Facebook, Twitter und Youtube eröffnen Berufs­tätigen neue Chancen in ihrer Firma. Einige Weiterbildungs­kurse bereiten sie gut darauf vor.

Social Media Marketing Test

Ein kleiner Junge verkleidet sich als Filmbösewicht Darth Vader und will mit dessen Gesten die Lichter eines Passat einschalten – es gelingt! Was er nicht merkt: Papa hat mit der Fernbedienung nachgeholfen. Der TV-Werbespot wurde im Internet in wenigen Tagen Kult. Ein gigantischer Marketing­erfolg für VW.

Auf Facebook surfen, Youtube-Filme schauen, Nach­richten twittern – und dafür noch bezahlt werden? So ein Traumjob ist in vielen Firmen Realität. Sie verlagern ihr Marketing in Online-Netz­werke, haben Seiten bei Google+ oder stellen Kurz­filme auf Youtube oder Flickr, sie machen Blogs und Podcasts.

Und sie suchen Leute, die das können. Doch es gibt kaum welche: Bisher hat nur jede zehnte Firma speziell geschulte Mitarbeiter fürs Marketing in sozialen Netz­werken.

Wer seine Karriere voran­bringen möchte, wer einen Jobeinstieg sucht oder als Selbst­ständiger Werbung für seine Firma machen möchte, liegt mit einer Weiterbildung richtig. Die gibt es für jeden Bedarf.

Manche Schu­lungen laufen Voll­zeit über mehrere Monate und bilden zum Beispiel zum „Social Media Manager“ aus. Andere Kurse bieten in nur ein bis zwei Tagen einen ersten Einstieg ins Thema – aber genug um zu lernen, worum es geht.

Solche Angebote haben wir untersucht. Sie fassen den Stoff in 8 bis 20 Unterrichts­stunden zu 45 Minuten zusammen. Es sind Präsenz­kurse über ein bis zwei Tage, einer über drei Abende. Zusätzlich im Test war ein Onlinekurs mit acht Einheiten, die unser Tester in zehn Wochen absol­vierte.

Zielgruppe sind meist Leute mit Erfahrung in Marketing, Werbung, Vertrieb und Public Relations. Doch alle Kurse sind offen für Neulinge. Unser Test zeigte, dass auch sie in den Seminaren gut aufgehoben sind. Zwar nehmen viele Marketing­profis teil, aber nach Vorwissen wurde kaum gefragt.

Teure Kurse bieten mehr

Social Media Marketing Test

Kaum jemand kannte die Band „Walk off the earth“. Dann stellten die Musiker einen Song ins Internet-Video­portal Youtube, den sie zu fünft auf einer einzigen Gitarre spielen. Das Video wurde millionenfach geklickt, das machte die Band welt­bekannt.

Die Preise reichen von 39 Euro bis rund 1 050 Euro für einen Präsenzkurs. Das Online­angebot kostet sogar knapp 1 620 Euro. Die Unter­suchung zeigt, dass die teuren Präsenz­kurse besser sind. Wer mehr zahlt, bekommt auch mehr Leistung.

Noch ist Marketing über soziale Medien eine neue Technik. Das merkten unsere Tester in den Kursen. Die Grund­lagen standen im Mittel­punkt: Was sind soziale Netz­werke, wie funk­tionieren sie? War das geschafft, ging es meist darum, als praktische Übung eine Werbe­kampagne zu organisieren. Dass dafür einige Vorüber­legungen wichtig sind, kam leider oft zu kurz: Welche Ziele verfolgt die Firma mit Social Media, wie sollte die Planung aussehen, wie lässt sich die Kontrolle behalten? Die Antworten entscheiden am Ende stark über den Erfolg der Aktion.

Inhalt­lich über­zeugend waren vor allem Embis, Tech­nische Akademie Wuppertal (TAW) und Social Media Akademie. Sie boten einen guten Über­blick über Social-Media-Dienste, erklärten die wesentlichen Begriffe und zeigten Trends auf. Auch Marketing­fragen wurden ausführ­lich behandelt. Bei Embis erhielten die Teilnehmer viele Beispiele aus unterschiedlichen Branchen und diskutierten darüber, ähnlich bei BayTech Akademie und TAW.

