Skibrillen Test

Bei Sonnenschein macht Skifahren doppelt Spaß. Eine „gute“ Brille sorgt für blendfreien Durchblick und schützt vor schädlichen UV-Strahlen.

Beim Skifahren ist die Belastung durch ultraviolette Strahlung etwa doppelt so hoch wie beim Gebirgswandern im Sommer. Gras reflektiert gerade einmal 3 Prozent des UV-Lichts, beim Schnee sind es 85 Prozent. Aber nicht nur die Reflexion ist ein Problem, das Licht wird mit zunehmender Höhe auch intensiver. Pro 1 000 Meter nimmt die UV-Strahlung um rund 10 Prozent zu. Ein optimaler Strahlenschutz ist im Gebirge also unerlässlich.

Carrera mit geringerem UV-Schutz

Unsere österreichische Partnerorganisation VKI, der Verein für Konsumenteninformation, hat 17 Schönwetterskibrillen untersucht. Die Auswahl war nicht ganz einfach, weil die Modelle nicht eindeutig deklariert sind. Die Norm definiert je nach Lichtdurchlässigkeit fünf Kategorien – von null bis vier. Die Kategorien drei und vier werden für Sonnenscheinwetter empfohlen.

Die unsichtbaren UV-Strahlen sollten immer gefiltert werden, und zwar bis zu einer Wellenlänge von 400 Nanometer, so die einhellige Expertenmeinung. Das schaffen alle Skibrillen im Test bis auf die Carrera Kimerik. Da sie aber wenigstens noch die in der Norm geforderten 380 Nanometer erfüllt, wurde sie nicht stärker als auf „durchschnittlich“ abgewertet.

Schönes Wetter, schlechtes Wetter

Eine hochwertige Skibrille schützt die Augen aber nicht nur vor schädlicher UV-Strahlung, sondern auch vor Wind, Wetter und Verletzungen und sorgt für eine beschlagfreie, klare Sicht. In den Bergen verschwinden ein blauer Himmel und gleißender Sonnenschein mitunter innerhalb weniger Minuten hinter dicken grauen Wolken. Wetterum­schwünge können Skifahrer unerwartet treffen. Skibrillen sorgen bei jedem Wetter für einen guten Durchblick – wenn man die richtigen Gläser zur Hand hat. Helle gelb- oder orangefarbene Scheiben sind meist für schlechtes Wetter geeignet. Denn sie lassen viel Licht durch und haben oft eine aufhellende Wirkung (Test Skibrillen 1/2007). Bei strahlendem Sonnenschein sind dunkle, zum Beispiel braune oder graue Scheiben die richtige Wahl. Sie absorbieren viel mehr sichtbares Licht und bieten einen blendfreien Blick auf die Piste.

Scheiben schwierig zu wechseln

Da bei allen getesteten Skibrillen die Scheiben ausgetauscht werden können, reicht eigentlich eine Brille für alle Wetterbedingungen. Allerdings ist der Scheibentausch häufig kein Vergnügen. Und selbst wenn es einfach geht, muss man sehr vorsichtig zu Werke gehen, damit die empfindliche Beschichtung auf der Innenseite der Scheiben nicht beschädigt wird. Am besten gefiel den Testern der Scheibenwechsel bei der adidas-Brille. Bei ihr können die Scheiben auch mitsamt der Fassung aus dem Brillenrahmen genommen werden.

Fast alle sind verspiegelt

Bei den meisten der getesteten Skibrillen sind die Scheiben zumindest leicht verspiegelt. Ihre Lichtdurchlässigkeit reicht von 4 Prozent (Uvex Ultrasonic) bis 24 Prozent (Giro Root). Zum Vergleich: Bei den Schlecht­wetterbrillen lagen die Werte meist zwischen 45 und 84 Prozent. Wie stark der Abdunkelungseffekt sein muss, ist individuell verschieden. Was dem einen schon zu dunkel ist, kann bei einem lichtempfindlichen Menschen immer noch eine unangenehme Blendung hervorrufen.

Nicht alle sitzen gut mit Helm

Wie Ski und Bindung sollten auch Skibrille und Helm eine Einheit bilden. Doch nicht alle Brillen sitzen gut mit Helm. Bei manchen ist das Trageband nicht genügend dehnbar, bei anderen rutscht die Brille auf der glatten Helmoberfläche nach hinten, und manchmal drückt der Helm die Brille so stark auf die Nase, dass die Atmung des Skifahrers behindert wird.

Tipp: Kaufen Sie Skihelm und Skibrille immer zusammen. Achten Sie darauf, dass beide gut sitzen und zueinander passen.

Scheibenbruch bei den Uvex-Brillen

Neben dem Licht- und Wetterschutz muss eine Skibrille die Augen des Wintersportlers auch vor Fremdkörpern bewahren. Alle Skibrillen im Test sind mit Doppelscheiben ausgerüstet. Bei der Schlagprüfung zeigte sich der Vorteil dieses Systems: Die meisten Brillen überstanden die Prüfung unbeschadet. Selbst wenn die Außenscheiben eingedrückt wurden oder gar zu Bruch gingen, blieben die Innenscheiben intakt. Das heißt: Im Ernstfall, zum Beispiel bei einem Zusammenstoß mit einem anderen Skifahrer, wäre das Auge höchstwahrscheinlich unversehrt geblieben. Mit einer Brille, die lediglich eine Scheibe hat, könnte dies dagegen böse ins Auge gehen.

