Smartphone im Ausland Test

Urlaub mit Handy kann teuer werden. Wer im Ausland unbe­schwert telefonieren und surfen will, muss vor der Reise aktiv werden.

Das Wetter ist schön, das Hotel fabelhaft und das Essen schmeckt.“ Vor nicht allzu langer Zeit ließen Reisende per Telefon kaum mehr aus ihrem Urlaub hören. Heute führen viele Deutsche mit dem Handy Dauer­gespräche aus der Ferien­hängematte. Jeder Zweite surft auch im Ausland mobil im Internet, ergab eine Forsa-Umfrage. 79 Prozent schreiben oder lesen E-Mails, zwei Drittel rufen Informationen über Sehens­würdig­keiten ab. Hinterher bringt eine happige Hand­yrechnung so manchen auf die Palme. Vor der Reise aktiv werden und sich um einen güns­tigen Auslands­tarif kümmern, lautet die Devise. Das trifft selbst bei einem Urlaub inner­halb der Europäischen Union zu. Zwar verpflichtet die EU-Kommis­sion alle Provider, neben ihren eigenen Preismodellen auch den güns­tigen EU-Tarif mit Preis­ober­grenze anzu­bieten. Auto­matisch voreinstellen müssen sie ihn aber nicht.

Der EU-Tarif hat viele Namen

Viele Mobil­funk­firmen verwenden den EU-Tarif tatsäch­lich als Stan­dard­tarif, einige nicht. Erschwerend kommt hinzu: Kunden können das nicht einfach über­prüfen. Jeder Netz­betreiber hat für den EU-Tarif einen anderen Namen. Die Telekom nennt ihn „Welt­weit“, bei Base heißt er „Interna­tional“, bei Vodafone „World“. Kaum einer käme wohl auf die Idee, dass sich dahinter der Tarif für die EU verbirgt. In unserer Tabelle auf Seite 65 haben wir den EU-Tarif mit der Fußnote 3 gekenn­zeichnet. Eine Anfrage beim eigenen Mobil­funk­provider klärt außerdem, welcher seiner Auslands­tarife auf dem Handy voreinge­stellt ist. Die Preis­ober­grenzen für den EU-Tarif sinken bis 2014 jähr­lich. So kosten ab 1. Juli dieses Jahres in allen Ländern der Europäischen Union abge­hende Anrufe maximal 28 Cent pro Minute, einge­hende Anrufe 8 Cent je Minute. Eine SMS schlägt mit 9 Cent zu Buche, pro Megabyte Daten fallen beim Surfen 53 Cent an. Außerdem gibt es für die Internetnut­zung eine Kostenbremse. Hat der Urlauber für etwa 48 Euro Daten herunter­geladen, muss ihn der Provider per SMS warnen. Ab 59,50 Euro ist er verpflichtet, die Daten­über­tragung zu sperren. Erst wenn der Kunde bestätigt, dass er noch mehr Geld ausgeben möchte, darf er den Dienst wieder frei­schalten. Für Anbieter mit Sitz in der EU ist der Kosten­deckel seit 2012 sogar welt­weit Pflicht – sofern das ausländische Netz diese Funk­tion unterstützt.

Alternativen für Plaudertaschen

Nicht immer ist der EU-Tarif güns­tiger als andere Preismodelle der Provider. Welcher Tarif sich rechnet, hängt vom individuellen Nutzungs­verhalten des Urlaubers ab. Ein typisches Beispiel: die „Reise­option“ von O2. Für Quassel­strippen ist dieser Tarif attraktiv, für Wenigtelefonierer eher eine Mogel­packung. Mit der „Reise­option“ kostet der Anruf aus dem europäischen Ausland pro Minute nur 19 Cent. Das sind 9 Cent weniger als im EU-Tarif. Zum Minuten­preis gesellt sich jedoch eine einmalige Gesprächs­gebühr von 75 Cent. Wer weniger als neun Minuten telefoniert, zahlt gegen­über dem EU-Tarif drauf. Dauer­gespräche sind hingegen deutlich güns­tiger. Es ist also ratsam, genau hinzusehen und das Klein­gedruckte im Vertrag zu lesen. Auch einige Fußnoten in der Tabelle auf Seite 65 geben Aufschluss über Fall­stricke aktueller Auslands­tarife.

