Small-Cap-ETF Special

Die Aktien kleiner Börsen­unternehmen waren in der Vergangenheit oft sehr erfolg­reich. Mit Indexfonds können Anleger auf diese Nische setzen. Die Experten von Finanztest erklären, wie man sich in diesem Markt sicher bewegt – und welche Börsen­titel interes­sant für Anleger sein könnten.

Die wichtigsten Tipps vorab in Kürze

Anleger. Small-Cap-ETF sind eine sinn­volle Ergän­zung Ihrer Aktien­anlage. Sie eignen sich aber nur als 10- bis 15-prozentige Beimischung des Aktien­bestand­teils. Einen Sparplan auf einen Small-Cap-ETF sollten Sie nur dann abschließen, wenn Sie regel­mäßig größere Summen entbehren können und der Löwen­anteil in eine breite Basis­anlage wie einen MSCI-World-ETF fließt.

Auswahl. Wenn Sie ein kleines Depot mit weniger als 10 000 Euro haben, nehmen Sie am besten einen marktbreiten Small-Cap-ETF für den europäischen Aktienmarkt. Für große Depots empfehlen wir, mehrere ETF zu kombinieren.

Kauf. Setzen Sie beim Kauf stets ein Limit. Direkt­bank­kunden können sich vorher auf Platt­formen wie comdirect.de oder euwax.de über die aktuellen Kurse an verschiedenen Börsenplätzen informieren.

Mit dem Welt­index auf der sicheren Seite

Wer breit gestreut in Aktien anlegen möchte, ist mit dem Welt­index MSCI World auf der sicheren Seite. Er enthält alle großen Firmen aus den USA, Europa, Japan und anderen Industrienationen. Börsen­gehandelte Indexfonds (ETF) auf den Weltaktienmarkt sind eine einfache und preis­werte Möglich­keit, sich an der globalen Börsen­entwick­lung zu beteiligen. Anleger, die mehr heraus­holen wollen, können das mit der Beimischung kleiner Aktien versuchen. Die kleinen Werte waren in der Vergangenheit oft besonders erfolg­reich. Wir zeigen, welche ETF sich für die Idee eignen.

Kleine Aktiengesell­schaften sind im MSCI World nicht vertreten

Der MSCI World bildet den größten Teil des Börsen­wertes aller Industrieländer ab, enthält aber keine kleinen Unternehmen. Small Caps können Anleger mit ETF ergänzen, für die noch kleineren Micro Caps gibt es noch keine ETF-Angebote.

Small-Cap-ETF Special

Joker für Profianleger

Small Caps sind kleine Aktiengesell­schaften, die in den wichtigen Aktienindizes keine Rolle spielen. Dort ist der Börsen­wert eines Unter­nehmens das Maß aller Dinge. Er ergibt sich, indem man die Anzahl der frei handel­baren Aktien mit dem aktuellen Börsenkurs multipliziert. Je höher der Börsen­wert, desto stärker ist ein Unternehmen im Index gewichtet. Im Index MSCI World sind Aktien mit geringem Börsen­wert gar nicht vertreten. Der Index ist so konstruiert, dass er mit rund 1 600 Aktien 85 Prozent des Börsen­wertes aller west­lichen Industrieländer abbildet. Die fehlenden 15 Prozent verteilen sich auf sage und schreibe 10 000 Aktien, davon rund 4 300 Small Caps und 5 700 noch kleinere Micro Caps. Die Small Caps sind eine Art Joker für Vermögens­verwalter und Fonds­manager. Durch Beimischung kleiner Titel können sie versuchen, die Entwick­lung eines Index wie des MSCI World zu toppen.

Breit streuender Small-Cap-ETF als Lösung

Privat­anleger hatten früher kaum Möglich­keiten, diese Idee umzu­setzen. Denn die Beimischung einzelner Small-Cap-Aktien ist riskant, ausländische Titel sind zudem in Deutsch­land oft schwer handel­bar. Die Lösung über einen Index mit kleinen Aktiengesell­schaften bietet ihnen nun einen bequemen Ausweg. Ein breit streuender Small-Cap-ETF macht die Anlage­nische für alle zugäng­lich. Der Blick in die Vergangenheit zeigt, warum Small Caps bei Börsenkennern gut ankommen. Ihre durch­schnitt­lichen Renditen lagen meist deutlich höher als die des Gesamt­marktes. Auf den ersten Blick wirken Small Caps wie eine sichere Wette, aber das trifft nicht zu. Es gab Börsen­phasen, in denen sie viel schlechter abschnitten als der breite Markt. In den vergangenen fünf Jahren brachten zum Beispiel US-amerikanische Small Caps keine bessere Rendite als die großen US-Werte. Vor allem drohen Anlegern in Krisen­zeiten mit Small Caps besonders herbe Verluste. Auf hohe Wert­schwankungen sollten sie ohnehin gefasst sein.

