhält. Diese Lerninhalte bieten allein die Testsieger ibis acam und Nitor. Bei Skillsoft „Effektives Präsentieren“ steht zum Beispiel nur der Schwerpunkt „persönliches Auftreten“ im Vordergrund. Deshalb gab es hier die Note „ausreichend“.

Fallbeispiele sind wichtig

Bei den Produkten zum Zeitmanagement bieten Skillsoft und Gabal die besten Lerninhalte. Anhand von Fallbeispielen lernt der Interessierte bei Gabal, dass Zielsetzung und Planung entscheidend sind und Papierkram, langwierige Besprechungen und unwichtige Post die Zeit stehlen. „Gute“ Lerninhalte zur Stressbewältigung bietet ebenfalls Gabal: Hier erfährt der Nutzer, dass positiver, vitalisierender Stress nicht schädlich ist, dass man aber Reize, die zu negativem Stress führen, beseitigen soll. Ist die Wohnung zu laut, sollte man umziehen. Hat man Probleme mit dem Chef, eventuell die Abteilung wechseln. Analyse und Vermeiden von Stress stehen hier im Vordergrund.

Obwohl gerade die Interaktivität – also das individuelle Eingehen auf den Nutzer – ein großer Vorteil gegenüber einem Buch sein könnte, lassen hier viele Produkte zu wünschen übrig: So boten zwar alle vier Programme zum Zeitmanagement einen Einstufungstest. Doch allein Skillsoft ging weiter: Durch den Vergleich seines Testergebnisses mit Beispielprofi­len erkennt der Nutzer, wo er den größten Nachholbedarf hat. Dieser ist dann in der Themenübersicht mit einem „!“ markiert. Auch dafür bekam Skillsoft ein „Gut“.

Teilweise wie aus dem Leben

Etwas enttäuscht waren unsere Nutzer – Studenten und Berufstätige – von den Übungsmöglichkeiten, die fast durchweg nur ein „Befriedigend“ erzielten („zu belehrend“, „nach 40 Minuten begann ich mich zu langweilen“, „zu simpel“). Einzig das oben erwähnte „Zeitmanagement“-Programm von Gabal, aus dem die zwar leicht übertriebene, aber lustig-reale Schreibtisch-Videosequenz mit Peter Völkner stammt, erzielte ein „Gut“ („Man fühlt sich richtig integriert und angesprochen“, „die Beispiele sind sehr lebendig“ und „teilweise wie aus dem Leben“, „Identifikation ist gut möglich“).

Onlineprogramme nicht von Vorteil

Unser Test zeigt auch: Online lernen bietet dem privaten Verbraucher keinen Vorteil gegenüber den CD-Roms. Es ist zwar meist billiger, doch nur kurze Zeit nutzbar – und das bei gar keiner oder schlechter Betreuung durch einen Tutor.

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