Smartphone Meldung

Ein Smartphone weiß viel über seinen Besitzer – und dank permanenter Internet­verbindung kann es dieses Wissen weitergeben. Das wirft Daten­schutz­fragen auf. Ein aufsehen­erregendes Beispiel lieferten um Ostern zwei britische Software-Entwickler. Ihr Programm „iPhone Tracker“ veranschaulichte die Ortungs­daten auf einer Land­karte, die auf Apples iPhones unver­schlüsselt gespeichert waren. Nun konnte jeder selbst sehen: Ein iPhone weiß, wo es über­all war. Zuvor hatten Forscher bereits gewarnt, dass viele iPhone-Apps persönliche Daten wie Adress­buch­einträge und die individuelle Gerätekennung an ihre jeweiligen Anbieter schi­cken (test.de berichtete in der Meldung „Datenlecks in Apps“). Dieses Problem betrifft nicht nur das iPhone. So warnt der Berliner Daten­schutz­beauftragte in seinem Jahres­bericht 2010 besonders auch mit Blick auf „soziale Apps“ wie die von Facebook: „Da Smartphones immer aktiv sind und ständig mitgeführt werden, entstehen leicht umfang­reiche Interes­sens- und Bewegungs­profile.“ Recht­lich sei dem bislang kaum beizukommen. Meist sitzen die App-Anbieter außer­halb der EU. Auch die Möglich­keiten zum Selbst­schutz sind begrenzt. Das Handy­betriebs­system Android zeigt immerhin vor der Installation einer neuen App, welche Zugriffs­rechte diese bean­sprucht. Ein Spiel, das ohne erkenn­baren Grund Zugriff auf Adress­buch und Internet will, werden umsichtige Nutzer nicht installieren. Doch auf Ebene der Betriebs­systeme und der zugehörigen App-Stores fällt solche Zurück­haltung schwer. Wer auf seinem Handy Apps installieren will, muss sich gegen­über dem Platt­form­betreiber identifizieren. Apple, Google oder Microsoft könnten also zumindest theoretisch immer wissen, wo sich die Nutzer ihrer Handy­betriebs­systeme gerade befinden und wo ihre Interessen liegen. Ein Smartphone zu nutzen, wird so zu einem großen Vertrauens­vorschuss gegen­über dem Anbieter.

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