Kleine Aktien liefen den großen davon

Sogenannte Small-Cap-Aktien erzielten in den vergangenen 15 Jahren eine deutlich bessere Wert­entwick­lung als der breite globale Aktienmarkt.

Small-Cap-ETF Special

Einfach und preis­wert kaufen

Unser Produktfinder Investmentfonds enthält auch viele Small-Cap-Fonds­gruppen, aufgeschlüsselt nach Ländern und Regionen. Ein Button ermöglicht es Anlegern, aus jeder Fonds­gruppe die Indexfonds heraus­zufiltern. Small-Cap-ETF können Anleger anschließend einfach über die Börse kaufen. Direkt­bank­kunden führen die Order am Computer selbst aus, Filial­bank­kunden beauftragen ihren Bank­berater. Wie viel der Kauf kostet, hängt vom Gebührenmodell der Bank ab. Bei den preis­wertesten Direkt­banken Flatex und Onvista Bank zahlen Anleger nur 5 Euro plus Börsenspesen, bei den meisten Filial­banken ist etwa 1 Prozent der Anlagesumme fällig.

10 bis 15 Prozent sind vertret­bar

Als Basis­anlage kommen Small-Cap-ETF wegen ihrer Risiken nicht infrage, wohl aber als Beimischung für ein Wert­papierdepot. Wir halten einen Anteil von 10 bis 15 Prozent für vertret­bar. Bei einem Depotvolumen von weniger als 10 000 Euro sollten sich Anleger auf einen Small-Cap-ETF beschränken. Als markt­breite Lösung empfehlen wir für sie den db x-trackers MSCI Europe Small Cap Ucits ETF (DR) 1C, der kleine Unternehmen von allen entwickelten europäischen Börsenplätzen zusammenfasst. Anleger mit großen Depots können mehrere ETF kombinieren. Sinn­voll ist eine Fifty-fifty-Mischung zweier Regionen-ETF. Wenn der Einsatz auf drei bis vier Small-Cap-ETF verteilt wird, darf ruhig auch ein Schwellenländer- oder ein Deutsch­land-ETF dabei sein.

Immobilien, Internet und Fußball

Für einheimische Anleger ist es natürlich naheliegend, den Blick auf deutsche Small Caps zu richten. Anders als bei den meisten ausländischen Unternehmen können sie sich unter deren Geschäfts­feldern oft etwas vorstellen. Im SDax, dem bekann­testen deutschen Index für kleine Aktien, gibt es eine Reihe von Immobiliengesell­schaften, Internet­unternehmen wie Scout 24 und Rocket Internet, aber auch Spezial­titel wie den Fußball­ver­ein Borussia Dort­mund oder die Aktie des Hamburger Hafens. Ein ETF auf den SDax, der 50 Small Caps zusammenfasst, ist keine schlechte Wahl, hat aber Besonderheiten, die Anleger kennen sollten. Die Deutsche Börse als Anbieter der Dax-Indizes verwendet andere Kriterien als der Indexanbieter MSCI. Dessen Indizes orientieren sich strikt am Börsen­wert, unabhängig davon, ob sie sich auf eine Region, Branche oder bestimmte Unter­nehmens­größen beziehen.

Interes­sant: Kleine deutsche Aktiengesell­schaften

Aus unserer Sicht wäre für die Anlage in kleine deutsche Aktiengesell­schaften der MSCI Germany Small Cap die beste Lösung. Er enthält zurzeit 116 Titel. Ein ETF für diesen Index wird aber noch nicht angeboten. Die Small Caps aus dem MSCI-Index verteilen sich auf drei Dax-Indizes: den MDax, SDax und TecDax. Davon ist nur der SDax ein echter Small-Cap-Index. Der MDax bietet dagegen eine bunte Mischung aus kleinen, mittel­großen Unternehmen und sogar einem Groß­konzern: Der deutsch-französische Luft­fahrt­riese Airbus wäre mit einem Börsen­wert von rund 50 Milliarden Euro ein klarer Kandidat für den Dax, wo er aber wegen seiner Besitz­verhält­nisse und zu geringer Börsen­umsätze nicht landen durfte. Im MDax sind ausländische Aktiengesell­schaften dagegen zugelassen. Das schafft nicht nur im Falle Airbus Konflikte mit dem Image des MDax, der oft als Mittel­stands­index bezeichnet wird. Der TecDax richtet seinen Fokus nicht auf die Größe der Unternehmen, sondern fasst gezielt „Zukunfts­branchen“ wie Software, Tele­kommunikation und Biotechnologie zusammen. Darunter sind auch einige kleine Firmen, die folg­lich dem SDax fehlen.

