Smartwatches Test

Die Minicomputer mit Zeit­anzeige sind weit­gehend vom Smartphone abhängig und bieten deshalb wenig Mehr­wert. Im Test offen­barten selbst bessere Uhren Macken.

So nah ist uns noch kein Computer gekommen. Die kleinen Bild­schirme der Smartwatches sind am Körper befestigt, am Hand­gelenk ersetzen sie die herkömm­liche Uhr. Diese neue Generation Uhren liefert aber viel mehr als nur die Zeit. Smartwatches deichseln Telefonate, Mails und Kurz­nach­richten, erinnern an Termine, zählen Schritte, manche messen den Puls, navigieren, zeigen das Wetter und mehr.

Technik, die sich am Körper tragen lässt, heißt in der Fach­sprache Wearable. Diese Produkt­gruppe soll eine neue Ära im Multimedia­zeit­alter einläuten und bei den Käufern mindestens ebenso stark einschlagen wie einst Smartphones – das wünschen sich zumindest die Anbieter.

Unser Test zeigt jedoch: Die Hightech-Uhren stecken noch in den Kinder­schuhen, sie taugen bisher nicht für die breite Masse. Haupt­sächlich sind sie Hand­langer fürs Handy. Ohne Anbindung an ein Smartphone können die meisten fast nichts. Und selbst mit Anbindung ist vieles umständlicher als vom Mobiltelefon gewohnt.

Apple ist einen Schritt voraus

Von zwölf Smartwatches im Test sind acht befriedigend, drei ausreichend und eine mangelhaft. Nur die Apple Watch und Apple Watch Sport schrammen knapp an einem guten Qualitäts­urteil vorbei. Sie funk­tionieren spür­bar besser als andere Uhren, aber auch von ihnen sollten Nutzer keine Wunder erwarten. Wer beim Kauf einer Smartwatch weiß, dass außer Nach­richten empfangen, ein biss­chen Fitness und ein paar netten Spielereien am Arm nicht viel läuft, ist von den Uhren vielleicht sogar angetan. Wer jedoch auf einen Handy­ersatz hofft, wird ernüchtert sein. Und das bei Preisen von 140 bis 700 Euro.

Viele Uhren lassen sich nicht einmal mit jedem Handy nutzen. Die von Apple brauchen ein neueres iPhone als Partner, die Samsung Gear S tauscht sich nur mit Samsung-Smartphones aus. Fünf weitere Uhren arbeiten nur mit dem Betriebs­system Android. Die Uhren von Alcatel Onetouch, Garmin und Pebble kommen sowohl mit dem Betriebs­system iOS als auch mit Android klar. Je nach Betriebs­system können sie mal mehr, mal weniger – auf Kurz­nach­richten antworten etwa ist bei Pebble unter Android möglich, unter iOS nicht.

Dauer­kontakt zum Handy

Smartwatches Test

Unzer­trenn­lich. Ohne Smartphone läuft bei vielen Uhren kaum etwas. Verbunden sind beide via Bluetooth.

Unzer­trenn­lich sindSmartwatch und Handy schon beim Einrichten der Uhr. Über den Kurz­stre­cken­funk Bluetooth lassen sich beide drahtlos verbinden, per Funk tauschen sie Daten aus. Damit das klappt, muss eine zur Uhr gehörende App auf das Handy geladen werden. Selbst die Samsung-Uhr kommt beim Einrichten nicht ohne Handy aus. Dabei ist sie als einzige Uhr, die auch mit Sim-Karte läuft, nahezu unabhängig vom Handy.

Von wegen selbst­erklärend

Tief ein- und ausatmen ist beim Einrichten der Smartwatches ratsam. Die Bedienung ist anfangs wenig intuitiv, sodass Nutzer schnell nach der Gebrauchs­anleitung suchen. Allen Uhren liegen allerdings nur Kurz­anleitungen bei, die durchweg wenig hilf­reich sind. Uhren­besitzer müssen ihr Glück auf der Internetseite des Anbieters probieren. Die dortigen Online-Anleitungen sind mal mehr, mal weniger nützlich.

Die Uhren ticken unterschiedlich. Während die Samsung Gear S etwa über ihr berührungs­empfindliches Display gesteuert wird, lassen sich die Pebble-Uhren nur mit Tasten bedienen. Die Apple-Smartwatches verfügen neben dem Touchs­creen über eine dreh­bare Krone, eine Taste und die neue Apple-Technologie „Force Touch“ – das ist ein starker Druck aufs Display. Wer Force Touch nicht kennt, scheitert bereits bei der Indivi­dualisierung des Ziffern­blattes.

Ziffern­blätter nach Wahl

Zeiten ändern sich, erst recht bei Smartwatches. Viele Modelle lassen sich durch eine Auswahl an Ziffern­blättern und Farben indivi­dualisieren. Klassische Zeiger, animierte Blumen, Tiere, eine Micky­maus – einiges ist möglich. Schick sehen die Ziffern­blätter von Apple aus, die im Retro-Stil von Pebble dürften nicht jeder­manns Geschmack sein.

Mätz­chen beim Zeit­ablesen

Wer wissen will, welche Stunde es bei den Uhren von Garmin und Pebble geschlagen hat, muss seine Augen etwas anstrengen. Displays mit geringer Auflösung, wenig Kontrast und schwacher Beleuchtung bekommen den Ziffern­blättern nicht gut.

Display lässt sich aufwecken

Besser ablesen lässt sich Zeit auf den Uhren von Apple – wenn sie mal zu sehen ist. Denn es gibt keine permanente Zeit­anzeige. Der Bild­schirm bleibt schwarz, bis der Nutzer ihn berührt oder sein Hand­gelenk dreht, um auf die Uhr zu schauen. Nach einer kurzen Verzögerung wird die Zeit sicht­bar – aber nur für sechs Sekunden.