Kroatien bald auch an Bord

Smartphone im Ausland Test

Nicht alle Länder Europas fallen unter den EU-Tarif. In der Schweiz gelten zum Beispiel teils teurere Tarife, sie ist nicht Mitglied der Europäischen Union. Güns­tiger als bisher wird das Telefonieren im beliebten Reise­land Kroatien. Mit dessen EU-Beitritt am 1. Juli greift dort ebenfalls der EU-Tarif (siehe Karte).

Tipp: Seien Sie aufmerk­sam bei einem Deutsch­land­urlaub in einer Grenz­region. Am Bodensee beispiels­weise kann es passieren, dass Ihr Handy in ein Schweizer Mobil­funk­netz wechselt. Verhindern können Sie das, indem Sie die auto­matische Netz­suche auf Ihrem Handy ausschalten.

Gesalzene Preise an fernen Ufern

Teuer sind Telefonate und Internetnut­zung außer­halb der EU. Ein zehnminütiger Anruf von Thai­land nach Deutsch­land kostet bei Vodafone bis zu 36,30 Euro. Auch für ankommende Anrufe zahlt der Urlauber bis zu 1,84 Euro pro Minute. Besonders ärgerlich: Gespräche, die auf der Mailbox eingehen und dort „Spesen“ anhäufen. Deshalb sollte die Mailbox des Handys auf Fernreisen auch ruhen.

Richtig geschröpft wird die Urlaubs­kasse, wenn der Reisende auch in der Ferne in gewohnter Manier das Internet nutzt. Für ein einziges Megabyte herunter­geladener Daten verlangt zum Beispiel die Telekom im Extremfall von USA- und Türkei-Urlaubern 26,29 Euro. Wer dort ungehemmt per Smartphone seine Mails abruft, sich zum nächsten Restaurant navigieren lässt und nach Öffnungs­zeiten von Museen sucht, hat schnell mehrere hundert Euro auf der Rechnung. Das Roaming in der Ferne lassen sich die Anbieter teuer bezahlen. Der Begriff steht für das Telefonieren und Surfen in einem fremden Netz.

Beim Surfen sparen

Surfen ohne finanzielles Risiko können Urlauber, die sich bei ihrem Netz­betreiber ein Auslands­paket besorgen. Das nennt sich „Option“ und rentiert sich in erster Linie für Vielnutzer. Geschnürt werden Gesamt­pakete fürs Telefonieren und Surfen, aber auch reine Sprach- oder Daten­optionen. Netz­betreiber Base bietet Prepaid­kunden unter anderem ein EU-Internetpaket für 4,99 Euro an. Es gilt sieben Tage inner­halb der EU und erlaubt, 50 Megabyte Daten zu verbrauchen. Dasselbe Volumen würde im EU-Tarif 26,50 Euro kosten. Achtung: Ist die vereinbarte Daten­menge über­schritten, greift meist wieder der teurere Stan­dard­tarif für Roaming.

Im Hotel gratis ins Internet

Am effektivsten spart der Urlauber, wenn er gratis auf das hotel­eigene WLan zugreift. Das Pass­wort für den Zugang erhalten Gäste in der Regel problemlos an der Rezeption. Erweist sich der Internet­anschluss der Ferien­anlage als breitbandig genug, ist sogar Internettelefonie via Skype und Co. möglich. Aber Vorsicht bei WLan! Sensible Daten wie beim Online­banking sollten über diese teils ungeschützten Netze nicht gesendet werden.

Mit Karte durchs Tarifdi­ckicht

Mit einer Prepaidkarte des Urlaubs­landes telefonieren Reisende häufig preis­werter als mit Auslands­tarif. Eine solche Karte zu besorgen, ist in vielen Staaten jedoch schwierig oder sehr aufwendig. Abge­sehen von Sprach­barrieren gibt es oft Hürden wie geforderte Identifikations­nach­weise. Etwas leichter geht es, wenn der Interes­sent die Guthabenkarte über Internetanbieter bereits in Deutsch­land kauft. Grund­voraus­setzung ist, dass das Handy nicht für bestimmte Sim-Karten oder Netze gesperrt ist (Simlock oder Netlock). Die Mühe lohnt sich haupt­sächlich für Lang­zeit­urlauber.

Simpel, aber effektiv: Wer im Urlaub keine schwindel­erregende Rechnung produzieren will, deaktiviert zumindest das Daten­roaming. Natürlich lässt sich ein Urlaub auch dazu nutzen, mal so richtig abzu­schalten.

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