Smarte Sicher­heits­systeme: Nur ein System bietet halb­wegs Schutz

Smarte Sicher­heits­systeme - Nur ein System bietet halb­wegs Schutz

Gerissenes Sicher­heits­netz. Ist die Zentrale lahmgelegt, verlieren Kamera, Sirene, Bewegungs-, Fenster- und Türöffnungs­melder meist ihre Wirkung.

Keins schneidet gut ab. Schwach­punkt ist die Zentrale. Wird der Stecker gezogen oder fällt der Strom aus, sind drei von vier Sicher­heits­anlagen kein Hindernis für Eindringlinge.

„Ihr bestimmt, wer rein­kommt und wer nicht – Ihr Zuhause kümmert sich darum.“ Mit diesem und ähnlichen Versprechen werben Anbieter wie die Telekom für smarte Sicher­heits­systeme zum Selbst­einbau für jedermann.

Unser Rat

Einzig akzeptables smartes Sicher­heits­system ist das befriedigende eQ-3 Home­matic IP. Seine Zentrale ist zwar schlecht vor Sabotage geschützt, das Risiko lässt sich aber mit einem versteckten Aufstell­ort und Absicherung per Bewegungs­melder verringern. Die Anlage kostet mit rund 380 Euro weniger als die übrigen Sicher­heits­systeme sowie Alarmanlagen zum Selbsteinbau.

Einfache Systeme zum Selbst­einbau

Das Angebot klingt verlockend: Für einige Hundert Euro erhalten Käufer die Möglich­keit, ihr Haus mit einem umfassenden und einfach per App zu bedienenden Alarm­system abzu­sichern. Bewegungs­melder, Öffnungs­sensoren für Fenster und Türen, Kameras, Sirene – die Anbieter versprechen ein einziges System zur Wohn­raum­über­wachung und für Alarm­funk­tion bis hin zur Steuerung von Rollo, Licht- und Stereo­anlage, um Eindringlinge abzu­wehren beziehungs­weise im Glauben zu wiegen, es sei jemand zu Hause. Anders als für die meisten professionellen Alarm­systeme müssen dafür auch keine Kabel verlegt oder aufwendige Baumaß­nahmen vorgenommen werden: Die Anlagen arbeiten per Funk und eignen sich daher auch für Mieter.

Vier dieser smarten Systeme hat die Stiftung Warentest auf ihre Sicher­heits­funk­tion geprüft: Devolo Home Control, Home­matic IP von eQ-3, Innogy Smarthome und Telekom Magenta Smarthome. Wir wollten zum Beispiel wissen: Wie belast­bar sind die Sicher­heits­netze und wie leicht lassen sie sich von Laien knüpfen?

Günstig, aber nicht gut

Das Ergebnis beunruhigt: Keins der vier Systeme schneidet gut ab. Am besten schlägt sich eQ-3 mit befriedigender Gesamt­note – mit 380 Euro für unser Modell­haus zugleich die güns­tigste Anlage im Test (Testergebnisse Smart Home Systeme mit Sicherheitsfunktionen). Die drei anderen Anlagen mit Preisen von 620 bis 650 Euro sind nur ausreichend. Das erinnert an unseren Test von Alarm­anlagen zum Selbst­einbau in Heft 11/2017. Von den damals geprüften vier war nur eine befriedigend, eine ausreichend und zwei mangelhaft.

Fazit: Systeme zum Selbst­einbau bieten nicht die gleiche Sicherheit wie professionelle Alarm­anlagen. Dafür sind sie deutlich güns­tiger als die Anlagen vom Profi, die mehrere Tausend Euro kosten.

Strom­ausfall reißt Lücke ins System

Alle Systeme im Test haben die gleiche Sicher­heits­lücke: ihre Zentralen. Diese Knoten­punkte, an denen alle Fäden zusammen­laufen, stellen ohne Warnton oder Hinweis auf das Smartphone des Besitzers den Betrieb ein, wenn der Strom ausfällt oder der Stecker gezogen wird. Unacht­same Putz­kraft, spielende Kinder, ungebetener Party­gast: Jeder, der Zugang zur Zentrale hat, kann diese ausschalten – und mit ihr alle ange­schlossenen Bewegungs-, Fenster- und Türöffnungs­melder. Einbrecher haben dann freie Bahn. Ärgerlich: Mit einem Abriss­alarm und handels­üblichen Batterien wäre diese Sicher­heits­lücke leicht zu stopfen.

