Skitouren Meldung

Wer bei einer organisierten Skitour abseits der Pisten verletzt wird oder einen Angehörigen verliert, hat wenig Chancen, vom Reiseveranstalter Schadenersatz oder Schmerzensgeld zu erhalten. Nach einem Urteil des Landgerichts München I dürfen Unternehmen ihre Haftung in allgemeinen Geschäftsbedingungen auf Vorsatz und grobe Fahrlässigkeit beschränken (Az. 6 O 11871/00). Auch die Werbung, man veranstalte Touren mit "sicheren Anstiegen" verschärfe die Haftung nicht.

Entschieden wurde damit ein Fall, bei dem 14 Teilnehmer einer geführten Bergtour durch eine Lawine getötet worden waren. Eine Überlebende klagte gegen den Veranstalter. Dieser hätte seinen Bergführern die Tour untersagen müssen, unter anderem weil die Lawinengefahr nach dem Lawinenbericht "erheblich" gewesen sei. Für das erlittene Leid durch den Tod ihres Mannes und eigene Verletzungen forderte die Überlebende Ersatz ­ ohne Erfolg.

Das Reiseunternehmen hätte bei der Auswahl der ausgebildeten und ortskundigen Bergführer alles richtig gemacht. Diesen sei auch richtigerweise die Entscheidung über die Durchführung der Tour überlassen worden. Auch den Bergspezialisten konnte das Gericht kein grob fahrlässiges oder gar vorsätzliches Fehlverhalten nachweisen, für das dann der Veranstalter hätte einstehen müssen.

Die Bergführer hatten den Teilnehmern das Überqueren eines lawinengefährdeten Hanges gestattet, ohne Sicherheitsabstände anzuordnen. Zwar wäre dadurch die Lawine möglicherweise vermieden worden. Dieses Fehlverhalten sei aber nur eine "Nachlässigkeit" gewesen. Das Gericht hielt den Bergführern zugute, dass sich das Unglück bereits in Sichtweite des Ziels ereignet hatte. Das nahe Ende der Tour habe auf die Führer "eine psychologisch entspannende Wirkung" gehabt.

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