Sie sollen warm halten, gut sitzen und die Fahrbefehle verlustfrei auf die Skier übertragen. Ob das klappt, zeigen neun Skistiefel für Herren und zehn für Damen im Test.

Wirklich elegant sieht es nicht aus, wenn die Skifahrer beim Einkehrschwung mit steifer Hüfte in die Hütte staksen. Daran ändert auch die Gehfunktion nicht viel, mit der einige Skistiefel ausgerüstet sind (im Test nur der Damenstiefel von Dalbello). Dabei wird ein Gelenk am Stiefel gelöst, was das Laufen erleichtern soll. Aber Skistiefel sind ja in erster Linie nicht zum Gehen da, sondern zum Skifahren. Und dafür eignen sich die meisten bestens. Mit 16 der 19 getesteten Modelle lassen sich die Skier „gut“ oder „sehr gut“ steuern. Lediglich der Lowa AM 110 für Herren und die Damen-Skistiefel von Salomon und Tecnica zeigten hier Schwächen.

Unsere Partnerorganisation, der österreichische Verein für Konsumenteninformation VKI, hat 19 Skistiefel in der gehobenen Preisklasse untersucht, 9 für Herren und 10 für Damen. Diese eher harten Modelle sind zwar für sportliche Fahrer ausgelobt, sie eignen sich aber auch gut für weniger routinierte Pistenfans. Wer hier spart, für den reduziert sich möglicherweise auch der Spaß beim Skifahren.

In Italien und Rumänien hergestellt

Für 270 bis 450 Euro kann man gute Qualität erwarten – und bekommt sie meist auch. Skistiefel sind Hightechprodukte, die aus weit über 100 Einzelteilen bestehen. Zum großen Teil müssen sie von Hand zusammengebaut werden. Und das geschieht nicht, wie bei Sport- und anderen Artikeln oft üblich, in Fernost, sondern in Europa. Die meisten Skistiefel werden in Italien und Rumänien hergestellt.

Die Außenschale besteht aus hochwertigen Kunststoffen mit verschiedenen Härtegraden für Fußteil und Schaft. Absatz und Sohle sind in den meisten Fällen austauschbar (nicht bei Lange Super exclusive und bei Rossignol jeweils nur der Absatz). Ihre Größe ist genormt, damit sie optimal in die Skisicherheitsbindung passen und eine einwandfreie Auslösung garantieren.

Als Verschluss hat sich bei allen Anbietern ein System mit vier Schnallen durchgesetzt, die jeweils mit einer Feinjustierung ausgestattet sind. Die Head-Stiefel haben eine Besonderheit. An den oberen Schnallen befinden sich hier ausklappbare Verlängerungen, womit sie sich etwas einfa­cher schließen lassen (siehe Foto).

Innenschuhe optimal anzupassen

Zuvor muss man aber erst einmal hineinschlüpfen. Was früher manchmal eine Tortur war, ist inzwischen meist einfach, vor allem bei den Damenmodellen. Man zieht die Zunge des Innenschuhs an der daran befestigten Schlaufe weit nach vorn und erhält so eine größere Einstiegsöffnung.

Die Innenschuhe, meist hochwertig verarbeitet, sind thermoverformbar, das heißt sie können durch Erwärmen weich gemacht und der Fußform genau angepasst werden. Diese Prozedur sollte beim Fachhändler durchgeführt werden und kann bei Bedarf zwei- bis dreimal wiederholt werden. Salomon bietet jeweils auch noch eine thermoverformbare Schale, was den Halt im Damenstiefel aber nicht verbessert. Bei fünf Skistiefelmodellen kann zudem die Ferse angehoben werden (siehe Testtabelle).

Frauen haben oft einen tieferen Wadenansatz als Männer. Deshalb ist der Schaft der Damenmodelle etwas niedriger, und einige sind mit einer verstellbaren Manschette ausgerüstet, womit der obere Schaft­umfang vergrößert werden kann.

Schuhschaft lässt sich neigen

Der Abstand zwischen Fuß und Skistiefel-Außenschale sollte möglichst gering sein, sonst geht das Gefühl der direkten Führung des Skis verloren. Zu eng darf der Skistiefel aber auch nicht sitzen, sonst bilden sich Druckstellen. Fuß und Stiefel müssen genau aufeinander eingestellt werden. Eine weitere Möglichkeit der Anpassung bietet das Kanting. Abgeleitet vom englischen canting, deutsch neigbar, bezeichnet es die Möglichkeit, den Schuhschaft seitlich nach innen oder außen zu kippen. Damit lassen sich durch X- oder O-Beine hervorgerufene Fußfehlstellungen ausgleichen.

Skischuhe werden in sogenannten Mondopoint-Größen verkauft, die die Fußlänge angeben. Die getesteten Stiefel liegen zwischen 22 und 31,5, was etwa den Schuhgrößen 35 bis 49 entspricht. Die Vorfußbreite beträgt 98 bis 106 Millimeter. Wer einen eher schmaleren oder breiteren Fuß hat, sollte den Händler darauf hinweisen

Auf dem Schuh gibt der Anbieter noch andere Werte an, zum Beispiel die Sohlenlänge, die für die Einstellung der Bindung wichtig ist. Der Flexindex (wie 90, 100, 110) informiert über die Härte des Skistiefels. Je höher der Wert, desto direkter ist die Kraftübertragung auf den Ski. Deshalb greifen sportliche Fahrer zu härteren Schuhen. Für Anfänger sollten sie aber nicht zu weich sein. Achtung: Der Flexindex ist nicht genormt und kann deshalb nicht zwischen verschiedenen Marken verglichen werden.

Zu guter Letzt sollen Skistiefel die Füße auch warm halten. Bei den Modellen von Fischer hapert es daran aber etwas. Für Abhilfe könnte eine Sohlenheizung sorgen. Der Damenschuh ist wie acht weitere Modelle dafür vorbereitet. Die Sohle mit Kabel und der Akku müssen dazugekauft werden. Atomic liefert die beheizbare Sohle beim Hawx 90 Woman schon mit. Fehlt nur noch der Akku und dann gehts ab auf die Piste.

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