Smartphone-Abofallen Special

„Emojis“ können mit dem Chat-Dienst Whatsapp verschickt werden. Im Jahr 2015 waren die bunten Gesichter Teil einer Betrugs­masche. Wer „animierte Smileys“ auf das Smartphone laden wollte, landete in einer Abofalle und zahlte 12 Euro pro Woche. Vor solchen Betrügereien schützt eine Drittanbieter­sperre. Kunden haben ein Recht darauf. Finanztest sagt, wie Mobil­funk­kunden gegen unbe­rechtigte Abbuchungen vorgehen und sich vor Abzo­ckern schützen können.

Von möglichen Kosten keine Rede

Die Nach­richten, die im vergangenen Jahr über den Chat-Dienst Whatsapp verschickt wurden, klangen harmlos und gerade für junge Mobil­funk­nutzer verlockend: „Sieh dir die neuen animierten Smileys für Whatsapp an, da schmeißt du dich vor lauter Lachen weg!“ Die Empfänger wurden aufgefordert, einen Werbebutton anzu­tippen. Von möglichen Kosten war keine Rede.

Abogebühren ohne Gegen­leistung

Kunden, die der Aufforderung nach­kamen, tappten geradewegs in eine Abofalle – und hatten über­haupt nichts zu lachen. 12 Euro wöchentlich wurden ab sofort auf ihre Mobil­funk­rechnung aufgeschlagen und vom Konto abge­bucht. Besonders frech: Für das Geld gab es keinerlei Gegen­leistung. Das Unternehmen Whatsapp bietet keine „animierten Smileys“ an. Die lachenden Gesichter, die auch Emojis genannt werden, können bislang nur als unbe­wegte Bilder vers­endet werden. Und zwar kostenfrei.

Häufige Betrugs­masche

Die dreiste Abzocke ist kein Einzel­fall. Immer wieder entdecken Mobil­funk­kunden unbe­kannte Posten auf ihren Rechnungen, sie lesen dort Bezeichnungen wie Premium­dienste oder Mehr­wert­dienste, Fremdanbieter oder Drittanbieter. Bezahlen soll der Kunde dann für Apps, Klingeltöne, Downloads, Spiele, Bild­schirm­schoner, Routenplaner, Anrufe bei Sonder­nummern und manchmal auch für Dienst­leistungen, die nicht weiter benannt werden. In der Regel werden Abos abge­bucht, seltener einzelne Leistungen. Oft können sich die Mobil­funk­kunden nicht daran erinnern, etwas herunter­geladen zu haben – und zahlen dennoch. In Abofallen tappen Kunden auf unterschiedlichen Wegen. Mitunter genügt es, ein unauffäl­lig wirkendendes Werbebanner anzu­tippen, manchmal senden auch Handyviren die Verbindungs­daten an betrügerische Firmen.

Sperre gegen Abzo­cker

Gegen dubiose Forderungen sollten sich Mobil­funk­kunden wehren. Am besten ist es allerdings, solche Kosten gar nicht erst entstehen zu lassen. Das stellt sicher, wer vorsorglich einen Schutz gegen die Abzocke akti­viert, indem er sich mit einer sogenannten Drittanbieter­sperre schützt. Der Begriff Drittanbieter­sperre bedeutet: Nur die Kosten für Mobil­funk­dienste wie Telefonate, SMS oder Daten­nutzung dürfen nach Akti­vierung mit der Hand­yrechnung abge­bucht werden, andere Leistungen wie kosten­pflichtige Dienste von Apps nicht. Im Tele­kommunikations­gesetz wurde 2012 fest­gelegt, dass Netz­betreiber kostenlos diesen Schutz einrichten müssen – jedoch nur, wenn ein Kunde dazu aufgefordert hat.

Drittanbieter­sperre lässt sich unkompliziert einrichten...

Drittanbieter­sperren können Kunden unkompliziert per Post, Mail, Telefon, in den Filialen der Mobil­funkanbieter oder auf deren Internet­seiten einrichten lassen. Dadurch wird die Bezahl­funk­tion WAP-Billing, die Smartphones und oft auch Tablets als Voreinstellung haben, abge­schaltet. Selbst still­legen kann ein Kunde die Funk­tion nicht.

