Vor saftigen Gebühren beim Geldabheben im Ausland warnt die Stiftung Warentest seit Jahren. Der Trick heißt Sofortum­rechnung: Wer im Nicht-Euro­land in Fremdwährung bezahlen oder Geld abheben will, bekommt angeboten, dass der Betrag sofort in Euro umge­rechnet wird. Doch mit dem bei der Sofortum­rechnung angewandten Wechselkurs zahlt der Reisende drauf – bis zu knapp 14 Prozent vom Betrag.

Finanztest-Leser finden Umrechnungs­falle bei Paypal

Leser haben uns jetzt mitgeteilt, dass auch Paypal diesen Trick stan­dard­mäßig nutzt – nämlich dann, wenn Kauf­preise in Fremdwährung fällig werden und der Onlinekäufer die Bezahlung mit Paypal wählt. Wir haben zu Test­zwecken in einem britischen Textilshop ein Shirt für 27 Pfund bestellt und als Bezahlart Paypal ausgewählt. Nach der Weiterleitung auf die Paypal-Seite erscheint eine Über­sicht mit Käufer­namen, Versand­adresse und Kauf­betrag. Letzterer wird bei unserem Testkauf mit 31,61 Euro angegeben. Darunter findet sich der Wechselkurs und ein unscheinbarer Button mit der Aufschrift „Optionen für Währungs­umrechnung anzeigen“.

Höhe der Gebühr in den AGB versteckt

Erst wenn der Käufer diesen Button drückt, erscheint der Hinweis, dass der angegebene Wechselkurs auch eine Gebühr enthält – wie hoch diese ist, erfährt der Käufer aber erst, wenn er die Allgemeinen Geschäfts­bedingungen (AGB) durch­forstet.

Sofortum­rechnung bei jedem Einkauf abstellen

Für die laufende Bestellung kann der Käufer die Sofortum­rechnung erst hinter dem Button „Optionen für Währungs­umrechnung anzeigen“ abstellen und auf Landes­währung umstellen.

Tut er das, wird er noch einmal bedrängt: Nun würde der Kreditkarten­anbieter den Wechselkurs bestimmen und möglicher­weise weitere Gebühren verlangen. Der Käufer würde den Kauf­betrag erst auf seiner Abrechnung sehen. Wer standhaft bleibt und als Währung für den Einkauf die vom Händler angegebene Währung einge­stellt hat (in diesem Fall britische Pfund), erspart sich Zusatz­kosten in Höhe von 4 Prozent.

Sofortum­rechnung generell abstellen

Paypal hatte auf Nach­frage von Finanztest behauptet, dass es nicht möglich sei, die Sofortum­rechnung im Paypal-Konto generell abzu­stellen, weder für die Einkäufer mit Kreditkarte noch für die mit dem Bank­konto als Zahlungs­quelle. Uns ist es aber zumindest bei der Kreditkartenzahlung gelungen, nachdem uns ein Leser einen Link schickte, den er im Hilfe-Forum der Paypal-Community gefunden hat. Wir geben ihn an Sie weiter:

1. Klicken Sie auf diesen Link und loggen Sie sich bei Paypal ein. Dann kommen Sie auf die Seite, auf der ihre Zahlungs­quellen aufgezählt sind.

2. Bei Ihrer Kreditkarte klicken Sie auf „Umrechnungs­optionen“.

3. Auf der nächsten Seite wählen Sie die Option „Die Rechnung in der Währung ausstellen, die auf der Rechnung des Verkäufers angegeben ist“ und anschließend auf „Senden“. Fertig!

Künftig wird jeder Online­einkauf, den Sie mit Paypal per Kreditkarte bezahlen in der Landes­währung des Onlinehänd­lers abge­rechnet. Erst Ihre Heimatbank wird den Betrag umrechnen – zu einem in der Regel besseren Kurs als ihn Paypal anbietet.

Diese Meldung ist am 15.07.2019 erschienen und wurde am 11.12.2019 aktualisiert.

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