Im täglichen Gebrauch ist das gewöhnungs­bedürftig. Apple will auf diese Weise den kleinen Akku schonen. Ähnlich reagieren die Uhren Alcatel Onetouch und Samsung Gear S, bei Samsung lässt sich die dauer­hafte Zeit­anzeige aber einstellen.

Telefonieren mutet selt­sam an

Schnelle Kommunikation ist ein wichtiger Grund, sich eine Smartwatch zuzu­legen. Im Vergleich zum Handy ist sie aber stark einge­schränkt. Richtig telefonieren können Nutzer nur mit den Uhren von Apple und Samsung. Wer nicht so gern auf eine Uhr einredet, kann Anrufe auf das Handy zurück­leiten und via Head­set plaudern.

Die übrigen Uhren melden Anrufe nur, zum Teil lassen sich Telefonate auf der Smartwatch ablehnen oder stell­vertretend fürs Handy annehmen. Wer dann losplappern will, muss sein Telefon schnell zur Hand nehmen, damit sich der Gesprächs­partner nicht über die Stille am anderen Ende der Leitung wundert.

Nach­richten am Arm lesen

„Brummm“ – die Uhren vibrieren am Hand­gelenk, wenn Nach­richten wie SMS, Mails, Instant Messages und Neuig­keiten aus sozialen Netz­werken wie Facebook und Twitter eingehen. Auf dem großen Display der Samsung Gear S lassen sich Nach­richten am besten ablesen und dank virtueller Tastatur wie gewohnt beant­worten.

Einge­schränkte Antworten

Die anderen Geräte haben keine Tastatur, viele bieten nur vorgefertigte Texte, Spaß­bilder oder die Sprach­eingabe als Antwort­möglich­keit. Alcatel Onetouch und Garmin antworten gar nicht auf Nach­richten. Ärgerlich: Die Pebble-Uhren zeigen längere SMS zerteilt in umge­kehrter Reihen­folge an. Wieder bleibt nur der Griff zum Handy.

Fitness­funk­tionen für Aktive

„Zeit aufzustehen“ meldet etwa die Apple Watch Sport auf ihrem Display, wenn ihr Träger zu lange gesessen hat. Smartwatches wollen die Gesundheit fördern, etliche zählen Schritte, messen den Puls oder eine zurück­gelegte Wegstrecke. Zusätzliche Apps melden zum Beispiel den Kalorien­verbrauch oder über­wachen den Schlaf.

Manche messen Puls fast EKG-genau

Sehr zuver­lässige Fitness­daten lieferten die Uhren von Apple, Garmin und Samsung. Amateur­sport­lern helfen die Uhren, mehr für ihren Körper zu tun, für ambitionierte Sportler ist der Funk­tions­umfang zu gering. Immerhin zeigen Alcatel Onetouch, Apple, LG und Samsung den Puls fast EKG-genau an. Garmins Uhr braucht für die Herz­frequenz­messung einen extra Brust­gurt.

Zum Joggen mit dem Handy

Verläss­lich waren die Distanz­messungen der Smartwatches von Alcatel Onetouch, Asus und LG nur, wenn die Uhren eine Verbindung zum Handy und dessen GPS hatten. Bei diesen Uhren darf das Handy auch beim Joggen nicht zuhause ausruhen. Anders ist es bei Garmin, Samsung und Sony – sie haben einen eigenen GPS-Empfänger. Apple und Motorola zeigten die Distanz auch ohne GPS-Ortung und Handy genau an.

Viele Akkus halten nur einen Tag

Smartwatches Test

Unser Akku-Test. Ein mecha­nischer Stift ersetzt in diesem voll­automatischen Test den Finger des Nutzers.

Auch das noch: Smartwatches haben nicht viel Saft auf ihrem kleinen Akku. Schlappe zehn Stunden hielt die Motorola in unserem Test­szenario durch, acht weitere Uhren blieben unter 24 Stunden. Neben dem Handy noch ein Gerät, das allabend­lich geladen werden muss. Ausnahmen waren Pebble Time und Pebble Steel, die dank stromsparendem E-Ink-Display 95 und 160 Stunden liefen. Auch die Garmin-Uhr schaffte 120 Stunden am Stück. Allerdings hängen die Lauf­zeiten der Uhren sehr stark vom Nutzungs­verhalten ihres Trägers ab. So war der Garmin-Akku beim permanenten Aufzeichnen von Fitness­daten schon nach sechs­einhalb Stunden erschöpft.

Nachteile der Vernetzung

Mit der Privatsphäre der Nutzer nehmen es Alcatel Onetouch und Garmin nicht so genau. Unver­schlüsselt über­mittelten ihre Uhren die Identifikations­nummer (IMEI) beziehungs­weise eigene Serien­nummer an die Server ihrer Anbieter. Damit lassen sich Nutzungs­profile erstellen. Wegen ihres sehr kritischen Daten­sendungs­verhaltens landen beide Uhren am Tabellen­ende, die Alcatel Onetouch sogar mit mangelhaftem test-Qualitäts­urteil.

Kein Accessoire für jedermann

Massentauglich sind Smartwatches noch nicht, denn trotz ihres stolzen Preises bieten sie kaum Mehr­wert. Sie glänzen nicht mit eigenen Attraktionen, sondern dienen haupt­sächlich als externer Monitor fürs Smartphone. Interes­sant sind die Uhren derzeit für den einen oder anderen Technik-Fan, Otto Normal kommt gut ohne sie aus.

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