Für alle. Auch Könner tragen Helm. Gerade in schwierigem Gelände lauern unwäg­bare Risiken.

Kaum ein Winter­sportler saust ohne Kopf­schutz talwärts. Gute Helme gibt es ab 90 Euro, für 100 Euro einen Testsieger. Ein Modell ist mangelhaft.

Ein neuer Tag über den Hintertuxer Alpen. Der Schnee glitzert in der Morgen­sonne. Sieben erfahrene Renn­läufer lassen ihre Ski laufen. Die rasante Fahrt über die Gletscherpiste dient nicht nur ihrem Vergnügen. Sie erfüllen einen Auftrag.

Das beein­druckende Gebirgs­panorama ist Kulisse für unseren Ski- und Snowboard­helmtest. Jeder der Renn­läufer nutzt im Praxis­test jeden Helm und notiert seine Eindrücke. Geprüft wurden zehn Markenhelme zu Preisen von 90 bis 235 Euro. Die meisten erreichen ein gutes oder wenigs­tens befriedigendes test-Qualitäts­urteil. Der POC Fornix aber wurde wegen krebs­erzeugender Stoffe im Kinn­polster auf mangelhaft abge­wertet. Und der Salomon Ranger2 verliert Punkte im Prüf­punkt Unfall­schutz.

Strenger als die Norm

Das Test­team. Erfahrene Renn­läufer, die wissen, worauf es beim Helm ankommt.

Die getesteten Helme sind sogenannte Klasse-B-Helme – komfortable Halb­schalen für Frei­zeitskiläufer, deren Ohren nur durch wärmende Polster bedeckt werden. Die Schale von Klasse-A-Helmen schützt auch die Ohren. Diese Voll­schalenhelme sind eher für Renn­läufer gemacht und müssen laut Norm höheren Kräften standhalten. Warum aber sollten Frei­zeitmodelle nicht auch den höheren Sicher­heits­anforderungen der Renn­helme genügen? Im Test der Stiftung Warentest kann ein Ski- oder Snowboard­helm nur dann gut abschneiden, wenn er die höheren Auflagen für die A-Helme erfüllt. Genügt er lediglich der Frei­zeitnorm, erreicht er bestenfalls die Note ausreichend.

Kern der Tests sind die Stoß­dämpfung und die Durch­stich­festig­keit. Die ist wichtig, damit beispiels­weise Skistock­spitzen beim Sturz den Helm nicht durch­stechen. Alle Produkte erfüllen die harte A-Norm-Prüfung bei der Durch­stich­festig­keit mit Bravour – nur nicht Salomon Ranger2. Der genügt aber der B-Wertung und schneidet daher ausreichend ab. Bei der Stoß­dämpfung werden die Kräfte am Kopf bei einem Aufprall auf eine harte Fläche gemessen. Casco, Giro und Uvex schneiden gut ab und sind damit unsere erste Empfehlung.

Jetzt wäre es toll, wenn der sicher­heits­bewusste Skiläufer in den Laden gehen und sich nach Lust und Laune einen der besten Helme aussuchen könnte. Doch wer auf Anhieb einen gut sitzenden Helm findet, hat schlicht Glück. Die Kopf­formen sind zu verschieden. „Nehmen Sie sich Zeit zum Anpro­bieren“, rät Andreas König, Sicher­heits­experte des Deutschen Skiverbands.

Besser nicht im Versand­handel kaufen

Klick und zu. Ein guter Helm­verschluss muss auch mit Hand­schuhen gut zu bedienen sein.

Ein Helm schützt nur, wenn er passt. Die Schale darf weder zu groß noch zu klein sein. Die Polster müssen sich angenehm an die Schädel­decke schmiegen. Es darf keine Druck­stellen geben. Die können auf Dauer richtig wehtun. Der Kopf­umfang als Auswahl­kriterium spielt eine unterge­ordnete Rolle. Häufig stimmt die Anbieter­angabe nicht mit der tatsäch­lichen Größe über­ein. Deshalb empfiehlt es sich, besser bei einem gut sortierten Fachhändler zu kaufen als per Versand. Der bietet auch die meisten der im Test vertretenen Marken an.

Tipp: Probieren Sie die Helme in der Reihen­folge der Test­ergeb­nisse an. Den Besten zuerst, dann die anderen Guten. Wenn keiner der Guten passt: Greifen Sie zur Not auch zu einem Modell mit befriedigendem Unfall­schutz, wenn es perfekt sitzt.

Auch zu bedenken: Nicht jeder Helm passt zu jeder Skibrille, weil der Gesichts­ausschnitt von Modell zu Modell unterschiedlich ist. Wer einen neuen Kopf­schutz kaufen will, sollte seine Skibrille deshalb zur Anprobe mitnehmen. So zeigt sich schnell, ob beispiels­weise der Helmrand auf die Brille und damit auf die Nase drückt. Optimaler­weise lässt der Helm ein wenig Platz – aber nicht zu viel. Das könnte sonst bei Schnee­treiben lästig werden.

Die Hersteller bieten auch für diesen Fall eine Problemlösung an: Skibrillen, die an die Helme angepasst sind. Wir haben die Brillen zum Helm auf Kompatibilität geprüft. Nur beim Head Varius häuften sich Klagen über unangenehmen Druck auf die Nasenwurzel.

Das Gummi­band der Skibrille wird mit einem kleinen Fänger am Helm befestigt, beim Casco zusätzlich mit einem komfort­ablen Magnethalter. So bleibt das Band immer in Position. Wer die Skibrille abnimmt, hebt sie auf den Helmrand über seiner Stirn. Dort bleiben die kompatiblen Skibrillen auch sitzen, wenn der Helm nass und rutschig ist. Außer beim Giro: Die Brille rutschte vom Helm. Das ist lästig, wenn sie für die Weiterfahrt wieder an die korrekte Position gefummelt werden muss.

Visier statt Brille

Eindrücke. Vor der Fahrt wird der Helm erst kontrolliert und dann individuell einge­stellt.

Wer mit der Skibrille nicht klar­kommt: Ein Helm mit Visier könnte die Lösung sein. Der österrei­chische Verein für Konsumenten­information hat Visierhelme getestet.

Tipp: Die Testergebnisse von 2015 finden Sie online.

Nach fünf Jahren austauschen

Nach einem Unfall muss der Helm ausgetauscht werden. Und wenn nichts passiert ist? Je nach Intensität der Nutzung des Helms geht der Tüv Süd von einer Lebens­dauer von drei bis fünf Jahren aus. Das bestätigen auch die Anbieter. Selbst ohne Benut­zung empfiehlt beispiels­weise Uvex, den Helm nach acht Jahren auszutauschen.

Uvex p1us und Head Varius haben wir im August gekauft. Auf beiden stehen falsche Produktions­daten: Die Einstempelung im Uvex-Helm unter dem Polster zeigt Dezember 2016. Auf dem Uvex-Aufkleber steht das – hoffentlich – richtige Datum, Mai 2016. Head hat zwei Produktions­daten auf dem Aufkleber: Q3/2016, bedeutet wohl drittes Quartal 2016, und Dezember 2016. Damit gibt sich der Helm für den Käufer deutlich jünger, als er ist.

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