Sodbrennen Special

Weihnachten bedeutet Schwerstarbeit für den Magen, und manchmal rebelliert er. Sodbrennen ist die Folge. Doch einige Tricks machen das Fest unbeschwerter.

Gänsebraten, Rotkohl, Klöße, dann Stollen, Plätzchen, Lebkuchen – Weihnachten ist ein Fest der Köstlichkeiten. Doch was den Gaumen kitzelt, ist ein gefundenes Fressen für Sodbrennen. Üppige Speisen stoßen dem Magen oft sauer auf.

Um mit dem Überangebot fertig zu werden, setzen die Zellen der Magenschleimhaut große Mengen von Säure frei, die sich mit dem Speisebrei vermengt. In der Folge entsteht im Magen ein hoher Druck, dem der Schließmuskel an dessen oberem Ende nicht immer standhält. Dann steigt das saure Gemisch in die Speiseröhre und strapaziert dort die empfindliche Schleimhaut. Das führt oft zu einem Druck und brennenden Schmerz hinter dem Brustbein und lässt viele Betroffene sauer aufstoßen. Etwa jeder dritte Deutsche leidet zumindest gelegentlich an Sodbrennen. Zu Weihnachten helfen dann einige Tricks.

Eine Frage des Essens

Viel hängt von der Art des Festessens ab. Manche Lebensmittel und Zubereitungen verursachen laut aid Verbraucherinformationsdienst sehr häufig Sodbrennen: scharf gewürzte, stark angebratene und frittierte Speisen sowie fettreiche und süße Inhaltsstoffe, insbe­sondere beide in Kombination.

Tipp: Es muss ja nicht immer Gans oder Ente sein. Als mageres Fleisch fürs Fest biete sich Wild, Pute oder gekochte Rinderbrust an, sagt Antje Gahl, Pressesprecherin der Deutschen Gesellschaft für Ernährung. „Statt Klößen, Pommes oder Kroketten empfehlen sich gekochte Kartoffeln oder Kartoffelpüree.“ Grundsätzlich gehöre als gefahrloser Magenfüller viel Gemüse oder Salat mit auf den Teller – aber besser nicht Gurkensalat, grüne Paprika, rohe Zwiebeln, Kohlgemüse, Hülsenfrüchte wie Linsen oder Bohnen. Laut aid können sie Magensäureattacken auslösen. „Achtung auch mit Knoblauch“, warnt Gahl und empfiehlt zum Würzen Kräutermischungen. Das spare zudem Salz und Pfeffer ein. Zum Nachtisch eigne sich ein Obstsalat, bei Magenempfindlichen besser ohne Zitrusfrüchte.

Eine Frage der Mäßigung

Es macht nicht unbedingt Spaß, doch das beste Mittel gegen Sodbrennen lautet: Mäßigung. Um sich schneller satt zu fühlen, hilft langsames Essen und gründliches Kauen. Auch Alkohol und Nikotin sind mit Vorsicht zu genießen. Sie wirken entspannend – auch auf den Magenschließmuskel. Und sie regen die Säureproduktion an. Dasselbe gilt bei manchen Leuten für Kaffee.

Tipp: Grundsätzlich ist es wichtig, viel zu trinken – die Deutsche Gesellschaft für Ernährung empfiehlt täglich rund 1,5 Liter. Das macht den Speisebrei besser verdaulich und verdünnt die Säure. Gut eignen sich (Mineral-)Wasser, stark verdünnte Saftschorlen oder Kräutertee wie Kamille, Malve oder Eibisch. Auch Kaugummikauen hilft, weil dabei Speichel entsteht. Milch scheint – anders als der Volksmund sagt – zu schaden, da sie die Säurebildung anregt.

Eine Frage der Bewegung

Sodbrennen macht sich besonders im Liegen bemerkbar. Ohne den Widerstand der Schwerkraft steigt die Magensäure leicht zu Kopfe. Am sichersten schläft es sich auf der linken Körperseite, mit einem erhöhten Kopfteil und relativ leerem Magen. Mindestens drei Stunden sollten zwischen Abendessen und Nachtruhe liegen. Statt eines Nickerchens nach dem Menü empfiehlt sich ein Weihnachtsspaziergang. Denn Bewegung fördert den Abtransport des Speisebreis aus der Gefahrenzone.

Tipp: Auch Abnehmen hilft Studien zufolge gegen Sodbrennen. Denn Übergewicht schwächt den Magenschließmuskel ebenfalls. Aber dieser Tipp passt wohl eher zu den Neujahrsvorsätzen.

Auch eine Frage der Medikamente

Wem diese Maßnahmen nicht reichen, der kann sich auch mit Medikamenten über die Weihnachtszeit helfen. Zum kurzfristigen Einsatz geeignet sind Antazida, H2-Blocker und Protonenpumpenhemmer . Antazida enthalten Aluminium und/oder Magnesium, binden oder neutralisieren überschüssige Magensäure und sind alle ohne Rezept erhältlich. Die Wirkung tritt nach 20 bis 30 Minuten ein, hält aber nur bis zu etwa drei Stunden an. Länger wirken H2-Blocker. Sie legen Bindungsstellen für den Botenstoff Histamin in der Magenschleimhaut lahm und verhindern so die Bildung neuer Säure. Auch Protonenpumpenhemmer drosseln die Säureproduktion, indem sie ein Enzym in der Magenschleimhaut hemmen. Sie wirken länger und stärker als Antazida und H2-Blocker und dienen vor allem zur ärztlichen Therapie von Speiseröhrenentzündungen und Geschwüren im Magen-Darm-Trakt. Seit 2009 sind zwei Vertreter, Omeprazol und Pantoprazol, in einer Dosis von 20 mg rezeptfrei zur Behandlung von Sodbrennen und saurem Aufstoßen erhältlich.

Achtung: Als Dauerlösung eignen sich Antazida, H2-Blocker und Protonenpumpenhemmer nicht. Ist das Sodbrennen nach zwei Wochen trotz rezeptfreier Medikamente und/oder allgemeiner Maßnahmen noch vorhanden oder sogar verschlechtert, ist ein Arztbe­such dringend nötig. Das gilt auch bei sehr plötzlichen Magenschmerzen oder starkem Gewichtsverlust. Dahinter können sich schwere Krankheiten verbergen – etwa ein drohender Herzinfarkt. Zudem kann langer und intensiver Kontakt mit Magensäure Atemwegserkrankungen oder Speiseröhrenentzündungen verursachen, die sich mitunter sogar zu Krebs fortentwickeln. All das muss der Arzt ausschließen oder passende Therapien einleiten.

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