Interview: Verhaltensänderung per Mausklick

Softskills Test

Professor Wilfried Hendricks, Wissenschaftlicher Direktor des Berliner Instituts für Bildung in der Informationsgesellschaft.

Ein gutes Lernprogramm hilft beim Training sozialer Kompetenz.

test: Bei Softskills steht das Verhalten, also soziale und persönliche Kompetenzen, im Vordergrund. Inwieweit kann man das überhaupt am Computer trainieren?

Hendricks: Gute Software kann dies leisten. Dafür muss sie didaktisch gut gestaltet sein. Das heißt, die darge­stel­l­ten Personen, Verhal­tens­­weisen und Situationen müssen möglichst realitätsnah sein. Darüber hinaus muss das Programm dem Lerner verschie­dene Lösungen und Lernwege bieten. Und sie sollte ihn motivieren und Freude bereiten.

test: Was lässt sich besonders leicht, was schwer am PC trainieren?

Hendricks: Am besten lassen sich die Verhaltensänderungen trainieren, die man sich leicht durch Vormachen und Nachmachen angewöhnen kann, et­wa Präsentationstechniken. Schw­ie­ri­ger sind solche Verhaltensweisen zu ändern, die gewissermaßen Teil der Persönlichkeit geworden sind, also zum Beispiel Stressbewältigung oder Konfliktmanagement.

test: Was kann ein Lernprogramm auf keinen Fall?

Hendricks: Software kann Wirklichkeit nicht ersetzen. Sie bleibt Abbild oder Simulation von Wirklichkeit. Das Problem besteht darin, die vor dem Computer ge­wonnenen Er­kenntnisse in konkretes Handeln zu übersetzen. Ob der softwarege­stützte Erwerb von Verhal­tensweisen nachhaltig ist, erweist sich erst ­­in der konkreten Lebens­si­­­­tu­ation. Software kann aber für ein Problem sensibilisieren und das Üben ermöglichen.

test: Beim Lernen am PC fehlt meist ein leiblicher Ansprechpartner, anders als etwa in einem Kurs. Für wen eignet sich diese Lernform überhaupt?

Hendricks: Wer am Computer allein lernt – ohne virtuellen Tutor, Kollegen oder Lehrer –, der muss das Lernen selbst organisieren. Dafür muss er diszipliniert und motiviert sein, um sich beständig am Computer mit den Lernangeboten auseinander zu setzen. Dies ist aber immer erforderlich, wenn mit Medienunterstützung ge­lernt werden soll.

test: Worin liegt der Vorteil des PC-gestützten Lernens?

Hendricks: Das Lernen mithilfe von Software kann angenehmer sein. Etwa, wenn sie multimediale Möglichkeiten voll nutzt und verschiedene Medien sinnvoll kombiniert wie Text, Foto, Video, Animationen und Musik.

Dieser Artikel ist hilfreich. 1374 Nutzer finden das hilfreich.