Lange Vorträge, schwer verdaulich

So modern das Thema, so altmo­disch die Präsentation in etlichen Kursen. Zahlreiche und lange Vorträge machten den Stoff oft schwer verdaulich. Der Dozent der Industrie- und Handels­kammer München redete manchmal mehr als 40 Minuten am Stück.

Nur wenige Kurse boten Gelegenheit, das Erlernte praktisch zu üben, sei es das Vernetzen verschiedener Social-Media-Kanäle, das Einrichten einer Fanpage, das Schreiben in solchen Diensten.

Der Dozent der Volks­hoch­schule (VHS) Hamburg konzentrierte sich darauf, die Social-Media-Dienste vorzustellen. Das Thema Marketing kam allerdings zu kurz.

Bei der VHS Stutt­gart lief am dritten Abend plötzlich nichts mehr: Das Internet war ausgefallen. Eine halbe Stunde lang versuchte der Dozent, die Verbindung zu flicken – vergebens. Der Surf­stick eines Teilnehmers rettete den Rest des Abends.

Gleich­zeitig zuhören und chatten

Ausgerechnet der einzige Onlinekurs im Test nutzte die Chancen des vernetzten Lernens kaum. Zwar gab es einen Chat mit dem Dozenten, aber der lief meist parallel zur Online­vorlesung. Die Teilnehmer mussten sich gleich­zeitig auf den Kurs und auf den Chat konzentrieren.

Zum Onlinekurs gehörte eine Abschluss­prüfung – anders als bei den anderen Kursen. Aber was unserem Tester fehlte, war die Rück­meldung, wie er abge­schnitten hatte.

Kurs­material nicht üppig

Die Kurs­besucher bekommen meist nur Kopien der Powerpoint-Folien, die im Seminar einge­setzt werden. Das reicht nicht zum Nachbereiten des Stoffs. Was fehlt, sind Hinweise auf weiterführende Literatur.

Bei ebam fiel auf, dass fast alle Text­passagen des Kurs­materials nahezu wörtlich mit Ausführungen in Internetblogs über­ein- stimmen. Die Volks­hoch­schulen Hamburg und Stutt­gart machten es sich besonders leicht: Die Schüler bekamen über­haupt kein Kurs­material.

Wollen Interes­senten vor der Buchung Näheres über den Kurs erfahren, müssen sie hartnä­ckig sein. Zwar hatten wir bei unseren Test­anrufen meist schnell jemanden am Telefon. Doch die Mitarbeiter waren reichlich passiv. Kaum einer gab von sich aus Informationen. Auskunft bekamen wir nur, wenn wir gezielt nach­fragten.

Zu allem Über­fluss fanden wir im Klein­gedruckten aller Anbieter recht­liche Mängel – auch bei den über­zeugenden Kursen.

Den Vogel schoss die VHS Stutt­gart mit sechs Verstößen ab. Sie wollte zum Beispiel den Kurs­preis schon mit Vertrags­abschluss haben. So eine Klausel ist unwirk­sam, eine Voraus­zahlung darf der Anbieter höchs­tens wenige Tage vor Kurs­beginn verlangen. Auch die VHS Hamburg, IHK Nord West­falen, TAW und BayTech Akademie haben unwirk­same Vorkasseklauseln. Embis verstößt gegen die Preis­angaben­ver­ordnung, indem die Preise „zuzüglich Mehr­wert­steuer“ genannt werden. Der Kunde muss aber den Endpreis erfahren, inklusive Steuer.

Im TAW-Vertrag steht eine Klausel, nach der Teilnehmer, die kündigen wollen, ihren Arzt von der Schwei­gepflicht entbinden sollen, wenn TAW dies möchte. Der Kunde müsste dann vertrauliche Details offenlegen. Daten­schutz als Stiefkind – das ist eine unerfreuliche Parallele zu vielen der neuen Online-Netz­werke.

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