Smoothies Test

Die Smoothies in den kleinen Flaschen versprechen einiges. Vieles ist irreführend, die Auswahl der Zutaten oft zweiter Klasse. Wir haben 27 Produkte geprüft.

Praktischer scheint es kaum zu gehen: „Ihre tägliche Portion Obst“ verspricht Chiquita für den Smoothie Mango-Passionsfrucht. In 250 Millilitern sollen stecken: „3 gepresste Äpfel, ein Drittel Mango, eine halbe Banane, 1 frisch gepresste Orange, anderthalb Passionsfrüchte“. Andere Anbieter sind ähnlich vollmundig, wenn es um den gesunden Inhalt der neuen Produkte geht, die sich Smoothies nennen. 50 oder gar 100 Prozent des täglichen Obst- und Gemüsebedarfs sollen da in einem Fläschchen stecken, das man schnell mal austrinkt.

Smoothies – gesprochen etwa smuussies – sind die Gewinner der Saison. Es klingt ja auch zu schön: Gesundheit pur ganz praktisch, ohne Obst zu schleppen, zu waschen, zu schälen und zu entkernen. Der Umsatz hat sich im vergangenen Jahr vervierfacht, Discounter bieten inzwischen sogar eigene Marken im Regal an.

Samtig-sanfter Früchtemix

Der Name kommt vom englischen smooth für sanft, sämig, weich. Das bezieht sich auf das Mundgefühl, das die halbflüssigen Produkte mit sich bringen. Das Urrezept stammt aus den USA: Für Smoothies wird Obst und Gemüse im Mixer püriert. Dazu kommen manchmal Milch, Jogurt oder Getreideflocken für mehr Ballaststoffe. Smoothies werden sogar als Fruchtmus zum Löffeln und Eis am Stiel angeboten.

Solche Vielfalt hat ihren Grund: Geregelt ist hier nichts. Was ein Smoothie ist, wird nirgends definiert. Anders als Fruchtsäfte können die sämigen Drinks theoretisch so gut wie alles enthalten, was lebensmittelrechtlich zugelassen ist, angefangen von Aromastoffen bis Zucker. Im besten Fall werden ganze Früchte und Gemüse püriert, mit Frucht- oder Gemüsesaft verdünnt und so trinkbar gemacht.

Die 27 Smoothies der Testauswahl enthalten selten Gemüse, aber immer Obst. Banane ist fast immer dabei, gefolgt von Apfel und Orange, Beeren und exotischen Früchten wie Ananas, Mango und Maracuja. Gemüse beschränkt sich meist auf Karotten und Kürbis, bei Aldi (Süd) ist auch Gurkensaft mit von der Partie.

Smoothies versprechen natürliche Frische, sind aber zur besseren Haltbarkeit hitzebehandelt (pasteurisiert). Die meisten gehören in den Kühlschrank, andere sollen mehrere Monate ungekühlt in der Vorratskammer halten, der Rabenhorst Bio Smoo­thie sogar zwei Jahre. Manche Smoothies kommen in apothekenhaft kleinen Fläschchen von 100 Millilitern daher, andere enthalten bis zu 330, einmal sogar 500 Milliliter. Die Werbung lässt aufhorchen. Beispiele: „Achtung Suchtgefahr weil a) köstlich und b) sehr gesund, da 100 % Frucht!“ (true fruits), „die natürlichen Antioxidantien unterstützen die körpereigenen Schutzme­chanis­men“ (Rabenhorst), „... unterstützt die natür­lichen Abwehrkräfte“ (Knorr Vie).

Kein Ersatz für Obst und Gemüse

Was die Wirkung angeht, müssen wir die Smoothies aber entzaubern. Wie gesund sie sind, lässt sich zwar nicht benoten, weil sich die einzelnen Zutaten nicht separat analysieren lassen, klar ist aber: Wenn Obst und Gemüse geschält, gepresst und teils mehrfach erhitzt werden, bleiben Inhaltsstoffe auf der Strecke, so zum Beispiel hitzeempfindliche Vitamine, Ballaststoffe und auch sekundäre Pflanzenstoffe, die in oder unter der Schale stecken.

Dass für Smoothies einfach kleingemixte Früchte abgefüllt werden, ist eine schöne Vorstellung. Basis der industriellen Herstellung sind aber nicht nur Fruchtmark und -püree. Mitunter wird einfach nur Fruchtfleisch zugesetzt, manchmal kommen auch Orangenzellen, Kokospulver, Vitamin C oder Apfelpektin, das die Mixturen sämiger macht, dazu. Äpfel als relativ billiges Allerweltsobst sind oft in größeren Mengen enthalten, ebenso Bananen. Beide sind für die Smoothie-Herstellung praktisch, weil sie für eine dickflüssigere Konsistenz sorgen.

