Sofortrente Test

Wer von seinem Vertrag finanziell profitieren will, muss so alt werden wie Königin Elizabeth II. (89), Jerry Lewis (89) oder Charles Aznavour (91).

Wir haben 32 Renten gegen Einmalbeitrag getestet. Sie laufen ein Leben lang. Die besten Tarife bieten Europa und HanseMerkur.

Sie kommen ganz gut ohne Zusatz­rente klar: Queen Elizabeth II, die amerikanische Komiker-Legende Jerry Lewis oder Charles Aznavour, französischer Chansonnier von Welt­ruhm. Eine gute Rendite hätten sie aus einer deutschen Sofortrente aber heraus­schlagen können. Zum einen, weil die Zins- und Steuer­konditionen für Renten­versicherungen früher deutlich besser waren. Vor allem aber, weil sie das Glück haben, sehr alt geworden zu sein.

Mit 90 Jahren im Plus

Bei einer Sofortrente – sie wird auch Rente gegen Einmalbeitrag genannt – zahlen Kunden oft zu Beginn des Ruhe­stands eine größere Summe an einen Versicherer und bekommen dafür umge­hend eine lebens­lange Rente. Gewinner ist, wer lange lebt.

Die drei Celebrity-Senioren sind um die 90 Jahre. Ein Alter, das 65-Jährige heute mindestens erreichen müssen, wollen sie sicher sein, dass der Versicherer ihnen insgesamt mehr an monatlicher Rente wieder auszahlen wird, als sie selbst einge­zahlt haben. Das gilt selbst beim Unternehmen Europa, das den besten Tarif in unserem Test von 32 Sofortrenten anbietet.

288 Euro mehr beim Testsieger

Zahlt ein Kunde zu Renten­beginn mit 65 Jahren 100 000 Euro ein, garan­tiert die Europa ihm dafür mindestens 338 Euro im Monat. Etwa 24 Jahre später, wenn er fast 90 Jahre ist, über­steigt die Rente seinen Einsatz.

Bei den drei Versicherern mit den nied­rigsten garan­tierten Renten – Saar­land, Bayern- Versicherung und Öffent­liche Berlin Brandenburg – müsste der Kunde noch zwei Jahre länger leben, bevor sein Vertrag ins Plus dreht. Denn hier bekommt er nur 314 Euro monatlich garan­tiert. Pro Jahr also 288 Euro weniger als bei der Europa.

Um fair zu bleiben: Dies sind die schlechtesten Szenarien. Sie zeigen nur die Zahlungen, mit denen die Kunden hundert­prozentig rechnen können, weil der Versicherer sie ihnen fest zusagt.

Über­schüsse oben­drauf

In den allermeisten Fällen wird es besser laufen. Denn Über­schüsse, die der Versicherer im Laufe der Zeit mit dem einge­zahlten Kapital hoffentlich erwirt­schaften kann, kommen auf die garan­tierte Mindest­rente oben­drauf.

Wunder darf man von diesen Über­schüssen aber nicht erwarten. Im derzeitigen nied­rigen Zins­umfeld haben die Versicherer wenig Spielraum für ihre klassischen Verträge. Denn hier müssen sie die Kundengelder sehr vorsichtig anlegen.

Rechnet man im Schnitt mit 2 Prozent Über­schüssen, wäre der Europa-Kunde schon nach 20 Jahren im Plus – mit 85 Jahren. Bei 1 Prozent Über­schüssen dauert es 22 Jahre. Dann ist er 87 Jahre alt.

Die durch­schnitt­liche Lebens­erwartung von heute 65-jährigen Männern liegt deutlich nied­riger: bei nur 82, 5 Jahren. Bei heute 65-jährigen Frauen liegt sie bei 86 Jahren. Für Menschen, die etwa aufgrund einer Erkrankung recht sicher sind, nicht besonders alt zu werden, ist eine Sofortrente deshalb nicht sinn­voll.

Versicherungs­schutz kostet

Für andere kann es zu kurz greifen, eine Sofortrente allein unter Rendite-Gesichts­punkten zu betrachten. Eine Sofortrente ist kein reines Investment, in ihr steckt ganz viel Versicherung. Und der Schutz kostet.

Bei Investment-Alternativen wie einem Bank- oder Fonds­auszahl­plan zahlen Anbieter das Kapital gleich­mäßig über einen bestimmten Zeitraum aus, bis nichts mehr übrig ist. Dann ist Schluss mit dem Geld­fluss.

Eine Renten­versicherung zahlt dagegen ein Leben lang – egal, wie alt man wird. Der Versicherungs­schutz liegt darin, dass die Einnahme­quelle auch im hohen Alter nicht versiegt. Wie andere Versicherungen, sollten Kunden eine Sofortrente nur dann abschließen, wenn sie sich damit gegen ein finanzielles Risiko absichern, dass sie anders nicht alleine stemmen können.

Wer keine ausreichenden anderen lebens­langen Einkommens­quellen hat und sicher sein will, dass er sich im hohen Alter nicht plötzlich einschränken muss, für den kommt eine Sofortrente in Betracht. Selbst dann, wenn es statistisch nicht über­mäßig wahr­scheinlich ist, dass ein heute 65-Jähriger rund 90 Jahre wird und er so garan­tiert eine positive Rendite einfährt.

Check: Passt die Sofortrente zu mir?