Bei der Schlagfestigkeitsprüfung trifft ein kugelförmiger Prüfkörper mit einer Kraft von 1,2 Kilonewton auf die Brillenscheiben. Während man vielen Brillen den Aufschlag kaum ansah, gingen die äußeren Scheiben der beiden Uvex-Modelle zu Bruch. Die Innenscheiben hielten. Dennoch ein erstaunliches Ergebnis, denn Uvex ist nicht irgendein Anbieter, sondern „die Nummer 1 auf dem internationalen Skibrillenmarkt“, so die eigene Aussage.

Es liegt wohl am Material. Die meisten Brillenscheiben bestehen aus Polycarbonat, einem festen und vor allem nicht splitterndem Kunststoff. Die „sphärisch gespritzte, polarisierende Doppelscheibe“ aus Macrolon, die Uvex als Weltneuheit anpreist, hat offenbar noch Schwächen.

Nicht auf die Bollé Nova setzen

Die Bollé Nova hat ebenfalls Probleme mit der Stabilität der Scheiben. Die Schlagfestigkeitsprüfung hat sie zwar bestanden, wenn auch leicht eingedellt, beim Belastungstest haben sich die Scheiben jedoch derart verbogen, dass sie unbrauchbar wurden und durch neue ersetzt werden mussten. Dieser Test simuliert das versehentliche Draufsetzen auf die Skibrille, wie es beispielsweise in Skihütten vorkommt.

Die Oberflächen der Scheiben sind empfindlich. Vor allem verspiegelte Scheiben können leicht zerkratzt werden. Im Test wurde die Beständigkeit der Scheibenoberfläche mit einem spitzen Bleistift geprüft, was bei allen Modellen leichte Spuren hinterließ. Ein schwerer Mangel ist das nicht, zerkratzte Scheiben können aber das Auge irritieren. Chemische Einwirkungen – mit Sonnencreme geprüft – haben den Oberflächen dagegen nichts anhaben können.

Empfindlicher Beschlagschutz

Damit sie nicht so schnell beschlagen, haben alle Brillen auf der Innenseite der Scheiben eine Anti-Fog-Beschichtung. Es empfiehlt sich, damit vorsichtig umzugehen. Eine falsche Behandlung dieser empfindlichen Schicht kann ihre Wirkung schnell zunichte machen. Darauf weisen aber nicht alle Gebrauchsanleitungen hin.

Tipp: Wischen Sie auf keinen Fall mit bloßem Finger oder Handschuhen in der Brille herum, wenn bei einem Sturz Schnee hin­eingekommen ist. Klopfen Sie den Schnee am besten heraus und lassen Sie die Brille anschließend an der Luft trocknen.

Einen vollständigen Schutz gegen das Beschlagen bietet aber auch eine intakte Beschichtung nicht. Bei größeren Temperaturwechseln, zum Beispiel von der kalten Piste in die wärmere Gondel oder wenn der Skifahrer stark schwitzt, sind die Brillenscheiben schnell beschlagen.

Je weniger das Blickfeld durch die Skibrille und den Helm eingeschränkt wird, desto sicherer fühlt sich der Skifahrer. Bei drei Brillen, Giro Root, Casco Airwolf und CP Ipanema, stören Wülste oder Innenspiegelungen den Durchblick. Auch der Sichtbereich ist nicht immer optimal. Sie können das beim Kauf selbst beurteilen.

Tipp: Öffnen Sie die nach vorn gestreckten Arme langsam. Bis zu einem Winkel von rund 160 Grad sollten Ihre Arme zu sehen sein. Achten Sie auf störende Ränder oder Wülste im Nasenbereich.

PAK im Schaumstoff

Der Schaumstoff von 13 Brillen enthält PAK (polyzyklische aromatische Kohlenwasserstoffe) – in den meisten Fällen nur in geringen Mengen, sodass die Bewertung der Schadstoffe noch „gut“ oder „durchschnittlich“ lauten konnte. Nur bei der Skibrille Marker Striker wurden so hohe Werte gemessen, dass man von einem Gesundheitsrisiko ausgehen kann. PAK können über die Haut in den Körper gelangen, was durch den Schweiß beim Skifahren noch verstärkt wird. Viele der gefundenen PAK wirken krebserzeugend, fruchtschädigend und erbgutverändernd. In einer Stellungnahme gegenüber dem VKI teilte Marker mit, dass zukünftig nur noch PAK-freie Schaumstoffe verwendet werden sollen.

Die Verpa­ckung von vier Brillen enthält PVC, ein Kunststoff, der kaum verrottet und bei der Verbrennung oder Deponierung zu Problemen führen kann. Frei von Schadstoffen waren nur die Giro Root, die Smith Fuse und die beiden CP-Skibrillen.

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