Wünschenswert wäre es, wenn die Smoo­thies Direktsäfte enthielten. In 17 der 27 Smoothies stecken aber die stärker verarbeiteten Konzentrate. Wenn Konzentrate eingesetzt werden, dann sollten sie wenigstens die Aromen haben, die beim Konzentrieren verlorengehen und beim Rückverdünnen zu Fruchtsäften wieder hinzugefügt werden müssen. Bei Libehna, Rossmann/enerBio und Knorr Vie ist das nicht geschehen. Dabei heißt es bei Knorr Vie: „Eine Flasche enthält das Beste aus ...“. Aromen zählt Knorr offenbar nicht dazu. Anders als Rossmann verzichten übrigens die anderen fünf Bio-Anbieter auf Konzentrate.

Wenig Vitamin C und Ballaststoffe

Vitamin C hat einen gesunden Ruf, war in sieben Smoothies aber kaum oder gar nicht nachweisbar. Meist fand sich viel Vitamin C nur, wenn es zugesetzt war. Auch die Menge an Karotinoiden (siehe Obst und Gemüse) und Ballaststoffen war eher gering. 30 Gramm Ballaststoffe sollten wir täglich zu uns nehmen. Wir fanden meist etwa 1 Gramm pro 100 Milliliter, und das kann auch aus zugesetztem Apfelpektin kommen. Mit einer Banane oder einem Apfel hat man locker dreimal so viele Ballaststoffe verzehrt, mit 100 Gramm Beeren kommt man – je nach Sorte – auch auf das Vierfache. Gemessen an den wenigen Ballaststoffen haben manche Smoothies recht viel Zucker (bis zu 15 Prozent). Positiv: Es wurde nicht extra gezuckert. Natürlicher Fruchtzucker hat aber genauso viel Kalorien.

Falsche und irreführende Angaben

Die Deutsche Gesellschaft für Ernährung, DGE, empfiehlt, täglich 650 Gramm Obst und Gemüse zu verzehren – und dabei vor allem Gemüse, nämlich 400 Gramm. Gerade Gemüse ist aber knapp in den Smoo­­thies. Aussagen wie „deckt 50 Prozent der Tagesempfehlung an Obst und Gemüse“ sind da ärgerlich. Und oft beziehen sie sich auf die Weltge­sundheitsorganisation, die World Health Organization (WHO), was aber nur in der Fußnote steht. Im Unterschied zur DGE geht sie von nur 400 Gramm Obst und Gemüse pro Tag aus. Wer meint, mit zwei 100-Milliliter-Fläschchen alles für die tägliche Obst-Gemüse-Versorgung getan zu haben, der irrt. Solche Mängel sind ein Grund, um die Note für die Deklaration „ausreichend“ zu nennen.

Bei zwölf Smoothies stellten wir jedoch irreführende Angaben und eine daher „mangelhafte“ Deklaration fest. Namen und Abbildungen auf Fläschchen und Packungen müssen stimmen und Früchte, die besonders ausge­lobt werden, sollten auch den überwiegenden Anteil ausma­chen. Rossmann/enerBio Kokos-Ananas-Banane liefert ein besonders negatives Beispiel. Der Smoo­thie enthält laut Zutatenliste nur 1 Prozent Kokosmilch; Banane und Ananas kommen zusammen auf 42 Prozent. Mehr als die Hälfte, nämlich 57 Prozent, ist aber Apfel – doch der wird in der Produktbezeichnung gar nicht erwähnt. Den hohen Apfelanteil verrät nur ein Blick ins Kleingedruckte, sprich die Zutatenliste. Dass das nicht zumutbar ist, hat das Oberlandesge­richt Köln erst jüngst bestätigt.

Enttäuschender Geschmack

Viele Smoothies riechen und schmecken auch nicht so, wie ihr Name erwarten lässt: Beim Rabenhorst Smoothie Rote Traube plus Granatapfel rochen und schmeckten die Prüfer nur Apfelmus, von roter Traube und Granatapfel keine Spur. Bei Bad Kissinger und Rossmann stand Kokos im Namen, war aber weder zu riechen noch zu schmecken. Weil die ausgelobten Früchte nicht erkennbar waren, hieß es in der sensorischen Beurteilung elfmal nur „ausreichend“.

Weitere Mängel: eine käsige Geruchsnote beim Smoothie von Schwartau, beim emig eine parfümartige. Er schmeckte auch unnatürlich fruchtig. Solche Fehler haben wir bewertet. Je nach Rezeptur dürfen Geruch, Geschmack, Aussehen und Mundge­fühl bei Smoothies variieren. Diese Unterschiede haben wir aber nur beschrieben, nicht bewertet. Denn einer liebt es süßer, der andere säuerlich, der Dritte schätzt Fruchtstückchen, die der Vierte nicht mag.

Wie in Säften sollten Früchte und Gemüse auch in Smoothies das Aroma bestimmen, nicht aber zugesetzte Aromastoffe, die wir bei emig analysierten: Anders als angegeben waren sie nicht natürlich, sondern naturidentisch, also aus der Retorte. Bei marwit fanden wir sogar einen Aromastoff, der in Früchten nicht vorkommt. Angegeben war gar kein Aromazusatz.

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