Skihelme Test

Bequeme Helme, die bei einem Sturz schützen, gibt es viele. Acht Modelle sind gut. Ein Skihelm aus dem Hause Atomic fährt den Sieg ein.

Oben mit ist sicherer. Obwohl die Zahl der Skiunfälle in den vergangenen Jahren stetig abnahm, ist der Anteil der Kopf­verletzungen leicht gestiegen. 6 400 deutsche Skifahrer mussten in der letzten Winter­saison nach einem Unfall im Kranken­haus behandelt werden. Das zeigt eine Auswertung des Versicherers Arag. Etwas mehr als 10 Prozent verletzten sich am Kopf, in der Vorsaison waren es 8,8 Prozent.

Immer weniger Helmmuffel

Immerhin fahren inzwischen drei von vier Skisport­lern mit Helm, in der Schweiz sind es sogar 84 Prozent. Kinder tragen erfreulicher­weise fast immer einen Helm. In einigen Ländern sind junge Skifahrer bis etwa 15 Jahren zum Helm­tragen gesetzlich verpflichtet, beispiels­weise in Italien, Polen und in einigen Bundes­ländern in Österreich. Mit Strafen müssen Eltern bei einem Verstoß aber kaum rechnen, das Gesetz soll in erster Linie das Bewusst­sein für das Helm­tragen fördern.

Welche Skihelme für Erwachsene am besten geeignet sind, zeigt ein Test unserer österrei­chischen Part­ner­organisation VKI, Verein für Konsumenten­information. Auf der Piste und im Labor mussten 17 Modelle in der Preisklasse von 100 bis 150 Euro ihre Qualitäten unter Beweis stellen.

Spitzes dringt nicht durch

Für den Ernst­fall sind alle getesteten Helme gewappnet. Die Stoß­dämpfung ist mindestens befriedigend. Ein härterer Aufschlag kann den Helmen also nicht viel anhaben. Auch spitze Gegen­stände, beispiels­weise Skistöcke, haben keine Chance, die Helm­schalen zu durch­dringen. Beim vergangenen Test (siehe 12/2009) zeigten noch zwei Modelle deutliche Probleme im Prüf­punkt Durch­stich­festig­keit, dieses Mal ist das Ergebnis durchweg sehr gut.

Tipp: Tauschen Sie den Helm nach einem heftigen Aufprall aus Sicher­heits­gründen aus. Auch wenn kein Schaden zu erkennen ist, können versteckte Beschädigungen am Material dazu führen, dass der Helm nicht mehr ausreichend schützt.

Kinn­riemen im Notfall nicht optimal

Skihelme Test

Gut kombinieren. Damit es nicht zieht oder drückt, müssen Skihelm und -brille zusammenpassen. Einen Test von Skibrillen bringen wir im nächsten Heft.

Aber nicht in allen Punkten haben die Anbieter ihre Lektion gelernt. Nach wie vor bemängeln die österrei­chischen Tester die Reiß­festig­keit der Kinn­riemen. Sie öffnen sich bei einem Unfall meist nicht leicht genug. Das kann zu Strangulation und Kehl­kopf­verletzungen führen, wenn der Skifahrer mit dem Helm an einem festen Gegen­stand hängen bleibt. 13 Helme sind hier nur ausreichend. Da die Norm für Skihelme keine Vorgaben für den Notfall macht, haben die Tester die Norm für Schutz­helme heran­gezogen. Danach müssten sich die Riemen bei einer Belastung von 50 bis 100 Kilogramm öffnen. Bei den Skihelmen wurden Auslösewerte bis annähernd 160 Kilogramm gemessen. Dass es auch sicherer geht, zeigen die Modelle von Atomic, Red, Uvex und Wintex.

Zu starke Geräusch­dämmung

Skihelme gibt es in zwei Bauformen: Voll- und Halb­schale. Bei Voll­schalen­konstruktionen deckt die Helm­schale die Ohren ab. Getestet wurden Halb­schalenhelme, bei denen die Ohren durch flexible, abnehm­bare Polster geschützt werden.

Die Ohrschützer sollten schall­durch­lässig sein, damit der Skifahrer die Umge­bungs­geräusche wahr­nehmen kann. Die Helme von Cratoni, Giro, Head und Wintex sind in diesem Punkt etwas problematisch, da sie Außen­geräusche zu stark dämmen. Einige Anbieter möchten Skifahrer sogar zum Musikhören animieren, indem sie die Ohrschützer mit einem Reiß­verschluss für eine leichtere Verkabelung ausstatten – keine gut durch­dachte Ausstattung.

Neben einem hohen Sicher­heits­stan­dard ist die Pass­form des Skihelms das wichtigste Auswahl­kriterium. Ob er richtig sitzt, kann man nicht auf die Schnelle ausprobieren. Meist ist es so, dass ein Helm erst nach längerem Gebrauch seine Trageeigenschaften offen­bart. Ein anfäng­liches Engegefühl kann nach einiger Zeit verschwinden oder ein scheinbar perfekt passendes Modell kann plötzlich drücken. Wichtig ist in jedem Fall ein fester Sitz. Der Helm sollte auch bei ruck­artigen Bewegungen nicht verrutschen.

Tipp: Ob der Helm fest sitzt, können Sie durch leichtes Kopf­schütteln bei geöff­netem Kinn­riemen prüfen. Die Position des Helmes darf sich dabei nicht ändern.

Viele Skihelme verfügen für die Feinjustierung über ein Kopf­band. Der Skifahrer stellt es mit einem am Hinterkopf befindlichen Verstell­rädchen oder Rasterband enger oder weiter. Zwei Anbieter, Salomon und Red, versuchen es mit einem Pump­system. Der Mecha­nismus von Salomon funk­tioniert gut, der des Red-Helmes weniger: Das Luft­polster liegt zu hoch und drückt unangenehm auf den Hinterkopf.

Bei den Skihelmen von Poc und TSG kann der Nutzer die Pass­form mithilfe von Pads optimieren. Die befestigt er per Klett­verschluss an der Innenseite des Helmes. Das erwies sich jedoch weder als komfortabel noch als flexibel. Komfortabel ist ein Helm, wenn sein Träger alle Funk­tionen auch mit Skihand­schuhen einfach einstellen kann. Das gilt für die Riemen, die Belüftung und die Halterung für die Skibrille.

Tipp: Nehmen Sie am besten neben der Skibrille auch die Hand­schuhe zum Helmkauf mit. Skihelm und Brille müssen unbe­dingt zusammenpassen. Zwischen Brille und Helm sollte kein Freiraum bleiben. Sonst kann der Fahrt­wind unangenehm durch­blasen. Gleich­zeitig darf der Helm die Brille nicht auf die Nase drücken; das würde den Fahr­spaß erheblich stören.

Immer noch Schad­stoffe

Leider sind Schad­stoffe auch bei diesem Test ein Thema. Problematisch ist vor allem der Skihelm von Cratoni. Hier fanden die Tester einen erhöhten Gehalt an bestimmten Weichmachern (Phthalate), die als gesund­heits­gefähr­dend einge­stuft werden. Sie können auf den menschlichen Hormon­haushalt wirken und die Fort­pflan­zungs­fähig­keit beein­trächtigen.

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