Nasen­neben­höhlen­entzündung So wird der Kopf wieder frei

Nasen­neben­höhlen­entzündung - So wird der Kopf wieder frei
Behut­sam. Sind die Neben­höhlen entzündet, die Nase nicht mit zu viel Druck putzen. © Getty Images

Neben­höhlen­entzündungen sind unangenehm. Manche quält die Sinusitis monate­lang. Wir erklären, was sie vom Schnupfen unterscheidet, und welche Maßnahmen und Mittel helfen.

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Wie eine Nasen­neben­höhlen­entzündung entsteht

Was Schnupfen und Sinusitis unterscheidet

Nicht nur die Nase ist verstopft, auch Kopf und Stirn schmerzen, vor allem beim Bücken, mitunter ist der Geruchs­sinn gestört, und man fühlt sich schlapp. Bei diesen Symptomen spricht viel dafür, dass es sich nicht mehr um einen banalen Schnupfen handelt, sondern eine Sinusitis den Menschen plagt – eine Entzündung der Nasen­neben­höhlen. Auslöser des Leidens ist in der Regel eine Infektion mit Viren. Während sich bei Schnupfen die Schleimhäute des Nasen­inneren entzünden, sind es bei Sinusitis außerdem die Schleimhäute, mit denen die Neben­höhlen ausgekleidet sind.

Wo die Entzündung sitzt

Doch wie kommen die Krank­heits­erreger dort hinein? Unsere Neben­höhlen, mehrere mit Luft gefüllte Hohlräume im Schädel, sind mit dem Inneren der Nase verbunden. Ihre Aufgabe ist, einge­atmete Luft aufzuwärmen und zu befeuchten. Fachleute unter­teilen sie, je nach Lage, in vier Bereiche beidseitig der Nase: Stirnhöhlen, Sieb­beinhöhlen, Keil­beinhöhlen und Kieferhöhlen. Entzünden sich die Schleimhäute der Neben­höhlen, schwellen sie an. Sie bilden vermehrt Sekret, das sich staut. Das führt auch dazu, dass die Höhlen nicht ausreichend belüftet werden. Die Erreger breiten sich dort aus.

Wenn zu Viren noch Bakterien kommen

Ist die Schleimhaut durch Viren geschädigt, bildet sie einen guten Nähr­boden für Bakterien. Nisten sich diese ein, verstärken sich die Kopf­schmerzen nach einer bis zwei Wochen, der Druck auf Stirn, Wangen, Kiefer wird unangenehmer, Fieber entsteht. Eine nicht richtig behandelte schwere Neben­höhlen­entzündung kann sich auf die Knochenhaut ausweiten. Ernste Folgen wie eine Hirnhaut­entzündung sind möglich, aber selten.

Tipp: Lassen die Beschwerden nach 10 bis 14 Tagen nicht nach, ist es Zeit für medizi­nische Hilfe. Sofort in die Praxis: bei Nackens­teife, starkem Gesichts­schmerz, Licht­empfindlich­keit, Schwel­lungen um die Augen, Hautrötung oder hohem Fieber.

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Höhlen­system. Unsere Nase ist mit den Neben­höhlen verbunden. Ärztinnen unter­teilen sie – je nach Lage – in vier Bereiche beidseitig der Nase. © Stiftung Warentest / René Reichelt

Die Medikamenten-Daten­bank der Stiftung Warentest

Welche Mittel bei Neben­höhlen­entzündung helfen.
Die Arznei­mittel­experten der Stiftung Warentest informieren in unserer Daten­bank Medikamente im Test über die besten Mittel, um Beschwerden bei Nebenhöhlenentzündung zu lindern. Dazu gehören rezept­freie salzhaltige Medikamente bei akutem Leiden, aber auch abschwellende Nasensprays, Schmerzmittel und pflanzliche Mittel. Geeignete Produkte gibt es einige – allerdings zu unterschiedlichen Preisen. Für chro­nische Fälle können auch rezept­pflichtige Medikamente wie Antibiotika und Sprays mit Cortison angesagt sein. Details zur Anwendung oder Neben­wirkungen sowie die Bewertung durch unsere Experten finden Sie in der Daten­bank.