Interes­senten sollten genau abwägen, ob eine Sofortrente das richtige Produkt für sie ist. Die wichtigsten Kriterien sind, dass sie

  • sich fit und gesund fühlen,
  • ihren gewünschten Lebens­stan­dard im Alter noch nicht anderweitig ausreichend lebens­lang gesichert haben – etwa durch gesetzliche Rente plus Betriebs­rente oder Miet­einnahmen,
  • andere Möglich­keiten, sich eine lebens­lange Zahlung zu sichern, etwa durch Einmalzah­lungen an die deutsche Renten­versicherung oder in Rürup-Renten,ausgeschöpft haben oder diese nicht infrage kommen (Checkliste),
  • Wert darauf legen, notfalls an ihr Kapital zu kommen,
  • im Alter nicht selbst ihr Vermögen verwalten möchten.

Alternativ gesetzliche und Rürup-Rente

Eine private Sofortrente ist nicht die einzige Möglich­keit, sich gegen Einmalbeitrag eine lebens­lange Auszahlung zu sichern. Alternativen sind: Einmalzah­lungen in die gesetzliche Renten­versicherung und in die Rürup-Rente.

Genauso wie eine Sofortrente zahlen sie lebens­lang. Für bestimmte Personen­gruppen können sie die erste Wahl sein. Das haben wir fest­gestellt als wir eine Einmalzahlung in eine klassische Privatrente mit einer Einmalzahlung in eine klassische Rürup-Rente und in die gesetzliche Rentenkasse verglichen haben (Test Rente: Für wen sich freiwillige Zahlungen rechnen, test 7/2015).

Interes­sant sind Einmalzah­lungen in die Rürup-Rente besonders für gutverdienende Selbst­ständige; in die gesetzliche Rentenkasse für einige Eltern und Beamte.

Lohnend für Mütter und Väter

Eine Einmalzahlung an die Rentenkasse lohnt sich auf jeden Fall für Mütter und Väter, die vor 1955 geboren wurden und noch nicht auf fünf Jahre Mindest­versicherungs­zeit bei der gesetzlichen Rente kommen, um über­haupt einen Renten­anspruch zu haben. Sie sollten erst per Einmalbeitrag die fehlenden Beitrags­jahre ausgleichen, bevor sie ihr Geld komplett in eine private Sofortrente stecken.

Beispiel: Zahlt eine Mutter 2015 den Mindest­beitrag von rund 1 010 Euro für ein fehlendes Renten­jahr nach, bekommt sie im Westen dafür eine Rente von 121 Euro, im Osten 112 Euro.

Zahlt sie den Höchst­beitrag von 13 576 Euro ein, kann sie die Rente im Westen bis auf 176 Euro und im Osten auf 167 Euro steigern. Mehr ist aber nicht drin, weil sie für ein Jahr nicht mehr einzahlen darf.

Zeit wird knapp für Beamte

Auch Beamte können sich mit einer Einmalzahlung von bis zu knapp 68 000 Euro eine durch­aus attraktive Sofortrente von der gesetzlichen Renten­versicherung zahlen lassen. Allerdings haben sie dafür nur noch bis Ende dieses Jahres Zeit.

Voraus­setzung ist auch bei ihnen: Sie haben bisher noch nicht die fünf­jährige Mindest­versicherungs­zeit für die gesetzliche Rente zusammen. Weitere Bedingung ist, dass sie vor September 1950 geboren wurden. Also – viel Wenn-und-Aber und nur noch wenig Zeit, alles zu regeln.

Bei Rürup sorgt der Staat für Rendite

Eine weitere Alternative ist die Rürup-Rente. Sie ist besonders für Selbst­ständige interes­sant, die in keinem berufs­stän­dischen Versorgungs­werk abge­sichert sind und viel Steuern zahlen. Sie können am meisten von den Steuer­vergüns­tigungen der Rürup-Rente profitieren. Die Rendite kommt bei Rürup vor allem vom Staat.

2015 können Selbst­ständige ihre Einzahlungen bis zu 80 Prozent des Höchst­beitrags von 22 172 (Ehepaare: 44 344 Euro) als Sonder­ausgaben in ihrer Steuererklärung geltend machen. Das sind immerhin 17  738 Euro (Ehepaare: 35 475 Euro). Der absetz­bare Anteil steigt kontinuierlich. 2016 liegt er bei 82 Prozent.

Für eine auskömm­liche Rente ist eine Einmalzahlung in Höhe des Höchst­beitrags allerdings zu nied­rig. Bei unserem Test im Mai kam bei einer Einmalzahlung von 40 000 Euro eine monatlich garan­tierte Rente von 135 Euro heraus.

Rürup besser mit mehr Vorlauf

Wem das aber reicht oder wer noch einige Jahre warten kann, um über mehrere Jahre gestreckt mehr in den Vertrag einzahlen zu können, sollte eine Rürup-Rente durch­aus als Alternative ins Auge fassen.

Nichts ist die Rürup-Rente dagegen für Personen, die im Notfall auf ihr gesamtes übriges Kapital zugreifen wollen. Diese Option bieten die meisten Sofortrenten­tarife an, bei Rürup und der gesetzlichen Rente ist das nicht möglich.

Vor allem interes­sant für Frauen

Welche Zusatz­rente es nun auch ist – vor allem für Frauen dürften solche Produkte interes­sant sein. Sie haben oft deutlich nied­rigere gesetzliche oder betriebliche Renten­ansprüche und statistisch eine deutlich höhere Lebens­erwartung als Männer.

Doch Statistik ist die eine Sache, das wirk­liche Leben eine andere. Auf der Suche nach Prominenten um die 90 Jahre sind wir abge­sehen von Königin Elizabeth II. vor allem auf Männer gestoßen.

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