... hat aber auch Nachteile

Einziger Nachteil einer Drittanbieter­sperre: Auch Angebote von seriösen Anbietern, die mit WAP-Billing arbeiten, können nicht mehr herunter­geladen werden. Wer zum Beispiel häufig Tickets des öffent­lichen Nahverkehrs oder Park­scheine auf sein Smartphone lädt, kann diese Dienste meist nicht mehr nutzen (Unser Rat).

Viele Mobil­funkanbieter informieren nur unzu­reichend

Drittanbieter­sperren sind bei Lauf­zeit­verträgen und Prepaidlösungen möglich. Gerade Eltern, die für ihren Nach­wuchs einen Mobil­funk­vertrag abschließen, sollten sie immer akti­vieren lassen. Das Problem: Längst nicht alle Kunden wissen von dieser Möglich­keit. Das ist kein Wunder. Bislang informieren viele Mobil­funkanbieter nur unzu­reichend. Das zeigt auch die neue Unter­suchung zum Thema Mobilfunkberatung der Stiftung Warentest, die in der Mai-Ausgabe unserer Schwesterzeit­schrift test (test 5/2016) erscheint. Untersucht wurde darin, wie gründlich Mobil­funk­firmen ihre Kunden vor einem Vertrags­abschluss über die Konditionen beraten. „Die Aufklärung zum Thema Drittanbieter­sperre war enttäuschend“, so das Fazit von Projektleiterin Simone Vintz. Obwohl die Test­personen vorgaben, einen Einsteiger­vertrag für ein Kind abschließen zu wollen, hatten die Berater oft nicht auf die Möglich­keit, eine Sperre einzurichten, hingewiesen.

Mobil­funkanbieter kassieren mit

Einer der Gründe für die miese Informations­politik: Einige Mobil­funkanbieter kassieren bei solchen Geschäften ordentlich mit und haben deshalb offen­bar nur wenig Interesse aufzuklären. In der Praxis funk­tioniert das so, dass Mobil­funkanbieter dem Drittanbieter die Leistungen abkaufen und zu einem über­höhten Preis ihren Kunden in Rechnung stellen.

Beispiel: Kostet ein sogenannter Premium­dienst monatlich 5,99 Euro, ist es durch­aus möglich, dass Mobil­funkanbieter und Drittanbieter von den Kunden jeweils die Hälfte kassieren – ein einträgliches Geschäft für beide Seiten.

So gehen Sie gegen dubiose Abos vor

Findet jemand einen ungewollten Posten auf der Rechnung, empfiehlt sich rasches Handeln. Ist er auf ein Drittanbieterabo herein­gefallen, sollte der Kunde es nach Rechnungs­zugang schriftlich bei diesem Drittanbieter widerrufen. Eigentlich gelten für Widerrufe zwei Wochen Frist. Bei Abofallen dieser Art wurden Kunden aber normaler­weise nicht über ihr Widerrufs­recht informiert. Damit entfällt die kurze Frist, Kunden haben dann deutlich mehr Zeit. Sicher­heits­halber widerrufen sie das Abo zusätzlich bei ihrem Mobil­funkanbieter. Unabhängig davon sollten Kunden beim Anbieter die Rechnung bean­standen (Unser Rat). Dazu haben sie bis zu acht Wochen nach Zugang der Rechnung Zeit.

Im Zweifel an die Verbraucherzentrale wenden

Manchmal reicht das und das Geld wird zurück­über­wiesen. Antwortet ein Mobil­funkanbieter auf die Briefe des Kunden nur mit einem Stan­dard­schreiben, in dem er mitteilt, dass die Abbuchung recht­mäßig oder er nicht zuständig sei, sollte der Kunde das nicht auf sich beruhen lassen. Er sollte erneut nach­fragen und sich gegebenenfalls an die Verbraucherzentrale wenden.

Einzel­posten nicht einfach auslassen

Unbe­rechtigte Posten einfach nicht zu zahlen, ist riskant, besonders bei Lauf­zeit­verträgen. Mobil­funkanbieter können ab 75 Euro Rück­stand die Sim-Karte sperren, die Vertrags­kosten aber weiter erheben, sofern der Kunde die Rechnung nicht bean­standet hatte. Dubiose Posten auf der Hand­yrechnung sind jedoch ein Anlass, sofort zu reagieren und sich zu wehren.

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