Ski- und Snowboardhelme Test

Skihelm und Brille müssen unbedingt zusammenpassen.

Immer mehr Ski- und Snowboardfahrer sind mit Helm unterwegs. Stabile und bequeme Modelle für Erwachsene gibt es ab 100 Euro.

Helme schützen – das ist bekannt. Doch es muss erst etwas passieren, damit aus der Erkenntnis praktisches Handeln wird. So stieg die Nachfrage nach Skihelmen Anfang dieses Jahres nach dem Unfall des ehemaligen Ministerpräsidenten von Thüringen, Dieter Althaus, extrem an. Bei dem tragischen Zusammenstoß starb eine 41 Jahre alte Frau. Der Unfall hatte eine Diskussion um eine Helmpflicht für Skifahrer ausgelöst. In Zeitungsumfragen sprachen sich rund drei Viertel dafür aus.

Doch kein Gesetz, sondern die Vernunft befiehlt weiterhin das Helmtragen. Welche Modelle am ehesten infrage kommen, zeigt ein Test unserer österreichischen Partneror­ganisation VKI, Verein für Konsumentenin­formation. Sie stellte 15 Ski- und Snowboardhelme für Erwachsene von 80 bis 160 Euro auf den Prüfstand.

Zwei nicht sicher gegen Spitzes

Ski- und Snowboardhelme Test

Skihelme altern durch die intensive UV-Bestrahlung im Gebirge. Deshalb sollten sie nach drei bis fünf Jahren ausgetauscht werden, empfehlen die Anbieter. Ebenso nach einem Unfall, auch wenn auf der Außenschale keine sichtbaren Beschädigungen zu sehen sind.

Ein perfekter Helm muss den Kopf optimal schützen, gut sitzen und einfach zu handhaben sein. Der VKI hat Halbschalenhelme getestet. Im Unterschied zu Vollschalenmodellen umschließen sie nicht die Ohren, sondern schützen sie mit Polstern. Der Carrera-Helm hat eine Hartschalen-Ohrabdeckung, die zumindest das Gefühl vermittelt, einen Vollschalenhelm zu tragen.

Bei einem Aufprall schützen die meisten Skihelme mindestens „gut“. Casco und R.E.D. sind gegen spitze Gegenstände aber nicht stabil genug. Skistöcke zum Beispiel können ihre Kunststoffschalen durchdringen. Anders als alle übrigen Helme erfüllen sie nicht die härtere Klasse A bei der Durchstichfestigkeit, sondern nur Klasse B. So ist ihr Ergebnis „weniger zufriedenstellend“.

Der Scott-Helm drückt

Beim Test der Stoßdämpfung fällt ein Prüfkopf mit Helm aus einer Höhe von zirka 1,5  Meter auf eine Metallplatte – diese Prüfung haben alle Modelle bestanden.

Damit der Skihelm nicht als notwendiges Übel empfunden wird, ist es wichtig, dass er gut sitzt. Doch genau daran hapert es bei fünf Modellen. Die Tester bemängeln vor allem die Passform von Scott. Dieser Helm drückt seitlich und an der Stirn, was das Skivergnügen nachhaltig verleiden kann.

Schwierig an den Kopf anzupassen

Individuelle Anpassungsmöglichkeiten helfen nur bedingt weiter und sind manchmal sehr umständlich zu handhaben. So ist die Kopfbandschnellverstellung, mit der sich der Helm besser am Kopf fixieren lassen soll, mit Handschuhen oft kaum möglich. Bei Atomic, Carrera, Head, Smith und Scott sind die Rädchen oder Schieber zu klein und schwergängig. Manchmal ist das Kopfband auch zu dünn und nicht vollständig gepolstert, was zu einem unangenehmen Drücken führt. Fraglich ist, ob diese Einstellung überhaupt notwendig ist. Der Testsieger Bollé zeigt, dass der Helm auch ohne Kopfbandverstellung passen kann.

Kinnriemen meist gut verstellbar

Der Kinnriemen lässt sich bei den Skihelmen entweder mit Schnapp- oder mit Rasterverschluss verstellen. Bei den meisten Modellen funktionierte das Anpassen auch mit Handschuhen.

Die Helme wiegen zwischen 340 und 580 Gramm. Erstaunlich: Trotz dieses großen Unterschieds ähnelt sich das subjektive Gewichtsempfinden. Die Tester empfanden nur Smith und SH+ als etwas schwerer.

Sauber und durchgelüftet

Das Innenfutter ist bei den meisten Helmen zum Waschen herausnehmbar, was sich nach einem schweißtreibenden Skiurlaub durchaus empfiehlt. Auch eine gute Belüftung ist hilfreich, vor allem im März und April, wenn die Sonne schon ordentlich einheizt. Die meisten Anbieter setzen auf Lüftungsschlitze mit Schiebereglern, mit denen sich die Belüftung je nach Wetterlage regulieren lässt. Das zweite System ist etwas umständlicher: ein Noppenvlies, das zum Verschließen der Öffnungen in den Helm gelegt und zum Öffnen wieder herausgenommen wird. Es kommt bei Giro, Head und Scott zum Einsatz.

Bei Casco und SH+ können die Belüftungsöffnungen gar nicht und bei Cratoni und Uvex nur teilweise geschlossen werden. Bei Schneefall kann der Skifahrer da schnell einen nassen Kopf bekommen.

Helm drückt Brille auf die Nase

Eine Skibrillenbefestigung auf der Rückseite des Helms ist heute Standard, entweder in Form eines Kunststoffbügels oder eines flexiblen Bandes. Skihelm und Brille müssen aber unbedingt zusammenpassen. Denn zum einen darf zwischen Brille und Helm kein Freiraum bleiben, da der Fahrtwind an dieser Stelle extrem unangenehm ist. Zum anderen darf der Helm die Brille nicht nach unten drücken, weil der Druck auf die Nase sehr schmerzhaft ist.

Achtung: Mitunter sitzen selbst empfohlene Kombinationen nicht bequem. Bei Carrera drückte die als passend angebotene Skibrille besonders stark auf die Nase.

Elf Helme können gefährlich werden, wenn der Skifahrer beispielsweise am Lift hängen bleibt. Bei ihnen öffnet oder reißt das Kinnband in diesem Fall nicht rechtzeitig, weshalb es zur Strangulation und Kehlkopfverletzungen kommen kann. Das wurde schon beim letzten Test bemängelt.

Weniger schlimm, aber ärgerlich sind unverständliche Gebrauchsanleitungen. Der italienische Anbieter SH+ hat seine Anleitung offenbar mit einem Übersetzungsprogramm ins Deutsche übertragen. Herausgekommen sind Sätze wie: „Tragen Sie eine Schärpe unter dem Riemchen nie.“

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