Skihelme und Skibrillen Test

Ausgerechnet für die Kleinen ist das Skizubehör oft schlechter als das für Erwachsene. Im Test überzeugte nur jeder sechste Skihelm und jede vierte Skibrille.

Auf der Piste übernehmen Kinder und Jugendliche die Vorbildfunktion: Rund 90 Prozent tragen einen Skihelm. Nur jeder zweite Erwachsene schützt sich damit vor Schädel- und Hirnverletzungen. Für die Großen ist der Helm freiwillig, für die Kleinen oft nicht. Längst gilt für sie in Skischulen sowie in ganz Italien, Slowenien, Kroatien die Helmpflicht. Auch viele Bundesländer Österreichs haben sie jetzt erlassen oder geplant – außer Vorarlberg, Tirol. Dort setzt man wie in Deutschland ­auf Eigenverantwortung. Eine Pflicht für Skibrillen besteht nirgendwo. Doch kaum jemand verzichtet auf sie: Sie schützen vor UV-Licht, Zug, Fremdkörpern und verbessern die Sicht.

Eigentlich sollte das Skizubehör für den Nachwuchs nur kleiner sein als für Erwachsene, doch es ist tendenziell schlechter. Das zeigen Tests unserer österreichischen Partnerorganisation VKI, Verein für Konsumenteninformation: Nur 2 von 12 Helmen und 4 von 16 Schlechtwetterbrillen sind „gut“. In entsprechenden Tests für Erwachsene waren 6 von 15 Helmen „gut“ (Test Ski- und Snowboardhelme für Erwachsene) und 10 von 17 Brillen (Test Skibrillen für Erwachsene).

Helme mit deutlichen Schwächen

Einige Juniorhelme haben deutliche Schwächen. Bei einem Sturz könnten sich Steine, Zweige, Skistöcke durch die Schale von fünf Modellen bohren. Sie erfüllen also nicht die strengen Forderungen für Skihelme der Klasse A, die Maßstab im Test waren.

Auch kritisch: Bei acht Helmen löste sich die Notöffnung am Kinnriemen erst bei einer Zugbelastung von mehr als 100 Kilo. Bliebe ein Skifahrer damit zum Beispiel am Lift hängen, könnte er sich strangulieren.

Halbe Melone mit Brillenlasche

Skihelme und Skibrillen Test

Klicken am Kopf: Die Lasche am Helm, die das Band der Skibrille umschließt, lässt sich mit einem Druckknopf öffnen und schließen. Alternative Halterungen für die Brille sind abnehmbare Plastikbügel, seitliche Haken, einfache Führungsschienen. Doch nicht alle halten die Brille, sie kann dann abrutschen und verloren gehen.

Elf der zwölf Helme im Test sind Halbschalenhelme. Sie sehen aus wie halbe Melonen mit Luftschlitzen und Ohrenpolstern, sind eher leicht (330 bis 520 Gramm). Schwere Helme können auf Dauer stören. Der einzige Vollschalenhelm im Test, der Flash von SH+, ist der schwerste (570 Gramm). Er reicht wie ein Motorradhelm über die Ohren, Geräusche sind schlechter zu hören.

Ein zeitgemäßer Helm hat hinten eine Vorrichtung, um das Band der Skibrille zu befestigen. Praktisch und verbreitet ist eine Lasche, die sich per Druckknopf schließen lässt. Für breite Brillenbänder darf sie aber nicht so eng sein wie beim Carrera Top Fun.

Skibrillen mit nur mäßigen Scheiben

Die Welt wartet noch auf die zeitgemäße Skibrille, die leicht austauschbare Scheiben für verschiedene Wetterlagen hat. Noch empfehlen sich zwei Brillen: eine Schönwetterbrille mit braunen oder grauen Scheiben gegen grelles Licht und eine Schlechtwetterbrille. Ihre Scheiben in zartem Rosa, Gelb oder Orange können aufhellen und Konturen verschärfen. Die Scheiben der Brillen im Test bestehen allerdings anders als viele Modelle für Erwachsene nicht aus besonders widerstandsfähigem Kunststoff. Die Folge: Die Scheiben der Juniorbrillen waren nur mäßig schlagfest. Würde beim Sturz etwas daraufprallen, könnten sie aufs Auge drücken. Übrigens: Eine doppelte Scheibe senkt bei fast allen Modellen die Gefahr, dass Dinge richtig ins Auge gehen. Nur die Alpina Fire bietet den Extraschutz mit ihrer Einfachscheibe nicht.

SH+ Shadow mit weniger UV-Schutz

Skigebiete liegen in Höhen, wo UV-Strahlen selbst bei trübem Himmel wesentlich stärker als im Flachland sind. Augenärzte empfehlen, dass eine Skibrille UV-Strahlen mit einer Wellenlänge von bis zu 400 Nanome­tern filtern sollte. Diese Strahlen könnten Augen und Netzhaut sonst schädigen. Kinder sind dem UV-Licht übermäßig ausge­setzt, weil der natürliche Lichtschutz ihrer Augen noch nicht ausgereift ist. Erfreulich: 15 Skibrillen im Test bieten zuverlässigen UV-Schutz, nur die Shadow (SH+) nicht.

Zwei Uvex-Skibrillen nicht robust

Absetzen, beiseitelegen, draufsetzen – der VKI hat das vorzeitige Ende vieler Skibrillen simuliert: Ein Erwachsener setzte sich auf jede Brille, die in fünf Positionen auf einem Stuhl lag. Bei Casco Powder Jr., Uvex Onyx und Comanche knickten die Scheiben.

Schadstoffe in Skihelmen und -brillen

Wärme und Schweiß können Schadstoffe aus dem Skizubehör lösen. Über die Haut können sie in den Körper dringen. Der Atomic-Helm fiel durch ein Flammschutzmittel auf. Es steht in Verdacht, Krebs zu erzeugen. Der Brillenschaumstoff von Carrera Kimerik S und Uvex Comanche enthielt giftiges Phenol. In Casco Powder Jr. steckte der fortpflanzungsschädigende Weichmacher DEHP.

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