Smava und Auxmoney Special

Über Online-Kreditplatt­formen leihen sich Privatleute gegen­seitig Geld. Jetzt vermittelt Smava auch Bank­kredite, Auxmoney hat Gebühren gestrichen.

Kredite gibt es nicht nur bei der Bank. Seit rund sechs Jahren vermitteln in Deutsch­land Kreditplatt­formen im Internet Darlehen zwischen Privatleuten. Die Konditionen handeln die Partner aus, ohne sich persönlich zu kennen. Die Geld­geber erhalten Zinsen, die Kreditnehmer zahlen sie.

Clemens und Katja suchen auf diesem Wege Menschen, die ihnen 2 250 Euro für die Reparatur ihres VW-Bullis leihen. Sie würden 13,50 Prozent Zinsen zahlen und das Geld binnen zwei Jahren zurück­zahlen. Sechs Investoren haben sich gefunden, sie wollen zwischen 50 und 1 000 Euro geben.

Einem 59 Jahre alten Freiberufler wollen elf Anleger 7 500 Euro borgen, damit er wieder „liquide“ ist. Er ist bereit, ihnen einen Zins von 4,2 Prozent zu zahlen.

Smava und Auxmoney neu beur­teilt

Die zwei bedeutendsten Kreditplatt­formen heißen Auxmoney und Smava. Sie haben sich gewandelt, seit Finanztest im Jahr 2009 zuletzt über sie berichtet hat. Auxmoney kritisierten wir damals dafür, dass Kredit­suchende auch dann Gebühren bezahlen mussten, wenn kein Geschäft zustande kam. Smava bescheinigten wir das stimmigere Konzept.

Vor vier Jahren hatten beide Platt­formen dasselbe Geschäfts­modell. Mitt­lerweile haben sie ihr Angebot vor allem für Kreditnehmer verändert, so dass wir sie neu beur­teilen. Ergebnis: Beide Anbieter sind heute für Kredit­suchende eine Alternative zur Bank. Für Menschen, deren Bonität nicht die beste ist, kann der Kredit sogar güns­tiger sein als bei der Bank. Risikofreudige Geld­geber können gute Renditen erzielen.

Smava ist seit 2007 auf dem Markt. Die Berliner haben nach eigenen Angaben bisher Kredite für mehr als 100 Millionen Euro vermittelt.

Seit Mitte 2011 bietet Smava auch Verbraucher­kredite von Geschäfts­banken. Mit im Boot sind nun neun Institute, darunter Targo­bank, Post­bank, ING Diba und die Sant­ander Consumer Bank – alle­samt führende Kredit­banken in Deutsch­land.

Kredite von privaten Investoren gibt es weiterhin – unter dem Namen Smavapri­vat. Smava-Geschäfts­führer Alexander Artopé: „Wir haben auf die Wünsche unserer Kunden reagiert. Kredit­suchende können nun wählen zwischen einer Finanzierung durch private Anleger und durch Banken.“

Das bedeutet im Gegen­zug, dass der Kunde immer gleich­zeitig Angebote von Banken und von Smavapri­vat einholt. Erst dann entscheidet er sich für eine Bank oder einen privaten Geld­geber.

Auxmoney bessert nach

Die Düssel­dorfer Auxmoney GmbH ist genauso alt wie der Konkurrent. Rund 11 000 Kreditge­suche waren seitdem erfolg­reich. Ihr Volumen: knapp 50 Millionen Euro.

Der Kredit­suchende erhält ausschließ­lich Angebote von privaten Geld­gebern. Seine Chancen erhöht er, wenn er sich Zertifikate ausstellen lässt: Er lässt zum Beispiel seine Identität prüfen, macht öffent­lich, welche Kreditwürdig­keit ihm die Schufa oder andere Auskunfteien bescheinigen, lässt seine Haus­halts­rechnung prüfen oder erlaubt eine Anfrage beim Arbeit­geber.

Die Zertifikate und Kreditge­suche selbst sind neuerdings kostenlos. Früher konnte es passieren, dass Kunden für Anmeldung und Zertifikate fast 60 Euro zahlen mussten. Das Geld gab es nicht zurück, wenn kein Kredit vermittelt werden konnte.

Unterschiede im Detail

Die Portale sind ähnlich in Anspruch, Aufbau und Kosten­struktur für Privatkredite. Unterschiede gibt es im Detail.

Zielgruppe. Im Fokus beider Portale stehen vor allem Freiberufler und Selbst­ständige. Sie haben bei den Banken wegen unregelmäßiger Einkommen oder ungewöhnlicher Projekte oft schlechte Chancen auf einen Kredit.

Anmeldung. Bei Auxmoney muss der Kredit­suchende nur Name, Geburts­datum, Wohn­anschrift, Staats­angehörig­keit, Telefon­nummer und E-Mail-Adresse angeben. Dann kann er sofort seinen Kredit­wunsch präsentieren. Smava verlangt dagegen alle Daten, die auch eine Bank für einen Kredit­antrag abfragt. Neben Name, Geburts­datum und Anschrift sind das etwa Informationen zum Einkommen und zur Wohn­situation und eine Konto­verbindung.

Kosten. Wenn ein Kredit zustande kommt, wird eine Vermitt­lungs­provision fällig.

Auxmoney berechnet 2,95 Prozent von der Kreditsumme. Zusätzlich muss der Kreditnehmer noch Gebühren an die Bank zahlen, die für die Platt­form die Kredite unter Privatleuten abwi­ckelt. Bei Auxmoney berechnet die SWK Bank für Konto­auszüge 17,50 Euro im Jahr und monatlich eine Service­pauschale in Höhe von 2,50 Euro.

Bei Smavapri­vat richten sich die Kosten nach der Lauf­zeit des Kredits: für 36 Monate werden 2,5 Prozent (mindestens 40 Euro) fällig, für 60 oder 84 Monate sind 3 Prozent (mindestens 60 Euro) zu zahlen. Für vier freiwil­lige Konto­auszüge werden 16 Euro im Jahr fällig. Smava arbeitet mit der Fidor Bank zusammen.

Kredithöhe. Millionen­projekte lassen sich mit beiden Portalen nicht finanzieren. Die Ober­grenzen sind 20 000 Euro bei Auxmoney und 75 000 Euro bei Smava.

Zinsen. Bei Auxmoney schreibt der Kredit­kunde in sein Gesuch, wie viel Zinsen er bereit ist zu zahlen. Im Durch­schnitt liegt der Effektivzins bei Auxmoney nach eigenen Angaben derzeit um 10 Prozent.

Bei Smavapri­vat ist es anders. Die Firma macht einem Kredit­suchenden selbst einen Vorschlag für einen Zins, zu dem Geld­geber bereit sind, den Kredit zu finanzieren. Der Suchende kann aber auch noch einen Versuch zu einem nied­rigeren Zins starten. Den Durch­schnitts­effektivzins gibt Smava derzeit mit 6,7 Prozent an.

Inkasso. Die Zahlungs­moral der Kunden von Kreditportalen ist nicht wesentlich schlechter als die von Banken­kunden. Bei Auxmoney platzen etwa 3 von 100 Krediten, die Ausfall­quote von Bank­krediten liegt derzeit bei 2,5 Prozent.

Zahlt ein Kunde nach mehr­maliger Mahnung nicht, über­nimmt eine Inkassofirma die Sache – sie gibt Geld­gebern zumindest einen Teil ihrer Investition zurück.

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