Ruhe­ständler können ihre Rentenlücke schließen, wenn sie eine größere Summe in eine Rente stecken. Doch gute Angebote sind rar. Die Stiftung Warentest hat den Markt für die „Rente gegen Einmalbetrag“ gesichtet.

Sport hält gesund und fit – auch im Alter. Und gesund sollte sein, wer sich kurz vor dem Ruhe­stand mit seinem Ersparten oder Ererbten eine Zusatz­rente sichern möchte. Für eine Sofortrente zahlt der Kunde eine größere Summe ein und bekommt dafür eine Rente. Er kauft sich mit dem Geld ein Stück Sicherheit und Bequemlich­keit: Die Rente fließt bis zum Lebens­ende.

In unserem Test garan­tiert die Hanno­versche mit 221 Euro im Monat die höchste Rente. Diese Leistung kennt unser 65-jähriger Modell­kunde schon bei Vertrags­beginn, damit kann er sicher planen.

Für die Rente hat er einen Einmalbeitrag von 60 000 Euro einge­zahlt. Erst nach gut 22 Jahren hat er zumindest seine Beiträge garan­tiert wieder heraus; 87 Jahre ist er dann alt. Die garan­tierte Rente kann durch Über­schüsse steigen. Dann hat der Kunde seinen Beitrag schon früher wieder heraus. Wir empfehlen die „voll­dynamische“ Über­schuss­variante. Mit ihr kann die Rente nur steigen, aber nie sinken.

Je besser der Versicherer mit den Beiträgen der Kunden wirt­schaftet und je mehr Erträge er ihnen gutschreibt, desto höher ist die Rente. Am besten ist es, wenn Versicherer dauer­haft gut anlegen.

Wir haben jedoch starke Schwankungen beim Anla­geerfolg fest­gestellt, etwa zwischen 2011 und 2012. Groß sind die Sprünge bei der Bayerischen mit Ertrags­unterschieden von 2,3 und der Mamax mit 1,6 Prozent­punkten. Aber auch Interrisk, Huk24 und Huk-Coburg legen 2012 kräftig zu.

Angesichts der derzeit nied­rigen Markt­zinsen kann ein kräftiger Gewinn­sprung in nur einem Jahr ein Indiz dafür sein, dass ein Versicherer Reserven versilbert, um eine wett­bewerbs­fähige Rente zahlen zu können.

Garan­tiezins ist gesunken

Sofortrente Test

Drei Alternativen fürs Ersparte

Eine Sofortrente, auch Rente gegen Einmalbeitrag genannt, ist eine Wette auf ein langes Leben. Wer nicht damit rechnet, sehr alt zu werden, sollte sein Geld lieber anders anlegen (siehe Grafik).

Ein langes Leben ihrer Kunden gilt den Versicherern als Risiko, sie sprechen von „Lang­lebig­keits­risiko“. Um sich abzu­sichern, kalkulieren die Gesell­schaften ihre Tarife sehr vorsichtig. Bei 65-jährigen Männern rechnen sie damit, dass ihre Kunden im Durch­schnitt noch rund 25 Jahre leben, bei 65-jährigen Frauen sind es sogar 29 Jahre.

Bis 2012 spiegelte sich die unterschiedliche Lebens­erwartung in den Angeboten wider: Frauen mussten für die gleiche Rente mehr Beitrag zahlen als Männer. Doch der Europäische Gerichts­hof beendete diese Ungleichbe­hand­lung. Jetzt gilt für Mann und Frau: Gleiche Rente für gleichen Beitrag. Ehepartner, die beide gesund sind und eine Sofortrente erwägen, sollten den Vertrag in der Regel auf den Namen der Frau abschließen. Sie hat statistisch gesehen eine längere Lebens­erwartung – also fließt die Rente länger. Außerdem haben Männer meist sowieso schon die bessere Alters­vorsorge, Frauen haben oft Nachholbedarf (siehe Finanztest 05/2013).

Kunden können den Beitrag für eine Sofortrente frei wählen: Je höher der Beitrag, desto mehr Rente gibt es. Im Vergleich zu unserem vorherigen Test aus dem Jahr 2010 sind die Angebote schlechter geworden. Denn der Garan­tiezins ist Anfang 2012 von 2,25 Prozent auf 1,75 Prozent gesunken.

Allerdings ist der Renten­verlust nicht gleich verteilt. Männer bekommen im Vergleich zu damals je nach Anbieter zwischen 6 Prozent und 16 Prozent weniger Rente garan­tiert, wenn sie jetzt abschließen. Bei den Frauen beträgt das Minus zwischen 3 Prozent und 10 Prozent. Der Unterschied zeigt: Mit den neuen Unisex-Tarifen mussten die Männer den Frauen etwas abgeben.

In unserem Test beträgt der Unterschied zwischen der höchsten und der nied­rigsten garan­tierten Rente für den Modell­kunden 18 Euro. Auf den ersten Blick erscheint das wenig. Doch wenn die Rente zum Beispiel 22 Jahre läuft, summiert sich dies bei der garan­tierten Rente auf rund 4 800 Euro.

Wie hoch die garan­tierte Rente ist, hängt in erster Linie von den Kosten ab. Versicherer mit hohen Kosten können keine hohe Rente garan­tieren. Am teuersten sind Axa und Axa DBV. Von den 60 000 Euro Beitrag gehen hier gut 4 162 Euro für einmalige Kosten ab. Außerdem ziehen beide 1,5 Prozent von der Rente ab. Ergo verlangt einmalige Kosten von knapp 3 900 Euro.

Ihre Tochter Ergo Direkt wollte uns die garan­tierte Rente für unseren Modell­kunden nicht ausrechnen und fiel deshalb aus der Bewertung.

Genau aufpassen bei Interrisk

Besonders groß ist der Unterschied zwischen den zwei Tarifen der Interrisk. Für den Direkt­tarif, den der Kunde auf telefo­nische und posta­lische Anfrage bekommt, zahlt er beim Abschluss einmalig knapp 300 Euro. Schließt er einen Vertrag über einen Vermittler, kostet dies gut 3 000 Euro mehr.

Der Kunde muss aufpassen: Die Namen beider Interrisk-Tarife unterscheiden sich nur durch einen Buch­staben (siehe zweite Spalte in der Tabelle).

Die Beispiele zeigen: Ein Vergleich der Angebote lohnt sich. Einige Anbieter allerdings machen Vergleiche schwer, musste Finanztest-Leser Hartmut Drews fest­stellen.

Drews ist im März mit 63 Jahren in Rente gegangen, seine Frau im Juli. Gesetzliche Rente und Betriebs­rente reichen ihnen zum Leben. „Doch wenn ich an unsere aktive Zeit denke, sehe ich jetzt eine Finanzlücke, die ich mit einer Sofortrente schließen will“, sagt der pensionierte Kauf­mann.

Vom Vermittler des Versicherers VPV bekam er ein Angebot. Ein zweites Angebot, von der Nürn­berger, bekam er über einen Makler. Allerdings stellte der ihm keine schriftlichen Unterlagen zur Verfügung. „Ich fühlte mich über­fordert, konnte beide Angebote nicht vergleichen“, sagt Drews. Deshalb hat er noch nicht abge­schlossen.

In unserem Test fehlen sowohl VPV als auch Nürn­berger. Die VPV bietet nach unseren Recherchen nur eine Renten­versicherung mit Fonds an. Die Nürn­berger wollte uns ihr Angebot nicht offenlegen. Doch Kunden wie Drews sind nicht auf sie angewiesen. Denn in unserem Test gibt es einige gute Angebote. Sehr gute Angebote fanden wir allerdings nicht.

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