Wann die Sinusitis chro­nisch wird

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Geruchs­sinn. Dauer­haft kein Kaffee­duft wahr­nehm­bar? Riech­störungen sind Anzeichen für die chro­nische Sinusitis. © Stiftung Warentest / René Reichelt

Schleimhäute länger als drei Monate entzündet

In der über­wiegenden Zahl aller Fälle handelt es sich um die akute Form. Sie heilt bei durch­schnitt­lich 70 Prozent inner­halb von 14 Tagen von selbst aus. Selbst Kinder unter vier Jahren trifft es. Bei ihnen sind die Neben­höhlen zwar noch nicht voll entwickelt, können sich aber schon entzünden. Anzeichen bei Klein­kindern sind neben hohem Fieber Trinkunlust und eitriger Schnupfen mit gelb­grün gefärbtem Sekret; es bildet an den Nasenlöchern gelbe Krusten.

Manchmal entwickelt sich aus einer hartnä­ckigen akuten eine chro­nische Sinusitis. Von der chro­nischen Form spricht man, wenn die Nasen­schleimhäute länger als drei Monate entzündet sind. Die Beschwerden sind meist schwächer ausgeprägt als bei akuter Sinusitis. Wichtig: Sinusitis kann über einen Verbindungs­gang aufs Ohr über­greifen. Mögliche Folge, speziell bei Kindern: eine Mittel­ohr­entzündung.

Wenn die Entzündung immer wieder kommt

Nur bei etwa einem Drittel der heftiger verlaufenden Sinusitis­erkrankungen liegt es einzig und allein daran, dass Bakterien im Spiel sind. Erwischt es jemand immer wieder, sind weitere Gründe denk­bar.

Allergien, eine verkrümmte Nasenscheidewand oder ein geschwächtes Immun­system begüns­tigen Nasen­neben­höhlen­entzündungen. Nasen­polypen – das sind gutartige Wucherungen der Schleimhaut – können dazu bei­tragen, dass die Sinusitis chro­nisch wird. Falls anato­mische Besonderheiten der Nase schuld sind, dass eine Sinusitis immer wieder quält, kann unter Umständen eine Operation Abhilfe schaffen.

Wie Sie vorbeugen können

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Schnäuzen. Immer nur ein Nasenloch putzen – jedoch nicht zu heftig. © Stiftung Warentest / René Reichelt

Bewegung an der frischen Luft, ausgewogene vitaminreiche Ernährung, Sauna­besuche und Wechselduschen helfen nicht nur, Erkältungen vorzubeugen, sondern unterstützen auch die Abwehr einer Sinusitis. Wer seine Schleimhäute fit halten will, sollte nicht rauchen – und abschwellendes Nasen­spray nur im Akutfall nutzen. Wer es ständig beim ersten Schnupfengefühl einsetzt, trocknet seine Schleimhäute aus. Das ist kontraproduktiv, denn Schleimhäute müssen feucht sein, damit die darauf befindlichen Flimmerhärchen Krank­heits­erreger optimal abtrans­portieren können.

Auch beim Nase putzen kann einiges schief gehen. Nie mit zu viel Kraft schnäuzen. Eines der Nasenlöcher sollte zugehalten werden. Das vermeidet, dass beim Schnäuzen Schleim in die Neben­höhlen gedrückt wird. Den Rotz hoch­zuziehen schont die Nasen­neben­höhlen; er wird letzt­lich herunter­geschluckt.