Besser regional als national anlegen

Deutlich breiter als mit den drei genannten Dax-Indizes stellen sich Anleger auf, wenn sie einen ETF auf europäische Small Caps wählen. Mit dem MSCI Europe Small Cap verteilen sie ihren Einsatz auf rund 900 Titel. Unter den zehn größten Positionen finden sich Firmen wie der britische Verpackungs­spezialist Surfit Kappa, der auch im TecDax vertretene Internetbezahl­dienst­leister Wirecard und das Schweizer Chemie­unternehmen Clariant. Keine dieser Aktien hat ein hohes Gewicht im Index, zusammen­genommen machen die Top 10 weniger als 6 Prozent aus. Zum Vergleich: Im SDax sind die zehn größten Titel zurzeit mit 37 Prozent gewichtet. Weniger breit gestreut und anders zusammengesetzt ist der Index Stoxx Europe 200 Small Cap. Auf Fünf­jahres­sicht liegt er um rund 4 Prozent­punkte pro Jahr hinter dem MSCI Europe Small Cap, der für Anleger in diesem Segment die beste Wahl darstellt.

US-Small-Caps mit langer Tradition

Es verwundert nicht, dass die USA als welt­weit führende Börsennation auch die traditions­reichsten Small-Cap-Indizes haben. Der Russel 2000 wurde vor mehr als 30 Jahren entwickelt und findet in der Anla­gebranche große Beachtung. Mit seinen 2000 Titeln liefert er Anlegern einen sehr breiten Einstieg in kleine US-Unternehmen. In den vergangenen fünf Jahren brachten die ETF auf den Russel 2000 eine ähnlich gute Rendite wie die ETF auf andere US-Small-Cap-Indizes. Der beste in dieser Gruppe ist zurzeit der iShares S&P SmallCap 600 Ucits. Er liegt sogar vor den beiden markt­breiten Small-Cap-ETF iShares MSCI USA Small Cap Ucits und ComStage MSCI USA Small Cap Ucits. Für Anleger, die auf diesen Ausschnitt der US-Börsen setzen wollen, sind aber alle drei Fonds in Ordnung.

Der breiteste ETF ist nicht bewertet

Die bequemste Lösung wäre ein globaler Aktienfonds, der Unternehmen aller Größen enthält. Nur der US-amerikanische Anbieter State Street hat so ein Angebot: Sein ETF SPDR All Country World IMI bildet die Wert­entwick­lung von rund 9 000 Aktien aus 45 entwickelten Ländern und Schwellenländern ab, darunter Small Caps. Das Problem des SPDR-Fonds ist sein geringes Volumen von weniger als 40 Millionen Euro. Er erfüllt damit nicht alle Kriterien für die Finanztest-Punkte­vergabe. Wir halten das geringe Volumen gerade bei einem derart großen Anla­gespektrum für einen Makel. Wenn ein Fonds für seinen Betreiber nicht rentabel ist, könnte er irgend­wann einge­stellt werden. Anleger hätten dann zusätzlichen Aufwand. Sie sollten auch wissen, dass der ETF den Index mit Original­aktien nach­bildet, dafür aber zurzeit nur etwa 900 der rund 9 000 Titel heran­zieht. Wie genau sich mit dieser als Sampling bezeichneten Methode der Index auf Dauer abbilden lässt, bleibt abzu­warten. Es gibt auch ETF auf globale Small Caps. Von State Street zum Beispiel ist der SPDR MSCI World Small Cap Ucits ETF. Er eignet sich gut zur Depotbei­mischung, ist aber zu jung für eine Bewertung. Im Produktfinder Fonds finden Sie umfang­reiche Informationen zu insgesamt rund 18 000 ETF und gemanagten Fonds.

Finanztest Spezial „Anlegen mit ETF“

Small-Cap-ETF Special

Unser Finanztest Spezial Anlegen mit ETF enthält Bewertungen und Detail­informationen zu mehr als 650 ETF. Wir erklären ausführ­lich, wie bequeme Anleger aus Indexfonds ein Pantoffel­portfolio bauen können, informieren über güns­tige Kauf­quellen und Steuerfragen und sagen, wie sich mit ETF bestimmte Anlageideen umsetzen lassen. Das Heft bekommen Sie für 8,50 Euro am Kiosk und im test.de/shop.

Dieser Artikel ist hilfreich. 18 Nutzer finden das hilfreich.