Nur eQ-3 schließt diese Lücke teil­weise: Fällt die Steuerungs­zentrale aus, bleiben die Melder des Home­matic-Systems als Einzige im Test in Kontakt mit der Innensirene. Somit warnt die Anlage bei einem Einbruch zumindest im Haus befindliche Bewohner. Ist niemand daheim, wenn die Einbrecher zuschlagen, kann der Alarm aber ungehört verhallen.

Tipp: Verstecken Sie die Zentrale im Haus und sichern Sie sie mit einem Bewegungs­melder. Achten Sie außerdem darauf, dass dabei das Funk­netz zwischen Zentrale und Meldern nicht reißt.

Schutz vor Sabotage

Der Anbieter eQ-3 sichert zudem als Einziger im Test die Innensirene sowie die Bewegungs-, Fenster- und Türöffnungs­melder vor Sabotage. Macht sich ein Unbe­fugter an einem der Melder zu schaffen, schlägt die Sirene Alarm und der Besitzer erhält eine Push-Nach­richt auf sein Smartphone. Versucht jemand, die Innensirene des eQ-3-Systems abzu­reißen oder zu zerstören, beginnt sie zu heulen.

Auch Devolo schützt immerhin seine Sirene auf diese Weise. Die Heuler von Innogy und Telekom dagegen beant­worteten derart dreiste Sabo­tagever­suche in unserem Prüf­labor mit stoischem Schweigen.

Von Außensirenen raten wir übrigens ab. Wer damit lieb­äugelt, sollte sich des Risikos von Fehl­alarmen bewusst sein: Sie erschüttern die Glaubwürdig­keit des Sicher­heits­systems, strapazieren den Gedulds­faden der Nach­barn und die eigenen Nerven. Wer Hund oder Katze hält, sollte damit rechnen, dass der Vier­beiner den Bewegungs­melder immer wieder auslöst.

Tipp: Mit Fern­alarm aufs Handy und integrierter Kamera wie bei Telekom und Innogy können Tierhalter prüfen, wer den Alarm ausgelöst hat. Die übrigen Systeme lassen sich mit separaten Kameras samt App ergänzen (Test Überwachungskameras).

Bedienung will gelernt sein

Erfreulich: Montage und Inbetrieb­nahme der smarten Sicher­heits­systeme funk­tionierte in allen Fällen gut und damit ähnlich leicht wie bei den 2017 geprüften Alarm­anlagen zum Selbst­einbau. Die Hand­habung fiel unseren Prüfern dagegen oft etwas schwerer – selbst dort, wo smarte Systeme eigentlich punkten sollten, etwa bei der Vergabe von Nutzerberechtigungen, wie man sie für die Kinder oder die Putz­hilfe braucht. Erläuterungen der Anbieter, wie die App zu bedienen und das Alarm­system einzustellen ist, waren nur bei eQ-3 Home­matic leicht verständlich.

Schwach: Kein Anbieter im Test bietet Garan­tien für Updates von App oder Software seiner Systeme. So ist nicht gewähr­leistet, dass bekannte Sicher­heits­lücken im System schnell geschlossen werden. Gibt zudem ein Anbieter auf dem stark umkämpften Smart-Home-Markt auf und stellt seinen Service ein, ist die einge­baute Technik wegen der fehlenden Aktualisierungen nicht mehr sicher nutz­bar – und Investitions­kosten von mehreren Hundert Euro sind hinfäl­lig (Test Smart-Home-Zentralen).

Tipp: Investieren Sie vor dem Einbau von Alarm­systemen in einbruchhemmende Technik wie Tür- und Fens­tersicherungen (Special Einbruchschutz). Sehen Sie mit den Augen eines Einbrechers auf Ihr Zuhause: Wo würden Sie eindringen? Wie weiter vorgehen? Unter polizei-beratung.de finden Sie unabhängige Ansprech­partner in Ihrer Nähe. Weitere Tests von Alarm­anlagen bis Schließ­zylinder finden Sie auf unserer Themenseite Alarmanlage und Einbruchschutz.

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