Tipp: Der beste Schutz vor Infektionen ist Hände­waschen – etwa nach Busfahrten oder dem Einkaufen im Supermarkt. Zuhause reichen Wasser und Seife: Damit 20 bis 30 Sekunden gründlich die Hände waschen, macht Viren den Gar­aus. Wer länger unterwegs ist, ist mit einem wirk­samen Desinfektionsmittel gut bedient.

Welche Mittel und Medikamente bei Sinusitis helfen

Salzhaltige Nasen­sprays. Diese Sprays enthalten keine abschwellenden Stoffe, befeuchten und reinigen die Nase aber und unterstützen so die Therapie.

Abschwellende Nasen­sprays. Sprays mit den Wirk­stoffen Naphazolin, Oxymetazolin, Tramazolin und Xylometazolin – bekannt unter Namen wie Nasivin oder Olynth – verengen die Gefäße in der Schleimhaut, sie schwillt ab. So werden die Zugänge zu den Neben­höhlen frei, der Schleim fließt besser ab. Ob die Sprays tatsäch­lich eine Sinusitis verkürzen, ist aber nicht ausreichend erwiesen. Sie sollten höchs­tens eine Woche lang und nicht öfter als dreimal am Tag angewandt werden, sonst kann die Schleimhaut Schaden nehmen. Wir empfehlen Sprays ohne Konservierungs­mittel.

Salz-Wasser-Lösung. Salzhaltige Lösungen zum Inhalieren oder Spülen per Nasendusche sind ein beliebtes Haus­mittel bei Sinusitis: von isoto­nischer Kochsalzlösung über steril aufbereitetes Meer­wasser bis Emser Salz aus der Thermalquelle. Sie feuchten die Schleimhaut an, spülen Krank­heits­erreger heraus, verflüssigen das Sekret. Dass sie abschwellend wirken, ist nicht belegt. Beim Inhalieren unter dem Hand­tuch gelangt das Salz nicht tief in die Atemwege. Dies gelingt mit dem sogenannten Vernebler.

Schmerz­mittel. Rezept­freie Schmerz­mittel wie Ibuprofen, Acetylsalicylsäure, Paracetamol helfen bei Kopf- und Gesichts­schmerzen. Welches Schmerz­mittel für wen richtig ist, erfahren Sie im Beitrag Wo Ibuprofen, Paracetamol und Co. wirken.

Mittel mit Myrtol. Myrtol ist eine Mischung aus Eukalyptusöl, Süßorangenöl, Zitronenöl und Myrtenöl. Die pflanzlichen pflanzlichen Präparate mit diesem Mix können dazu beitragen, dass sich das Sekret in den Neben­höhlen verflüssigt. Asth­matiker sollten vor der Einnahme mit dem Arzt sprechen. Kinder unter sechs Jahren dürfen kein Myrtol bekommen.

Antibiotika. Ist ein schwerer Fall von bakterieller Sinusitis diagnostiziert, verschreiben Arzt oder Ärztin Antibiotika.

Cortison-Sprays. Nur bei chro­nischer Sinusitis im Einsatz. Cortison dämpft die Entzündungs­reaktion. Studien bestätigen, dass diese rezept­pflichtigen Mittel die Beschwerden lindern können. Wissenschaftler der Universitäten von Calgary und South Carolina alle relevanten Studien zu chronischer Sinusitis zusammengefasst und im Fach­blatt JAMA veröffent­licht. Ihr Fazit: Nach­weislich helfen salzhaltige Spüllösungen und kortisonhaltige Nasen­sprays oder -tropfen. Nötig ist eine regel­mäßige Anwendung. Die Wirkung tritt erst nach einiger Zeit ein. Salzlösungen lassen sich mit Salzportionen aus Apotheken und Drogerien herstellen. Sie müssen täglich frisch zubereitet werden, weil sich sonst Keime vermehren können. Betroffene sollten die Salzlösung mit einer Nasendusche ein- bis dreimal täglich durch die Nase spülen. Wie Sie Nasenduschen anwenden, erfahren Sie im Test Nasenduschen von 2014 und im Video zur Anleitung.

Pflanzliche Kombiprä­parate. Als wenig geeignet bei Sinusitis stufen unsere Arznei­mittel­experten die Pflanzen­extrakt-Kombination in Sinupret ein: Nicht für jeden Einzel­bestand­teil ist die therapeutische Wirk­samkeit nachgewiesen.

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5 Kommentare Diskutieren Sie mit

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PennySaver am 24.11.2021 um 20:03 Uhr
Bei Zahnschmerzen gilt das auch!

Komischer Fall, aber bei mir wurde die Sinusitis erkannt (Chronisch, jeden Winter), da ich auch im Winter Zahnschmerzen hatte. Immer wieder, jedes Jahr. Aber nur beim springen oder schnell laufen, halt wenn kinetic da war.
Es stellte sich heraus, dass ich eigentlich Zahnschmerzen nur in der oberen Kiefer hatte. Also nur die oberen Zähne. Und nur wenn ich gesprungen habe..
Komisch ne? Was war da los?
Sinusitis war da los! Schleimhaut der Nebehöhlen entzündet und somit auf den Oberen Kiefer gedrückt hat, was sich wiederum mit drück auf die oberen Zahne geübt hat.

argon85 am 31.01.2020 um 23:20 Uhr
Eskalation verhindern

Ich litt jahrelang regelmäßig an Sinusitis. Bis ich dahinter kam, dass mein Fehler war, bei normalem Schnupfen auf Nasenspray zu verzichten. Denn erst durch die fehlende Belüftung konnte der Schnupfen zur Sinusitis eskalieren.

Profilbild Stiftung_Warentest am 19.01.2016 um 14:29 Uhr
Cineol

@Havda
Manche pflanzliche Hustenmittel setzen auf Cineol als Wirkstoff. Cineol ist Hauptbestandteil von Eukalyptusöl. Es löst und verflüssigt den Schleim in den Bronchien, stimuliert die Aktivität der Flimmerhärchen in den Bronchien, was das Abhusten erleichtern soll. Bisherige Studien reichen noch nicht aus, um den therapeutischen Stellenwert abschließend zu bestimmen. Daher bewerten die Arzneimittelexperten der Stiftung Warentest den Wirkstoff als "nur mit Einschränkung geeignet". Mehr dazu unter https://www.test.de/medikamente/selbstmedikation/mund_hals_atemwege/husten/husten/.
(nme/aci)

Judy69 am 19.01.2016 um 12:50 Uhr
zuerst sprühen, dann spülen

Meine Erfahrung: niemals eine verstopfte Nase durchspülen, zuerst abschwellende Nasentropfen verwenden. Anderenfalls läuft das Salzwasser mit den Keimen in die Ohren und kann, sofern dort ebenfalls Schwellungen sind, innerhalb kürzester Zeit eine Mittelohrentzündung verursachen. Mir hilft zum Schleimlösen, auch wenn die Deklaration nur Husten betrifft, immer auch ACC.

Gelöschter Nutzer am 17.01.2016 um 05:57 Uhr
Cineol

Vergessen zu erwähnen wurde meiner Ansicht nach noch Cineol. Dies ist der aktive Bestandteil von Eukalyptusöl. Erhältlich ist es in Kapselform (meist 100 mg bzw. 200 mg) von verschiedenen Anbietern. Es ist nicht apothekenpflichtig und findet sich deshalb auch oft in Drogerien oder Supermärkten. Das Hauptanwendungsgebiet liegt er im festsitzenden Husten. Cineol erleichtert das Abhusten, da es sekretlösend wirkt. Zur Wirkung bei einer Sinusitis gibt es meines Wissens keine Studien. Dennoch ist es durchaus wahrscheinlich, dass es auch hier sekretlösend und damit lindernd wirkt. Dazu kommt, dass Cineol praktisch nebenwirkungsfrei ist.